Image der Zeitarbeit klafft auseinander: Was denken Zeitarbeiter und Festangestellte?

verfasst von zvoove, 02.03.2020
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Zeitarbeiter größtenteils zufrieden

Zeitarbeit spaltet die Gemüter. Noch immer kursieren viele Vorurteile zum Modell ANÜ. Wie stehen Zeitarbeiter selbst zur Leiharbeit? Hier gibt es eine gute Nachricht für die Branche. Die Hälfte der Beschäftigten bewertet die Zeitarbeit positiv (Page Personnel Zeitarbeitsstudie). Ein Drittel ist neutral eingestellt. Zum Vergleich: ein Großteil der Arbeitnehmer in Deutschland scheint wenig zufrieden mit seinem Arbeitgeber. Laut Engagement Report fühlen sich **75 % **von ihrer Arbeit überfordert. Nur jeder Dritte würde seinen Arbeitgeber weiterempfehlen. Arbeitnehmer wünschen sich mehr Entscheidungsfreiraum und bessere berufliche Perspektiven. Eine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben rund 15 % der Beschäftigten (Gallup Engagement Index 2019). Etwa ebenso viele haben bereits innerlich gekündigt.

 

Großer Unterschied zu Festangestellten 

Zurück zur Zeitarbeit. Während die Bewertung unter Zeitarbeitern eher positiv ausfällt, sieht es bei Festangestellten anders aus. Etwa die Hälfte steht der ANÜ neutral gegenüber. Ein Drittel bewertet sie als negativ. Dies kann verschiedene Gründe haben. Stammbeschäftigte müssen sich auf neue (temporäre) Kollegen einstellen. Manchmal dauert es mit der Integration ins Team. Ggf. meinen Mitarbeiter, der Zeitarbeitnehmer erfahre einer Sonderbehandlung. Oder sie fürchten eine Verdrängung von Stammbeschäftigten durch Zeitarbeiter. Dieses Thema wurde besonders in der Pflege diskutiert (Leiharbeit in der Pflege: Zu viele Zeitarbeitnehmer?).

 

Was meinen ehemalige Zeitarbeiter? 

Ex-Mitarbeiter bewerten die Zeitarbeit positiver als Festangestellte. Immerhin ein Drittel haben ein gutes Bild von der Leiharbeit. Der Großteil gibt sich neutral. Die unterschiedlichen Bewertungen resultieren aus den unterschiedlichen Erfahrungen. Zeitarbeiter kennen die Realität der Branche und können Vorurteile überwinden. Die beste Einschätzung können Personen treffen, die gerade in der Zeitarbeit beschäftigt sind. Sie wissen um die Rahmenbedingungen und positiven Dynamiken. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan in der Zeitarbeit. Am 1. April 2017 etwa erfolgte die AÜG-Reform. Seitdem gelten für Zeitarbeiter Grundsätze wie Equal Pay. Schon zuvor hatte es Branchenzuschläge gegeben. Das Ziel ist eine Annäherung der Zeitarbeitslöhne an jene der Stammmitarbeiter.

 

Woher kommt das negative Bild? 

Leider haben viele Menschen ein falsches Bild von der Zeitarbeit. Dazu beigetragen hat eine negative mediale Berichterstattung. Diese hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Immer wieder hört man positive Stimmen von Zeitarbeitern. Vorurteile lassen sich jedoch nur langsam abbauen. Fehlendes Wissen und mangelnde Erfahrung mit der Branche halten das Negativimage aufrecht. Laut Zeitarbeitsstudie haben sich nur 15 % intensiver mit dem Thema Zeitarbeit beschäftigt. Über ein Drittel haben sich noch nie mit der Leiharbeit befasst. Jene Arbeitnehmer, die sich mit dem Modell auseinandergesetzt haben, hegen ein positiveres Bild.

 

Viele Studien zeichnen positives Bild 

Schon frühere Studien legen nahe, dass viele Zeitarbeiter mit ihrer Anstellung zufrieden sind. Die Orizon Arbeitsmarktstudie zeigt, dass Zeitarbeiter sich am Einsatzort gut integriert fühlen. Unternehmen haben größtenteils positive Erfahrungen mit dem Modell gemacht. So zeigte bspw. eine frühere Befragung von Page Personnel, dass 4 von 5 Unternehmen ihre Erfahrungen als positiv oder sehr positiv bewerten. Der Einsatz von Zeitarbeitern erfolgt primär aus Gründen der Flexibilität (89,4 %) oder zur Deckung des kurzfristigen Personalbedarfs (87,8 %). Drei Viertel wollen aus dem Pool der Zeitarbeiter Kandidaten für eine Festanstellung identifizieren. Entsprechend hoch sind die Übernahmechancen für Zeitarbeiter.

 

Was macht die Zeitarbeit besonders? 

Die Zeitarbeitsbranche hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Dass Zeitarbeiter über einen regulären Arbeitsvertrag verfügen, wissen nur wenige. Das Modell ist keine „Arbeit auf Zeit“ – oft ist der Vertrag unbefristet. Der größte Unterscheid zum Standard-Arbeitsverhältnis: Zeitarbeiter werden dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden. Sie arbeiten in einem Einsatzunternehmen (Entleiher). Der Entleiher ist Kunde ihres Arbeitgebers, der Verleihfirma (Verleiher). Die Konditionen des Auftrags sind im AÜ-Vertrag zwischen Verleiher und Entleiher geregelt (z. B. Arbeitszeit, Tätigkeit). Ein Zeitarbeiter arbeitet für eine festgesetzte Stundenzahl. Die Stunden werden in einem Arbeitszeitkonto abgetragen.

Was die Zeitarbeit auszeichnet und was nicht, haben wir in unserem Blog zusammengefasst: Mythen zur Zeitarbeit enttarnt.

 

Welche Vorteile hat die Zeitarbeit? 

Die Zeitarbeit ist ein wichtiger Motor für Wirtschaft und Integration. Für Unternehmen ist das Modell wichtig zum flexiblen Personaleinsatz. Engpässe lassen sich durch Leasing-Kräfte kurzfristig überbrücken. Für Mitarbeiter kann das Modell je nach Lebenssituation sehr sinnvoll sein. Es eignet sich zum Beispiel für Berufseinsteiger, die Erfahrungen sammeln wollen. Berufsrückkehrern bietet es eine Chance, nach längerer Pause in das Arbeitsleben zurückzukehren. Auch bei einer Umorientierung kann die Zeitarbeit helfen. Zeitarbeiter lernen Unternehmen und Tätigkeiten praktisch kennen. Manche schätzen die Abwechslung, die das Modell bietet. Zeitarbeit hat sich außerdem als wichtiger Integrationsmotor erweisen. Viele geflüchtete Menschen finden über die Arbeitnehmerüberlassung eine Anstellung.

 

Fazit

Die Zeitarbeit hat mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Vor allem Personen, die Erfahrungen mit der Branche haben, teilen diese Ansichten nicht. Sie haben ein eher positives Bild von der Zeitarbeit. Anders sieht es mit Menschen aus, die weniger Berührpunkte mit der Leiharbeit haben. Mangelndes Wissen und fehlende Erfahrung beeinflussen das Negativimage. Die mediale Berichterstattung hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Es werden auch positive Stimmen von Leiharbeitern laut, die zufrieden mit ihrer Tätigkeit sind.

Quelle Foto: © Syda Productions / Adobe Stock

 

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