EFCI‘s Report: Corona-Auswirkungen auf den Reinigungssektor

verfasst von zvoove, 30.03.2022
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Folgen der Corona-Pandemie auf die Reinigungsbranche

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den europäischen Reinigungssektor divergieren. Nicht alle Länder waren gleichermaßen betroffen. Laut EFCI’s Industry Report 2021 ist die Anzahl der Mitarbeiter und Unternehmen insbesondere in Großbritannien, Spanien und Schweden im Vergleich zum Prä-Coronaniveau zurückgegangen. Viele der für den Report befragten Unternehmen erwarteten eine weitere Abnahme. Frankreich und das Vereinigte Königreich hingegen gingen eher von einem baldigen Anstieg ihrer Mitarbeiter- und Unternehmensanzahl aus.
Auch die Sektoren waren unterschiedlich stark von der Pandemie betroffen. In den Bereichen Catering und Gastgewerbe, die beide stark unter den Corona-Lockdowns gelitten haben, gingen auch die Reinigungsaktivitäten zurück. Im Bildungs- und Gesundheitswesen hingegen stieg der Anteil an Reinigungskräften.
Die gute Nachricht: Insgesamt wird im Bericht eine graduelle Rückkehr zum Prä-Coronaniveau vorhergesagt. Dies liege vor allem an der Erholung der Wirtschaft und der Rückkehr von Mitarbeitern aus dem Home Office. Sprich: Mit der Rückkehr zur Präsenzarbeit steigt der Reinigungsbedarf. Allerdings fluktuieren die Corona-Inzidenzen, so dass Home Office schnell wieder zur Option wird.

Umsatzrückgänge in den meisten Ländern

Als Folge der Corona-Pandemie kam es zu Umsatzeinbußen in vielen Unternehmen des Reinigungssektors. Davon waren die meisten europäischen Länder betroffen, mit Ausnahme von Portugal, das keine signifikanten Umsatzunterschiede aufwies. Einer der Hauptgründe für diese Rückgänge waren gekündigte Geschäftsverträge durch Kunden. Im Zuge des Lockdowns mussten viele Kunden ihre Nachfrage nach Reinigungspersonal herunterschrauben.
Als weitere Gründe für Umsatzrückgänge nannten die befragten Unternehmen:

  • Streichung regulärer Beschäftigungen in Folge geschlossener Einrichtungen (71 %)
  • Streichung geplanter atypischer Beschäftigungen (57 %)
  • geringere Reinigungshäufigkeit bei Beibehaltung der Beschäftigtenzahl (57 %)
  • reduzierte Services bei Beibehaltung der Beschäftigtenzahl (43 %)
  • keine Erbringung der Serviceleistungen möglich aufgrund mangelnder materieller Ressourcen (29 %)
  • keine Erbringung der Serviceleistungen möglich aufgrund mangelnder personeller Ressourcen (14 %)

Die Umsatzrückgänge zeigten sich besonders für Unternehmen mit Aufträgen in den Bereichen Transport, Unterhaltung, Tourismus und Gastgewerbe (z. B. Reinigung von Flughäfen und Einkaufszentren). Unternehmen mit Aufträgen in anderen Bereichen konnten ihr Umsatzniveau halten oder durch Extra-Services erhöhen. Viele der Unternehmen erweiterten ihr Produktportfolio durch neue Technologien und Services, um Umsatzeinbußen abzufangen. Zu den weiteren Strategien gehörten die Erschließung neuer Kundensegmente, Preisstrategien, Supply-Chain- und Vertriebsstrategien.

Gründe für die Vertragsrückgänge

Einer der Hauptgründe für die Umsatzeinbußen während der Corona-Pandemie lag laut Report in der Zunahme von Vertragskündigungen. Diese gingen primär auf die Schließung von Einrichtungen im Zuge des Lockdowns zurück. Weiterhin gaben 40 % der Befragten als Grund für die Vertragsrückgänge an, nur eingeschränkte Akquisemöglichkeiten für geplante Neuverträge gehabt zu haben. Bei 20 % der Befragten kam es zu vorübergehenden Aussetzungen von Verträgen.
Bezüglich der Vertragsrückgänge gab es große Unterschiede zwischen öffentlichem und privatem Sektor. Die Anzahl der Verträge im öffentlichen Sektor hat sich mehrheitlich nicht verändert oder sogar erhöht, z. B. durch eine höhere Nachfrage nach Reinigungsservices im öffentlichen Gesundheitswesen. Im privaten Sektor sind die Verträge mehrheitlich zurückgegangen. Im Zuge der Lockerungen des Lockdowns hat der negative Einfluss auf den Umsatz und die Anzahl der Verträge im privaten Sektor mittlerweile abgenommen.

Einfluss der Pandemie auf die Belegschaft

COVID 19 hat die Zusammensetzung der Belegschaft in vielen Ländern beeinflusst. In Österreich beispielsweise ist die Anzahl der Teilzeitbeschäftigten zurückgegangen (- 21 %). In Schweden und im Vereinigten Königreich hat sich die Anzahl der Vollzeitäquivalente reduziert, was laut Report als Anzeichen für einen permanenten Rückgang der Belegschaft deutbar ist. Zudem hat sich die Anzahl der Selbständigen in einigen Ländern reduziert (z. B. in Schweden), in anderen Ländern wie Spanien und Luxemburg hingegen erhöht. Ein Hauptgrund für Letzteres ist, dass Arbeitskräfte sich in Folge nicht verlängerter befristeter Verträge selbständig gemacht haben.
Insgesamt mussten Unternehmen verschiedene Personalmaßnahmen treffen, darunter z. B. vorübergehende oder dauerhafte Entlassungen. Am meisten davon betroffen waren Reinigungsmitarbeiter in Hotels, Restaurants und im Bereich Verkehrsanlagen (z. B. Flughäfen).

Größere Nachfrage nach Daytime Cleaning

Die Pandemie zeigte einen Einfluss auf die Arbeitszeiten von Reinigungskräften. Die Reinigung am Tag (Daytime Cleaning) wurde verstärkt nachgefragt, um Oberflächen sauber zu halten und Infektionen über kontaminierte Oberflächen zu verhindern. Vor allem in Deutschland, Österreich und Spanien stieg die Nachfrage nach Daytime Cleaning. Sprich: Reinigungskräfte arbeiteten weniger früh morgens oder nachts, sondern tagsüber. Das hat viele Vorteile, u. a., dass Oberflächen kontinuierlich gereinigt werden können. Reinigungskräfte können auf Spontanverschmutzung ad hoc reagieren und sind besser in das Tagesgeschehen integriert.
Mehr Wissenswertes zum Thema gibt es in unserem Blog: Daytime Cleaning: Pro und Contra der Tagesreinigung.

Fazit

Die Corona-Pandemie hat die Reinigungsbranche je nach Land und Kundensektor unterschiedlich stark getroffen. Im Catering und Gastgewerbe beispielsweise sind die Reinigungsaktivitäten erwartungsgemäß stärker zurückgegangen als im Gesundheitswesen. Viele Unternehmen verzeichneten Umsatzrückgänge, die vor allem auf die Zunahme von Vertragskündigungen in Folge des Lockdowns rückführbar waren. Als Strategie auf die Rückgänge erweiterten Unternehmen beispielsweise ihr Produktportfolio oder versuchten, neue Kundensegmente zu erschließen. Zudem mussten sie im Zuge der Pandemie auf verschiedene Personalmaßnahmen zurückgreifen.

Quelle Foto: © nimito / Adobe Stock

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