Skandal um gefakte Stellenanzeigen: BA ändert Jobsuche wegen Datenskandal – Personalvermittler betroffen

verfasst von zvoove, 23.08.2019
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Anzeigen von Vermittlern nicht mehr angezeigt

Ausgerechnet im datenschutzrechtlich strengen Deutschland hat sich ein Datenskandal ereignet. Betroffen sind vor allem Personalvermittler. Sie müssen damit rechnen, dass ihre Stellenanzeigen in Zukunft** nicht mehr automatisch in der Jobsuche der BA erscheinen. In der Jobbörse der Bundesagentur können Nutzer per Suchmaske Stellenangebote finden. Im Ergebnis wurden bis dato alle passenden Einträge zum Suchbegriff gelistet. Darunter Anzeigen von Zeitarbeitsfirmen und privaten Arbeitsvermittlern. Erst in einem 2. Schritt konnten potentielle Bewerber die Jobinserate filtern (z. B. Angebote von Personalvermittlern herausfiltern). Das hat sich seit Mitte August geändert. Nutzer müssen jetzt proaktiv ein Häkchen setzen**, um sich Anzeigen privater Arbeitsvermittler anzeigen zu lassen. Der Focus titelte, dass jedes 4. Stellenangebot künftig verdeckt wird. Wie ist es dazu gekommen?

 

Fake-Stellenanzeigen zum Datenklau 

Für Nutzer ist es ein Albtraum, wenn ihre Daten in falsche Hände geraten. Genau das ist jetzt passiert. Datenhändler haben massiv Bewerberdaten abgegriffen, um diese an private Arbeitsvermittler zu verkaufen. In der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit haben sie tausende **Fake-Anzeigen **geschaltet. Die Daten potenzieller Bewerber sind für Personalvermittler sehr wertvoll. Sie nutzen diese, um passende Arbeitskräfte für Kunden zu finden. Je aufschlussreicher die Daten, desto besser können sie mit den Stellenanforderungen eines Unternehmens gematcht werden. Auf dem Markt gibt es zahlreiche seriöse Anbieter, die konkret einen Job an einen Anbieter weitervermitteln. Dennoch gibt es auch schwarze Schafe (vermeintliche Arbeitsvermittler), die nur schwer zu erkennen sind. Sie fingieren Anzeigen für Fake-Jobs, um Daten zu generieren und aus diesen Profit zu schlagen. Bei einer Bewerbung geben Kandidaten eine Reihe persönlicher Daten preis. Sie stellen oft ihren kompletten CV und ihre Zeugnisse zur Verfügung. Zeugnisnoten, Gehaltsvorstellungen, E-Mail-Adresse, Handynummer, Privatadresse und mehr sind Bestandteil einer Bewerbung.

Den Datenskandal haben Reporter des SWR aufgedeckt. Sie verschickten Test-Bewerbungen an verdächtige Unternehmen. Skeptisch wurden sie, als sich eine Firma meldete, bei der sie sich nicht beworben hatten. Die Firma gab an, die Daten von einem Vertragspartner erhalten zu haben. Diesen haben die Journalisten unter dem Vorwand kontaktiert, Bewerberdaten kaufen zu wollen. Nach Vertragsabschluss mit dem Datenhändler erhielten sie täglich komplette Bewerbungsunterlagen. Neben dem Einzelkauf von 3 € pro Datensatz soll auch eine Flatrate möglich gewesen sein. Die Datenbroker prahlten mit 3.000 bis 5.000 Datensätzen pro Monat. Insgesamt 13.000-17.000 fingierte Stellen sollen sie inseriert haben. Laut SWR-Recherche könnte jede 10. Stellenanzeige von einem Datensammler stammen. Mit der Methode Fake-Anzeigen verstießen sie gleich mehrfach gegen die Nutzungsbedingungen der Jobbörse. Diese sieht u. a. vor, dass hinter jedem Stellenangebot ein Job existieren muss. Auch datenschutzrechtlich ist der Weiterverkauf von Daten heikel. Bewerber müssen vor Weitergabe ihrer Daten informiert werden und zustimmen.

 

Existenzbedrohung für Vermittler? 

Für private Arbeitsvermittler kann die Änderung der BA-Jobsuche problematisch sein. User agieren jetzt nach einer Art Opt-in Verfahren. Sie müssen vorab entscheiden, ob sie sich die Angebote der Vermittler anzeigen lassen. Kandidaten, die keine Erfahrung mit oder Vorurteile gegenüber Zeitarbeitsfirmen haben, werden die Anzeigen womöglich gar nicht zu sehen bekommen. Sie blenden sie direkt aus. Die Stellenreichweite könnte sich für Personalvermittler dadurch verringern. In der alten Suchversion haben User ein interessantes Jobangebot in ihrer Nähe vielleicht angeklickt, obwohl es von einem Vermittler stammt. Nach SWR-Bericht gibt es Arbeitsvermittler, die sich durch die Änderung in ihrer Existenz bedroht fühlen. Sie fürchten einen Rückgang der Bewerberzahlen durch weniger Bewerbungseingänge. Laut SWR hat eine Reihe an Arbeitsvermittlern mittlerweile rechtliche Schritte gegen die Änderung der BA angekündigt.

Weiterhin ist nicht klar, ob der Skandal sich negativ auf die Reputation von privaten Arbeitsvermittlern auswirkt. Werden Bewerber jetzt misstrauischer gegenüber Stellenanzeigen von Vermittlern, da sie dahinter Datenhändler vermuten? Es kann sein, dass die mediale Aufmerksamkeit bald wieder abebbt. Rechtliche Schritte durch den Gesetzgeber und ggf. eine strengere Regulierung werden wahrscheinlich folgen.

 

Multiposting-Strategie

Von Vorteil ist, dass viele Personalvermittler auf eine Multiposting-Strategie setzen. Sie schalten ihre Stellenanzeigen über verschiedene Kanäle, um die Zielgruppe zu erreichen und ihre Stellenreichweite zu maximieren. Die Jobbörse der BA ist dabei nur ein – wenn auch ein häufig genutzter – Kanal. 

Durch einen Kanal-Mix machen sich Recruiter weniger abhängig von einer einzigen Plattform. Bewerber suchen Stellen in vielen Online-Kanälen, z. B. in Jobportalen oder in den sozialen Medien. Metasuchmaschinen und mittlerweile auch Google aggregieren Stellenanzeigen aus dem Web, um Nutzern passende Ergebnisse anzuzeigen. Mit Google for Jobs hat Google eine Jobsuche eingeführt, mit der Stellenanzeigen in einer Job-Box vor den organischen Treffern erscheinen.

 
Skandal um gefakte Stellenanzeigen: BA ändert Jobsuche wegen Datenskandal – Personalvermittler betroffen

 

Auch Facebook hat eine Job-Funktion in Deutschland ausgerollt. Mit dem Feature können Unternehmen ihre Stellen direkt auf der Plattform einstellen. Der Kandidat kann seine Bewerbung über eine mobile App oder über die Desktop Version abschließen. 

 
Skandal um gefakte Stellenanzeigen: BA ändert Jobsuche wegen Datenskandal – Personalvermittler betroffen

 

Ein weiterer Hebel ist die Metajobsuchmaschine Indeed. Recruiter schalten z. B. Premium-Anzeigen, die prominent in der Jobsuche platziert werden und dem Bewerber besser ins Auge fallen. Ein entsprechendes Bewerbermanagement-System (z. B. prosoftrecruiting©) integriert Channels wie Indeed (Premium) zur Publikation von Stellenanzeigen. Per Multiposting veröffentlichen Recruiter ihre Anzeigen in mehreren Portalen gleichzeitig. Kennzahlen und Grafiken zeigen, wie erfolgreich die Kanäle performen.

Dennoch ist die Jobbörse der BA für viele Arbeitsvermittler ein wichtiger Kanal. Ob die BA weitere Änderungen vornimmt oder die rechtlichen Schritte fruchten, bleibt abzuwarten.

 

Fazit

Mitte August 2019 kam es zu einem Datenskandal. Datenhändler, die sich als private Arbeitsvermittler ausgegeben haben, schalteten tausende von Fake-Anzeigen. Mit der Aktion haben sie Bewerberdaten abgegriffen und diese an Vermittler verkauft. Als Reaktion hat die Bundesagentur für Arbeit die Suchfunktion der Jobbörse geändert. Künftig werden Stellenanzeigen privater Arbeitsvermittler nicht mehr angezeigt, es sei denn, der Nutzer setzt zuvor ein Häkchen. Vor der Änderung hat die Suche alle Stellenausschreibungen angezeigt. Ein Herausfiltern von Anzeigen war erst in einem zweiten Schritt möglich. Personalvermittler müssen wahrscheinlich mit einem Reichweitenverlust im BA-Portal rechnen. Einige Betroffene haben bereits rechtliche Schritte angekündigt.

Quelle Foto: © putilov_denis / Adobe Stock

 

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