Arbeitsmarktstatistik: Zeitarbeit unter den Top 3 beim Beschäftigtenzuwachs

verfasst von zvoove, 15.12.2021
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht Hohe Beschäftigtenzuwächse in der Zeitarbeit

Plus 4.000 Beschäftigte in einem Monat

Der Arbeitsmarkt zeigt einen Aufwärtstrend: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt, die Arbeitslosenquote sinkt (Blickpunkt Arbeitsmarkt | November 2021: Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt). Im Oktober waren rund 45,34 Millionen Menschen erwerbstätig, das ist ein Zuwachs von 289.000 (0,6 %) im Vergleich zum Vorjahr. Dies ist vor allem dem Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung zu verdanken, die seit dem ersten Lockdown eingebrochen war.

Die größten absoluten Beschäftigtenzuwächse verzeichnet das Gastgewerbe mit einem Plus von 7.000 von August auf September (saisonbereinigt). Darauf folgen qualifizierte Unternehmensdienstleistungen mit einem Zuwachs von 6.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten. Die Zeitarbeitsbranche landet mit einem Plus von 4.000 Arbeitnehmern auf Platz 3. Blickt man auf das Vorjahr, zeigen sich die größten absoluten Zuwächse im Bereich qualifizierte Unternehmensdienstleistungen (+ 74.000 bzw. 2,8 %). Die Zeitarbeit landet auf Platz 2 mit einem Anstieg von 71.000 Beschäftigten (+ 10,8 %) im Vorjahresvergleich, gefolgt vom Gesundheitswesen (+ 70.000 bzw.2,7 %). Abnahmen zeigten sich vor allem in der Metall-, Elektro- und Stahlindustrie (- 41.000) aber auch im Gastgewerbe (- 22.000) – Letzteres dürfte primär mit der Pandemiesituation zusammenhängen. Im Vormonatsvergleich konnte das Gastgewerbe steigende Zahlen verzeichnen (s. oben).

Personaldienstleistungsbranche meldet viele Stellen

Im November wurden der Bundesagentur für Arbeit (BA) 808.000 Arbeitsstellen gemeldet (nicht saisonbereinigt) – das sind 208.00 mehr als im Vorjahr (+ 35 %). 163.000 der Stellen wurden im November neu gemeldet (+ 13 % im Vorjahresvergleich). Saisonbereinigt ist der Bestand gemeldeter Stellen im November um 15.000 gestiegen. Schaut man auf den Stellenindex der BA (BA-X) – ein Indikator für die Personalnachfrage – zeigt sich eine Erhöhung im Vergleich zum Vormonat (um + 2 Punkte auf 128 Punkte).

Die Stellenzugänge hingegen nahmen im November um 1.000 ab, blieben aber auf einem hohen Niveau. Insgesamt wurden von April bis November weniger Stellen neu gemeldet als es vor der Corona-Pandemie (2019) der Fall war. Laut BA können die Stellenzugänge als Indikator für die Einstellungsbereitschaft von Unternehmen fungieren. Es sei ebenfalls möglich, dass Menschen im Zuge der coronabedingten Unsicherheit eine geringere Wechselbereitschaft aufwiesen. Aufgrund der geringeren Fluktuation seien weniger Stellen neu zu besetzen.

Besonders viele Stellen werden in der Personaldienstleistungsbranche gemeldet – das ermittelte der BAP Job Navigator (BAP Job-Navigator 10/2021: Top 10 Branchen). Im September stammten 387.000 Stellenanzeigen von Personaldienstleistern. Das heißt: Knapp jede 3. der analysierten 1,2 Millionen Stellenanzeigen kam aus der PDL-Branche.
Mehr Informationen dazu findest Du in unserem Blog: Jedes 3. Jobangebot kommt aus der Personaldienstleistung.

Sinkende Arbeitslosenzahlen

Die Arbeitslosenquote hat sich im November reduziert. Im November betrug sie 5,1 % - mit höherer Quote in Ost- als in Westdeutschland. Die höchste Arbeitslosenquote verzeichnete Bremen (9, 9 %), gefolgt von Berlin mit 8,9 %. Baden-Württemberg und Bayern haben die niedrigsten Arbeitslosenquoten (3,4 % und 2,9 %).

Im Vergleich zum Vormonat hat sich die Zahl der arbeitslosen Menschen auf rund 2.317.000 verringert – ein Minus von 60.000 (3 %) bzw. saisonbereinigt ein Minus von 34.000. Damit ist die Arbeitslosigkeit im November 2021 stärker gesunken als im November der letzten 3 prä-Corona-Jahre.
Im Vergleich zu November 2020 ist die Arbeitslosenzahl diesen November um 14 % zurückgegangen. Auch die Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) ist gesunken – um minus 401.000 (11 %). Dies liegt u. a. an der stärkeren Auswirkung der pandemiebedingten Einschränkungen im November 2020.

Die Folgen der Corona-Krise sind laut BA jedoch noch spürbar, wenn auch weniger. Schätzungen zufolge könnten rund 139.000 arbeitslose und 13.000 unterbeschäftigte Personen auf die Pandemie rückführbar sein. Die Corona-Pandemie habe laut BA zu einer Verfestigung von Arbeitslosigkeit geführt und den Anteil der langzeitarbeitslosen Menschen erhöht. Dennoch sei ein großer Teil der coronabedingten Arbeitsmarktbelastungen wieder abgebaut.

Zeitarbeit als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt

Die Zeitarbeit gilt als Flexibilisierungsinstrument für Unternehmen, hat aber auch eine Integrationsfunktion am Arbeitsmarkt. Für Menschen, die am Arbeitsmarkt nur schwer Fuß fassen können, bietet die Zeitarbeit eine besondere Chance – zum Beispiel für langzeitarbeitslose Personen oder Personen ohne Berufsabschluss.

So berichtete beispielsweise der BAP (Zeitarbeit hat hohen Stellenwert für Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit), dass die Zeitarbeit für 15 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsaufnahmen von langzeitarbeitslosen Personen verantwortlich sei. Berücksichtig man die Branchengröße (die Zeitarbeit hat einen Anteil von 2 % an der Gesamtbeschäftigung), ist das eine rund 8 Mal höhere Quote als auf Basis der Beschäftigungsgröße erwartbar wäre. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Corona-Krise die Langzeitarbeitslosigkeit verfestigt hat, ist die Zeitarbeit ein wichtiges Instrument zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit.

Fazit

Der Arbeitsmarkt erholt sich – die Arbeitslosenquote sinkt, die Zahl der Erwerbstätigen steigt. Die Zeitarbeit liegt bei den absoluten Beschäftigtenzuwächsen unter den Top 3 – mit einem Plus von 4.000 Beschäftigten in einem Monat. Schon der BAP Job Navigator hatte ergeben, dass die Personaldienstleistungsbranche besonders viele Stellen veröffentlicht. Angesichts der durch die Corona-Pandemie verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit spielt die Zeitarbeit gerade jetzt eine wichtige Rolle, um Betroffene in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Quelle Foto: © Kzenon / Adobe Stock

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