Job Enlargement

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Job Enlargement (Arbeitsplatzerweiterung) ist eine Strategie der Arbeitsstrukturierung und verweist auf den Bereich der Arbeitsfeldvergrößerung. Die Arbeitsstrukturierung beinhaltet verschiedene Maßnahmen zur Veränderung der Arbeitsorganisation. Dazu zählen z. B. das Job Enlargement und Job Enrichment. Beim Job Enlargement werden einem Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben mit einem gleichwertigen Anforderungslevel übertragen, wohingegen er beim Job Enrichment Aufgaben auf höherer Anforderungsebene übernimmt. Im Falle eines Job-Enlargements hat sich der Mitarbeiter meist zuvor auf eine Tätigkeit beschränkt und übernimmt jetzt zusätzliche gleichrangige Aufgaben. Es werden zum Beispiel weitere Arbeitselemente oder verwandte Aufgaben angegliedert, die der Tätigkeit des Mitarbeiters vor- oder nachgelagert waren. Dadurch erhöht sich der Umfang der Arbeit und die Arbeitsteilung wird verringert. Aufgaben, die bisher von mehreren Mitarbeitern bearbeitet wurden, lassen sich so zusammenfassen. Ein Beispiel für diese Form der horizontalen Umstrukturierung ist, wenn ein Verkäufer zusätzliche Kunden eines Nachbarbezirks übernimmt, mehrere Arbeitsplätze zusammengelegt werden, weil eine Maschine die Routineaufgaben erledigt oder ein Mitarbeiter im Einkauf nicht wie bisher nur Bestellungen schreibt, sondern Angebote einholt und Daten pflegt. Im Gegensatz zum Job Enrichment, bei dem sich der Entscheidungsspielraum des Mitarbeiters vergrößert, hat er beim Job Enlargement i. d. R. keine erhöhte Entscheidungsmacht. Der Tätigkeitsspielraum wird durch die ergänzenden Aufgaben jedoch erweitert. Neben dem Job Enlargement und Job Enrichment gehört auch die Job Rotation zu den Instrumenten der Arbeitsplatzgestaltung. Hierbei wechseln Mitarbeiter systematisch ihren Arbeitsplatz, um ihre Fachkenntnisse zu vertiefen oder Arbeitsmonotonie zu vermeiden.

Ziele des Job Enlargements

Als Strategie der Arbeitsstrukturierung zielt das Job Enlargement darauf ab, Variation in der Arbeitstätigkeit zu ermöglichen und allzu eingeschränkte Spezialisierungen zu vermeiden. Dadurch lassen sich zum Beispiel Mehrfacharbeiten abbauen und ähnliche Aufgaben zusammenfassen. Ein regelmäßiger Belastungswechsel in der Tätigkeit fördert Erholungszeiten und verringert einseitige Belastungen. Durch den Wechsel zwischen den Arbeitsaufgaben soll eine psychische und physische Eintönigkeit vermieden werden. Die Abwechslung und Tätigkeitsvielfalt trägt dazu bei, Monotonie und Ermüdung vorzubeugen. Das richtige Aktivierung- oder Stimulationsniveau sorgt dafür, dass die Tätigkeit für den Mitarbeiter interessanter ist und kann sich positiv auf seine Motivation sowie seine Arbeitszufriedenheit auswirken. Eine Arbeit mit optimalem Erregungsniveau, im Fachjargon auch Flow genannt, ist meist produktiver. Dem Mitarbeiter fällt es leichter, sich mit seiner Tätigkeit zu identifizieren. Daraus resultiert im Idealfall eine intrinsische Motivation, die ihn dazu antreibt, die Arbeit um ihrer selbst willen zu erledigen. Im Falle einer zu einseitigen, monotonen Arbeit kann es sein, dass er Mitarbeiter unproduktiv arbeitet. Die Schweizer Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter Werder prägten für die krankmachende Langeweile oder chronische Unterforderung den Begriff Boreout. Zu den Symptomen zählen zum Beispiel Antriebslosigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Desinteresse, erhöhte Müdigkeit oder Depressionen. Langeweile durch Monotonie lässt sich im Idealfall durch die mit dem Job Enlargement einhergehende Abwechslung und die vermehrten Belastungswechsel reduzieren. Eine stark arbeitsteilige Tätigkeit kann dazu führen, dass der Mitarbeiter eine Entfremdung von seiner Arbeit erfährt. Auch diese lässt sich ggf. durch eine Übernahme weiterer Arbeitsschritte in der Aufgabenkette verringern. Das Job Enlargement zielt in diesem Sinne darauf ab, Leistungsabfall, Absentismus und Mitarbeiterfluktuation einzuschränken. Die Strategie kann gezielt dafür eingesetzt werden, Mitarbeiter zu fördern und sie beruflich stärker auszulasten, um ihre Leistungsmöglichkeiten zu erhöhen. Da ein Mitarbeiter beim Job Enlargement meist weitere vor- oder nachgelagerte Aufgaben übernimmt, ist das Arbeitssystem weniger störanfällig, wenn sich z. B.  Koordinations- oder Abstimmungsprobleme vermeiden lassen. Ein weiterer Vorteil: Ein Mitarbeiter, der Querschnittsaufgaben übernimmt, ist flexibler einsetzbar. Das bietet Vorteile für die Personalplanung, die sicherstellen soll, dass Mitarbeiterkapazitäten im Unternehmen kurz-, mittel- und langfristig gedeckt sind.

Das Job Enlargement kann jedoch auch Nachteile mit sich bringen. Durch die Übertragung zusätzlicher Aufgaben, die den Mitarbeiter überlasten, fühlt er sich überfordert. Eine Arbeitsverdichtung, zum Beispiel durch zusätzliche Belastungen oder eine Veränderung der Arbeitszeiten, macht ggf. eine Gefährdungsbeurteilung und eine Rücksprache mit dem Betriebsrat notwendig. Eine zuvorige Ermittlung der neuen Anforderungen kann dabei helfen, den Mitarbeiter nicht zu überfordern. Im Gegensatz zum Job Enrichment, bei dem er meist Aufgaben mit höherem Anforderungsniveau übernimmt und seinen Entscheidungsspielraum erweitert, profitiert er beim Job Enlargement seltener von einer Gehaltssteigerung. Er kann deshalb das Gefühl haben, weitere Aufgaben zu übernehmen, dafür aber nicht ausreichend entlohnt zu werden. Ein Job Enlargement ist meist dann sinnvoll, wenn der Mitarbeiter durch die Übernahme zusätzlicher Aufgaben mehr Abwechslung in seiner Tätigkeit erfährt und seine Fähigkeiten erweitert bzw. besser einbringen kann.

Wann ist ein Job Enlargement sinnvoll?

Die Anforderungsermittlung ist eine Maßnahme zur Arbeitsstrukturierung. Mit der Analyse und Auswertung von Arbeitsanforderungen lässt sich einschätzen, ob und in welcher Form die Um-/Neustrukturierung von Aufgaben sinnvoll ist. Um zu überprüfen, ob der Arbeitskräfteeinsatz effizient ist, werden zum Beispiel Arbeitsanforderungen, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung den Fähigkeiten der Arbeitskraft gegenüber gestellt. Dadurch wird überprüft, ob die Belastungen (z. B. körperlich, geistig, Umgebungsfaktoren wie Lärm, Verantwortungsumfang etc.) angemessen sind. Die Anforderungen der Tätigkeit werden bestimmt und bezüglich Zeit und Intensität ausgewertet. Nach dem Belastungs-Beanspruchungsmodell hängt die Höhe der Arbeitsbeanspruchung nicht nur von der Belastung ab, sondern auch von den Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Person. Die gleiche Belastung unterscheidet sich demnach je nach Arbeitnehmer: Bei unterschiedlichen Mitarbeitern kann sie zu unterschiedlichen Beanspruchungen führen. Einige Personen sind also bei gleicher Belastung eher überfordert und fühlen sich stärker beansprucht als andere. Eine falsche Beanspruchung kann zu Ermüdung führen. Ziel der Job Enlargements ist es, ermüdungsähnliche Zustände, z. B. als Folge von Monotonie, durch den Beanspruchungswechsel zu vermeiden.

Ein Beispiel für die Umsetzung des Job Enlargements sind folgende 5 Prozessschritte:

  1. Die Unternehmensleitung entscheidet über die Implementierung von Maßnahmen des Job Enlargements und beauftragt zum Beispiel Abteilungsleiter/Abteilungen dazu, notwendige Schritte umzusetzen.
  2. Die Maßnahmen werden in den Abteilungen vorbereitet und Verantwortliche ernannt. Ggf. werden Projektteams gegründet.
  3. Betroffene Arbeitnehmer werden informiert und die Ziele werden – auch mit Blick auf die Interessen der Mitarbeiter – festgelegt.
  4. Die geplanten Maßnahmen werden implementiert, meist durch „Learning on the Job“.
  5. Die Maßnahmen werden kontrolliert und evaluiert.

Fazit 

Das Job Enlargement ist neben dem Job Enrichment und der Job Rotation eine Strategie der Arbeitsstrukturierung. Es beschreibt die Erweiterung von Arbeitsaufgaben auf demselben Anforderungsniveau, zum Beispiel durch die Übertragung vor- und nachgelagerte Tätigkeiten im Produktionsprozess an einen Mitarbeiter. Das Job Enlargement kann dazu beitragen, die Aufgaben eines Mitarbeiters abwechslungsreicher zu gestalten und seine Arbeitsmotivation sowie -zufriedenheit zu erhöhen. Die mit der Aufgabenvergrößerung einhergehenden Belastungswechsel beugen Monotonie oder einseitigen Belastungen vor.

 

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