Als Gründer durchstarten: So gründen Sie eine Zeitarbeitsfirma

verfasst von zvoove, 16.10.2019
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Die wichtigsten Schritte

Wie lukrativ ist es, seine eigene Zeitarbeitsfirma zu gründen? Gründer haben am Anfang der Gründungsphase viel zu beachten. Sie erstellen eine Marktanalyse, um den Markt mitsamt Konkurrenz und Kundenpotenzial zu überblicken. Ein Finanz- und Businessplan machen den Einstieg kalkulierbar. Gründer müssen sicherstellen, dass ausreichend liquide Mittel zur Verfügung stehen. Grundlegende Fragen wie die Wahl der Rechtsform sind rechtzeitig zu klären. Außerdem sind eine Reihe rechtlicher Anforderungen zu erfüllen, z. B. der Eintrag ins Handelsregister und die Beantragung einer AÜ-Erlaubnis. Nicht zu unterschätzen sind die Ausgaben für das Marketing. Das Unternehmen muss genügend Budget einplanen, um eine Reputation aufzubauen. Last but not least sind wichtige operative Fragen zu klären, damit der Betriebsablauf funktioniert. Wie viel Personal wird für welche Tätigkeiten benötigt? Lassen sich Prozesse standardisieren (z. B. durch Software), um Effizienz zu steigern und Kosten zu senken? All diese Aspekte sollten vorab geklärt werden. Die Marktanalyse ist ein wichtiger Schritt, um den Markteintritt vorzubereiten.

 

Marktanalyse  für Gründer

Die Marktanalyse verschafft einen Überblick über Wettbewerber, mögliche Kunden und Mitarbeiter. Angebot und Nachfrage werden genau untersucht. Der Gründer analysiert, welche Arbeitskräfte in einer Region besonders nachgefragt werden und wie sich die Nachfrage entwickelt hat. Auch Prognosen über künftige Entwicklungen lassen sich treffen. Gibt es bereits Wettbewerber, die die Nachfrage bedienen? Haben sich Konkurrenten spezialisiert und bedienen eine Nische oder handelt es sich um Generalisten? Wie kann die eigene Firma mit der Konkurrenz mithalten (z. B. durch Bedienung eigener Nischen, Differenzierung, Preis- oder Qualitätsunterschiede)? Die Marktanalyse bietet eine Möglichkeit, den Markt einzugrenzen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Dies kann z. B. über ein Produkt, eine bestimmte Zielgruppe oder ein Einzugsgebiet erfolgen.

Wichtig ist die Identifizierung von Chancen und Risiken, die einer Firma mit ihren spezifischen Stärken und Schwächen begegnen. Hier lässt sich z. B. eine SWOT-Analyse einsetzen. Bevor der Markteintritt erfolgt, sind mögliche Barrieren zu analysieren. Markteintrittsbarrieren sind z. B. Differenzierungsvorteile, Know-how Vorsprung und Kapitalstärke bestehender Anbieter. Auch Fachkräfteengpässe und Employer Branding Vorteile der Bestandsanbieter können hinderlich sein. In Zeiten von Personalengpässen ist das Finden und Binden von Mitarbeitern eine Herausforderung. 82 % der Zeitarbeitsfirmen haben Schwierigkeiten dabei, ihre Stellen zu besetzen (DIHK-Arbeitsmarktreport 2019). Gründer brauchen einen Plan, wie sie langfristig einen stabilen Mitarbeiterstamm aufbauen. Welche Instrumente nutzen sie für die Rekrutierung von Personal? Welche Quellen kommen in Frage? Auch die Standortfrage spielt eine Rolle. Sind im Umkreis passende Kandidaten vorhanden? Deckt sich das Angebot mit dem Bedarf der Kunden? Je nach Spezialisierung kann die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften sehr unterschiedlich ausfallen. Einige Firmen fokussieren sich auf Hilfskräfte, andere auf Fachkräfte oder Experten. Auch eine Spezialisierung auf bestimmte Branchen oder Mangelberufe kann lukrativ sein. Entscheidend ist, dass genügend Kunden mit entsprechendem Bedarf vorhanden sind. In einer Region mit einer hohen Dichte an personalstarken Gesundheitseinrichtungen kann z. B. ein Fokus auf medizinisches Personal sinnvoll sein. 73 % der Branchenangehörigen halten eine Positionierung als Spezialanbieter für das ideale Geschäftsmodell (PwC Erhebung). Ebenso viele plädieren für eine Differenzierung durch Angebot höher qualifizierter Arbeitskräfte.

 

Marketing: Kunden und Bewerber überzeugen

Es ist wichtig, die neugegründete Firma unter potenziellen Kunden und Mitarbeitern bekannt zu machen. Über Alleinstellungsmerkmale bzw. die USP heben sich Unternehmen von Wettbewerbern ab. Für eine Zeitarbeitsfirma, die sich auf die Überlassung von Zeitarbeitern spezialisiert hat, sind Mitarbeiter eine erfolgskritische Ressource. Entsprechend wichtig ist das Budget für das Personalmarketing. Eine Möglichkeit, eine Reputation als attraktiver Arbeitgeber aufzubauen, ist das Employer Branding. Über ihre Arbeitgebermarke vermitteln Firmen Botschaften über Werte und Unternehmenskultur. Zeitarbeitsfirmen werben zum Beispiel mit einer persönlichen Betreuung von Mitarbeitern, einem unbefristeten Vertrag und Bezahlung nach Tarif. Für Kandidaten kann die Anstellung den Einstieg oder Wiedereinstieg in die Berufswelt erleichtern. Mitarbeiter sammeln Erfahrungen und verbessern ihre Employability. Die Zeitarbeit kann sie bei einer beruflichen Umorientierung unterstützen. Das Nutzenversprechen lässt sich verdichten und als Kernbotschaft in einer Employer Value Proposition (EVP) verpacken. Ein wichtiges Instrument für die Kunden- und Bewerberansprache ist das Internet. Firmen können z. B. auf Content-Marketing Strategien setzen, um im Netz gefunden zu werden. Mehr dazu in diesem Blogbeitrag.

 

Rechtliche Bedingungen prüfen

Gründer von Zeitarbeitsfirmen müssen rechtliche Anforderungen erfüllen (z. B. Gewerbeanmeldung, Anmeldung bei Berufsgenossenschaften, Handelsregistereintragung). Sie benötigen eine Zulassung als Verleihfirma, um gewerblich tätig zu werden. Eine AÜ-Erlaubnis beantragen sie schriftlich bei der Bundesagentur für Arbeit. Die BA stellt einen Vordruck (AÜG 2a) zur Verfügung.

Wird erstmalig ein Antrag auf Erteilung der Arbeitnehmerüberlassungserlaubnis gestellt, sind folgende Unterlagen einzureichen:

  • Antragsvordruck
  • Kopien des Gesellschaftsvertrages
  • Kopie der Gewerbeanmeldung
  • Kopie des aktuellen Handelsregisterauszuges
  • Nachweis über Beantragung eines Führungszeugnisses
  • Auskunft aus dem Gewerbezentralregister
  • Bescheinigung der Krankenkassen
  • Bescheinigung der Berufsgenossenschaft
  • Muster eines Überlassungsvertrages gemäß § 12 AÜG
  • Liquiditätsnachweise: Auszüge der Geschäftskonten und ggf. Kreditbestätigungen

Bei einer beabsichtigten Beschäftigung von mind. 5 Zeitarbeitern müssen mindestens 10.000 Euro nachgewiesen werden. Bei mehr als 5 Leiharbeitern sind pro Person 2.000 Euro nachzuweisen.

Dokumente wie ein polizeiliches Führungszeugnis dienen dazu, die Zuverlässigkeit des Gründers zu bescheinigen. Um sicher zu gehen, dass die Erlaubnis nicht verweigert wird, sollte eine **Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Finanzamt **vorgelegt werden. Außerdem kann es ratsam sein, eine **Mitgliedschaft **beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) oder beim Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) zu beantragen. 

 

Fazit

Die Gründung einer Zeitarbeitsfirma ist gut vorzubereiten. Gründer sollten zum Beispiel eine Marktanalyse erstellen, um Konkurrenz, Kunden- und Mitarbeiterpotenzial zu untersuchen. Auch mögliche Eintrittsbarrieren sollten beleuchtet werden. Rechtliche Anforderungen wie die Beantragung der AÜ-Erlaubnis sind einzukalkulieren. Ein Businessplan mit der Geschäftsidee und ein Finanzplan zur finanziellen Umsetzung stützen den Eintritt. Ein wichtiger Schritt zum Aufbau der Reputation ist das Marketing (inkl. Personalmarketing). All diese Bereiche sollten vorher berücksichtigt werden, um erfolgreich durchzustarten.

Quelle Foto: © Cookie Studio / Adobe Stock

 

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