Zeitarbeit: der Jahresrückblick 2021

verfasst von zvoove, 29.12.2021
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Corona-Pandemie

2021 war wie die Vorjahre von der Corona-Pandemie geprägt – allerdings mit etwas mehr Routine. Unternehmen mussten auch dieses Jahr flexibel bleiben und sich auf wechselnde Vorschriften einstellen. Stichwort: Corona-Arbeitsschutzverordnung.

Aufgrund der hohen Inzidenz im April (3. Welle) wurde eine Testpflicht für Unternehmen eingeführt. Zunächst war vorgesehen, dass Mitarbeiter mind. 1 Mal pro Woche ein Testangebot erhalten (2 Mal pro Woche bei kontaktreicher Tätigkeit). Das änderte sich schnell mit der 3. Änderung der ArbSchV zum Ausbau der Testpflicht. Die Testpflicht stieß auf Kritik, etwa beim iGZ (iGZ-Statement). Erleichterung brachten die erweiterten Impfmöglichkeiten: Ab 7. Juni durften endlich auch Betriebsärzte impfen.

Zeitarbeit in der Fleischindustrie: das Arbeitsschutzkontrollgesetz

Das neue Jahr fing nicht in allen Aspekten gut an. Zum 1. Januar 2021 ist das Arbeitsschutzkontrollgesetz in Kraft getreten. Damit sollte Zeitarbeit in den Kernbereichen der Fleischindustrie (Schlachtung, Zerlegung, Fleischverarbeitung) ab dem 1. April 2021 verboten werden. Eine auf 3 Jahre befristete Ausnahmeregel gilt bei saisonalen Auftragsspitzen in der Fleischverarbeitung. In nicht-Kernbereichen (z. B. der Verwaltung) ist Zeitarbeit erlaubt. Die Einschränkungen gelten für Betriebe, bei denen mehr als 50 % der Gesamtarbeitszeit ihrer Beschäftigten auf Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung entfällt.
Die bis zum 31. März 2024 geltenden Ausnahmeregelungen für Zeitarbeit in der Fleischverarbeitung sind in der BA-Weisung nachzulesen: Weisung 202104002 vom 01.04.2021 – Arbeitsschutzkontrollgesetz – Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie.

Politischer Wandel? Bundestagswahl 2021

Die Zeitarbeitsbranche hat schon viele politische und rechtliche Veränderungen getragen. Die Meinungen der Parteien zur Zeitarbeit gehen auseinander und implizieren unterschiedliche Konsequenzen für die Branche. Am 26. September stand mit der Bundestagswahl eine potenziell neue Weichenstellung für die Zeitarbeit an.

Die bis dato CDU-geführte Bundesregierung hat in ihrem Wahlprogramm die Vorteile der Zeitarbeit betont. Sprich: die Integrationsfunktion für geringqualifizierte und langzeitarbeitslose Menschen und die Flexibilisierungsfunktion für Unternehmen. Die FDP, die jetzt als Teil der Ampel-Koalition mitregiert, sieht ebenfalls die Vorteile. Sie ist außerdem gegen überflüssige Sondervorschriften (etwa zur Höchstüberlassungsdauer). Die anderen Ampel-Parteien (Grüne, SPD) wollen vom 1. Tag an einen gleichen Lohn für Zeitarbeiter und Stammbeschäftigte durchsetzen. Die Grünen fordern zudem eine Flexibilitätsprämie für Zeitarbeiter.

Lünendonk®-Studie 2021: Fakten zum Zeitarbeitsmarkt

Die Lünendonk®-Studie 2021 liefert Einblicke in die Marktsituation von Zeitarbeitsunternehmen. Laut Studie sank das Marktvolumen der Branche im Jahr 2020 auf 27, 2 Milliarden Euro, d. h. um 12,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Ein Grund war die sinkende Kundennachfrage im Zuge der Pandemie. Ein Lichtblick: Für 2021 erwarteten die Unternehmen laut Studie Umsatzzuwächse von bis zu 26 %. Erwartet wurde der Nachfragezuwachs vor allem aus den Bereichen Verkehr und Logistik. Auch in den Bereichen Automobilindustrie und Maschinenbau sahen Unternehmen steigenden Personalbedarf. Zudem ist die Anzahl der Zeitarbeitskräfte seit Jahresbeginn gestiegen. Besonders im Herbst zeigte sich ein Anstieg: Zeitarbeitsfirmen schrieben wieder mehr Stellen aus (s. unten). Als besondere Herausforderung sehen Unternehmen die Digitalisierung und steigende Anforderungen an Zeitarbeitskräfte. Laut Studie erwarten 84 % einen Wettbewerbsvorteil durch Qualifizierung und Weiterbildung ihres Personals.

Aufschwung für die Zeitarbeit im Herbst

Die Zeitarbeit spielt eine besonders wichtige Rolle bei volatiler Wirtschaftslage. Unternehmen benötigen viel Flexibilität, um auf schwankende Auftragslagen und Personalbedarfe zu reagieren. Dies wurde im Herbst besonders spürbar. Der BAP Jobnavigator hat gezeigt, dass jedes 3. Jobangebot aus der Zeitarbeit stammte. Allein im September veröffentlichte die Personaldienstleistungsbranche 387.000 Stellenanzeigen online. Damit landete die Branche auf Platz 1 gefolgt vom Handel mit etwa 162.000 Jobanzeigen. Die höchste Zeitarbeitsquote verzeichnete Bayern (3,7 %), gefolgt von Thüringen (3,2 %) und Sachsen (2,4 %). Die wenigsten Zeitarbeiter setzten Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein ein. Generell werden in ländlichen Regionen eher weniger Zeitarbeitskräfte eingesetzt.

Ausführlichere Informationen zum Thema findest Du in unserem Blog: Jedes 3. Jobangebot kommt aus der Personaldienstleistung.

Digitalisierung in der Zeitarbeit

Interessante Einblicke in das Thema bietet die Lünendonk®-Studie „Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland“. Laut Lünendonk hat die Corona-Krise in der Zeitarbeit als Entwicklungsbeschleuniger gewirkt. Vor allem in den Bereichen Bewerbermanagement, interne Prozesse und Vertrieb seien neuen technische Möglichkeiten im Einsatz. Außerdem konnten Unternehmen, die bereits über einen hohen Digitalisierungsgrad verfügten, besonders flexibel auf die Krise reagieren.
In einer Befragung von Zeitarbeitsfirmen zeigte sich, dass ein Großteil der Unternehmen digitale Tools im Bewerbungsmanagement verwendet (83 %). Außerdem sind entsprechende Tools im Recruiting und Matching (78 %) sowie im Vertrieb (73 %) im Einsatz.

Fazit

2021 war noch immer durch die Corona-Pandemie und entsprechende Vorschriften geprägt – etwa die Einführung der Testpflicht im Rahmen der Corona-Arbeitsschutzverordnung. Trotz hoher Umsatzeinbrüche im Corona-Jahr 2020 und dem bis dato niedrigsten Marktvolumen seit Beginn der Lünendonk-Erhebungen 2004, zeigte sich die Zeitarbeitsbranche zuversichtlich. Für 2021 erwarteten die befragten Unternehmen Umsatzzuwächse bis zu 26 %. Außerdem zeigte sich eine beschleunigte Digitalisierung in der Zeitarbeitsbranche, die u. a. durch die Pandemie mit vorangetrieben wurde.

Quelle Foto: © Zerbor / Adobe Stock

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