Wie Unternehmen Bewerber verlieren

verfasst von zvoove, 11.09.2019
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Vernachlässigung der Unternehmenswerte 

Wer annimmt, Jobsuchende legen vor allem Wert auf Gehalt und Karrierechancen, übersieht einen wichtigen Aspekt: Fast **drei Viertel **der Erwerbsfähigen würden sich nicht bei einem Arbeitgeber bewerben, dessen Werte sie nicht teilen. Das ergab eine aktuelle glassdoor-Umfrage mit über 5.000 Angestellten und Arbeitsuchenden. Unternehmen, die ihre Mission und ihr Leitbild kommunizieren, können bei Kandidaten punkten. Fast 80 % gaben an, sich vor der Bewerbung über das Leitbild eines potenziellen Arbeitgebers zu informieren. Eine klare Positionierung in puncto Unternehmensphilosophie erachten sogar 89 % der Befragten für wichtig. Eigentlich sollten die Umfrageergebnisse nicht überraschen: Klar kommunizierte Werte tragen dazu bei, dass sich ein Mitarbeiter mit seinem Arbeitgeber identifizieren kann. Teilt er die Unternehmenswerte, kann dies positive Effekte auf die intrinsische Motivation haben. Das Leitbild bietet Mitarbeitern Orientierung, um die eigene Tätigkeit innerhalb des Werterahmens als sinnvoll zu empfinden. Unternehmen können bspw. auf die Motivation hinter der Unternehmensgründung eingehen. Oder sie stellen dar, wie das Unternehmen das Leben seiner Kunden positiv beeinflusst. Auch Engagement im Bereich Corporate Social Responsibility kann die Wertorientierung unterstreichen.

Interessant ist, dass starke Unternehmenswerte auch jenseits des Recruiting-Prozesses wirken: Für rund zwei Drittel der Befragten ist die Unternehmenskultur ein Hauptgrund, weshalb sie in einem Unternehmen verbleiben. Sollte sich die Corporate Culture verschlechtern, würden sich sogar 71 % nach einer neuen Stelle umsehen. Eine wertorientierte Unternehmenskultur kann in diesem Sinne der Fluktuation von Mitarbeitern vorbeugen.

Umständlicher Bewerbungsprozess 

Die Candidate Experience hat sich nicht umsonst zu einem Buzzword entwickelt. Eine umständliche Bewerbung brechen Bewerber eher ab. Und mit einem langwierigen Bewerbungsprozess können sich Recruiter schlechte Arbeitgeberbewertungen einfangen: So ergab der Candidate Experience Report, dass über ein Drittel der Kandidaten eine komplizierte Bewerbung als negativ einstufen. **Einfache Bewerbungen **haben von rund der Hälfte der Bewerber eine positive Bewertung erhalten. Wie können Arbeitgeber ihren Recruiting-Prozess vereinfachen?

  • intuitives Bewerbungsformular: Das Formular sollte sich auf die wichtigsten Angaben beschränken, da Bewerber im Schnitt 20 Minuten für das Ausfüllen des Bewerbungsformulars aufbringen würden (Candidate Experience Studie). In einem standardisierten Recruiting-Prozess können Personaler ein konfigurierbares Standardformular nutzen.

 

 

  • mehrere Bewerbungskanäle: Stellen Unternehmen ihren Kandidaten mehrere Bewerbungswege zur Verfügung, kann dies die Candidate Experience steigern. Etwa 70 % der Bewerber wünschen sich z. B. die Möglichkeit einer E-Mail-Bewerbung (Candidate Experience Studie).
  • Transparenz des Bewerbungsprozesses: Bewerber über die weiteren Schritte im Bewerbungsverfahren zu informieren, ist besonders wichtig. Dies kann zum Beispiel über eine kurze Eingangsbestätigung erfolgen, die auf das weitere Vorgehen hinweist. Mithilfe konfigurierbarer E-Mail-Vorlagen und einem automatischen E-Mail-Versand lässt sich die Bewerberkommunikation vereinfachen.
  • CV-Parsing: Ein CV-Parser liest Bewerberdaten (zum Beispiel aus Lebensläufen) aus und überträgt diese in die Online-Bewerbungsmaske. Da seine Daten automatisch übernommen werden, erspart sich der Bewerber Tipparbeit. In einem entsprechenden Bewerbermanagement-System können Recruiter die Daten per Mausklick übernehmen: Sie werden automatisch in ein Bewerberprofil eingespeist. Ein multilingualer CV-Parser sorgt dafür, dass Bewerbungen in unterschiedlichen Sprachen erkannt werden. 
  • **ggf. **Verzicht auf das Bewerbungsanschreiben: 87 % der Personalverantwortlichen erwarten laut indeed-Bewerbungsstudie ein Anschreiben. Etwa die Hälfte der Kandidaten hingegen findet das Bewerbungsschreiben lästig. Für Personaler kann das Anschreiben durchaus Sinn machen, weil es Bewerber dazu motiviert, sich mit dem potenziellen Arbeitgeber auseinanderzusetzen: Sie machen sich Gedanken, ob Unternehmen und Vakanz zu ihnen passen. Recruiter können prüfen, ob das Anschreiben einer bloßen Copy-Paste-Übung entspricht oder Kandidaten sich wirklich mit dem Unternehmen beschäftigen – dies kann die Bewerberauswahl erleichtern. Auf der anderen Seite könnten sowohl Bewerber als auch Recruiter durch Verzicht auf das Anschreiben Zeit sparen und sich stattdessen auf den CV als zentrales Dokument konzentrieren.

Versteckte oder uninformative Karriereseite

Fast zwei Drittel der Jobsuchenden informieren sich über die Karrierepage über einen potenziellen Arbeitgeber – damit gehört die Karrierewebsite zu den am häufigsten genutzten Recherchekanälen (EMEA Candidate Experience Research Report). Im Schnitt verzeichnen Unternehmen 78 Besucher pro Stellenanzeige (Online Recruiting Studie 2017). Um diesen Schnitt quantitativ und qualitativ auszubauen, sollte die Karriereseite leicht auffindbar und mit zielgruppengerechten Keywords versehen sein. Eine Zielgruppenanalyse ist z. B. über Candidate Personas möglich. Da viele Kandidaten über ihr Smartphone oder Tablet auf die Karriereseite zugreifen, sollte diese mobiloptimiert sein. Die Möglichkeit einer mobilen Bewerbung bieten laut Studie nur 44 % der Unternehmen an. Hier klaffen Bewerberwunsch und Unternehmenswirklichkeit auseinander: Knapp drei Viertel der Kandidaten wollen ihre **Bewerbung mobil **abwickeln und fast jeder zweite hat eine Bewerbung bereits mangels Mobiloptimierung abgebrochen (Mobile Recruiting Studie 2017). Wert legen Bewerber zudem auf den Informationsgehalt der Karriereseite und der Stellenanzeige, etwa aussagekräftige Jobbeschreibungen und Kontaktinformationen – am besten unter Angabe eines konkreten Ansprechpartners. In diesem Blogbeitrag haben wir Tipps für eine erfolgreiche Karrierewebseite zusammengestellt.

 

Fazit

Recruiter, die sich mit Bewerbererwartungen auskennen und ein gezieltes Erwartungsmanagement betreiben, können die Abbruchquote im Bewerbungsprozess minimieren und die Candidate Experience verbessern. Häufige Gründe für den Bewerbungsabbruch sind ein komplizierter Bewerbungsprozess und fehlende Informationen – auch auf Angaben zu den Unternehmenswerten und zum Leitbild legen Bewerber großen Wert. Eine schnell auffindbare, leicht zu navigierende und informative Karriereseite bietet Kandidaten einen wertvollen Kanal für die Job- und Arbeitgeberrecherche. Ein softwaregestützter Recruiting-Prozess mit zeitsparenden Standardisierungen kann die Feedbackzeit verkürzen. 

Quelle Foto: © Antonioguillem / Fotolia

 

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