Update Branchenzuschläge: Wie steht es aktuell um die Tarifregelungen?

verfasst von zvoove, 10.05.2017
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Für welche Branchen gelten Branchenzuschläge?

Branchenzuschläge erhalten Zeitarbeitnehmer auf ihren Tariflohn nach einem bestimmten Einsatzzeitraum im Entleihbetrieb. Die Zuschläge sollen eine stufenweise Annäherung der Löhne von Leiharbeitnehmern an das Arbeitsentgelt der Stamm-Mitarbeiter ermöglichen. Mit der sukzessiven Gehaltsanpassung der Zeitarbeitsentgelte werden die Lohndifferenzen zwischen Leiharbeitern und Stammmitarbeitern reduziert. Zeitarbeitsunternehmen können dadurch eine faire Entlohnung sicherstellen und ihr Image als Arbeitgeber stärken. 

**Für folgende Industriezweige gelten zurzeit Branchenzuschläge: **

  • Seit 01.011.2012: Metall- und Elektroindustrie, chemische Industrie 
  • Seit 01.01.2013: Kautschuk- und Kunststoff 
  • Seit 01.04.2013: Schienenverkehr, Textil- und Bekleidungsindustrie, holz- und       kunststoffverarbeitende Industrie 
  • Seit 01.05.2013: Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitende Industrie 
  • Seit 01.07.2013: Druckindustrie 
  • Seit 01.07.2014: Kali- und Steinsalzbergbauindustrie, Papier erzeugende Industrie

Alle angeführten Tarifverträge gelten zunächst bis zum 31.12.2017 – mit Ausnahme des Tarifvertrags für Kali- und Steinbergbauindustrie zwischen der Verhandlungsgemeinschaft Zeitarbeit (VGZ) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Dieser gilt zunächst bis zum 30.06.2019. 

Zeitarbeitnehmer und Personaldienstleister können sich zum Beispiel bei der Bundesagentur für Arbeit darüber informieren, welcher Branche ein Kundenunternehmen angehört. Auskunftsmöglichkeiten bieten u. a. auch Berufsgenossenschaften, das Gewerbezentralregister oder Handwerkskammern. Um variierende Branchenzuschläge mithilfe vollautomatisierter Berechnungen zu erfassen, kann der Einsatz einer Zeitarbeitssoftware sinnvoll sein.

 

Tariferhöhung im März 2017

Seit März 2017 steigen die Branchenzuschläge für Leiharbeitnehmern in der Metall- und Elektroindustrie, in der Holz- und Kunststoffbranche und in der Textil- und Bekleidungsindustrie in Folge von Tariferhöhungen. Die Tarifentgelte sehen bis 2019 ein jährliches Einkommensplus zwischen 2,5 % und 3,2 % im Westen sowie 3,5 % und 4 % im Osten vor. Dabei steigen die Löhne in den unteren Entgeltgruppen 1 und 2 stärker als die Löhne in den höheren Entgeltgruppen. 

Kurzer Exkurs: EG 1 gilt nach iGZ-Tarifvertrag für Tätigkeiten, die eine betriebliche Einweisung erfordern, EG 2 für solche, die eine Anlernzeit oder fachbezogene Berufserfahrungen, fachspezifische Kenntnisse oder fachspezifische Qualifikationen notwendig machen. Höhere Entgeltgruppen wie etwa EG 9 beziehen sich auf Tätigkeiten, die selbständig ausgeführt werden und für die ein abgeschlossenes Fachhochschulstudium, mehrjährige Berufserfahrung oder ein Hochschulstudium erforderlich ist. 

Eine knapp 20 % höhere Steigung der Löhne in den niedrigen Entgeltgruppen als in den hohen, führt dazu, dass sich der Abstand zum Mindestlohn in den unteren Entgeltgruppen erhöht. Neben der Erhöhung des Entgelts sehen die Tarifverträge vor, dass ab dem 01.04.2021 die West-Tariftabellen auch im Osten Deutschlands gelten, wo die Löhne bisher niedriger lagen als im Westen. Mit dem Anstieg der Tariflöhne steigen auch die Branchenzuschläge, da sich die Höhe der Branchenzuschläge auf Grundlage des Stufenentgelts im Entgelttarifvertrag errechnet. Außerdem ist sie von der Einsatzzeit abhängig: Die erste Stufe der sukzessiven Gehaltsanpassung erreichen Arbeitnehmer im Regelfall nach einer zuschlagsfreien Einarbeitungszeit von 4 bis 6 Wochen. Nach 9 Monaten ununterbrochener Einsatzzeit im selben Entleihunternehmen einer dem Tarifvertrag zugehörigen Branche kann der Leiharbeitnehmer mit einem 50 prozentigen Zuschlag auf das Basisentgelt rechnen (Branchenzuschlag). Voraussetzung ist, dass die Tarifverträge der Zeitarbeit (BAP oder iGZ) Anwendung finden.

 

Tarifverträge in der Zeitarbeit

Die Tarifverträge der Zeitarbeitsbranche unterscheiden sich hinsichtlich verschiedener Kriterien. 

BAP

  • Monatsarbeitszeit: Die Monatsarbeitszeit wird auf der Grundlage der Monatsarbeitsstunden (151, 67 Stunden) angegeben. 
  • Befristung von Arbeitsverträgen: Verträge dürfen viermal in zwei Jahren befristet werden. 
  • Arbeitskonto-Grenzen: Die Obergrenze des Arbeitszeitkontos beträgt 250 Stunden. Eine Untergrenze gibt es nicht. 
  • Urlaubsanspruch: In der Probezeit beträgt der Urlaubsanspruch 20 Tage, danach 24 Tage bis maximal 30 Tage. 
  • Zuschläge: Für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit betragen die Zuschläge jeweils 25 %, 50 % und 100 %. 
  • Überstundenzuschlag: Der Überstundenzuschlag liegt bei 25 %. Er gilt ab 15 % über der Mehrarbeitszeit. 
  • Entgeltgruppen: EG1 bis EG9 

iGZ

  • Monatsarbeitszeit: Die Monatsarbeitszeit wird angegeben anhand der Formel 7 Std. x Anzahl der Arbeitstage. 
  • Befristung von Arbeitsverträgen: Verträge dürfen dreimal in zwei Jahren befristet werden. 
  • Arbeitskonto-Grenzen: Die Obergrenze des Arbeitszeitkontos beträgt 150 Stunden, die Untergrenze minus 21 Stunden. 
  • Urlaubsanspruch: In der Probezeit beträgt der Urlaubsanspruch 20 Tage, danach 24 Tage bis maximal 30 Tage. 
  • Zuschläge: Für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit betragen die Zuschläge jeweils 25 %, 50 % und 100 %. 
  • Überstundenzuschlag: Der Überstundenzuschlag liegt bei 25 %. Er gilt ab 8 Stunden geleisteter Arbeit. 
  • Entgeltgruppen: EG1 bis EG9

 

Branchenzuschlagstarifverträge und Equal Pay

Eine wichtige Rolle spielen Branchenzuschlagstarifverträge mit Blick auf die neuen Regelungen zu Equal Pay nach In-Kraft-Treten der AÜG-Reform. Der Equal-Pay-Grundsatz ist im reformierten Gesetz zur Arbeitnehmerüberlassung verankert. Demnach erhalten Leiharbeitnehmer nach 9 Monaten ununterbrochener Einsatzdauer beim selben Entleiher ein gleichwertiges Arbeitsentgelt wie Stammbeschäftigte. Liegt ein Branchenzuschlagstarifvertrag der Einsatzbranche vor, kann eine Abweichung erfolgen. Voraussetzung ist, dass der Leiharbeiter spätestens nach dem 15. Monat der Überlassung ein Arbeitsentgelt erhält, das mit dem Tarifentgelt der Einsatzbranche gleichwertig ist. Die stufenweise Annäherung an das Vergleichsentgelt muss nach einer Einarbeitungszeit von 6 Wochen erfolgen.

 

 

Fazit

Branchenzuschläge ermöglichen eine stufenweise Annäherung der Löhne von Leiharbeitnehmern an das Arbeitsentgelt der Stammbeschäftigten. In Folge von Tariferhöhungen, wie jene im März 2017 für Leiharbeitnehmern in der Metall- und Elektroindustrie, in der Holz- und Kunststoffbranche und in der Textil- und Bekleidungsindustrie, steigen auch die Branchenzuschläge. Grund dafür ist, dass sich die Höhe der Branchenzuschläge auf Grundlage des Stufenentgelts im Entgelttarifvertrag errechnet. Wenn der Leiharbeitnehmer 9 Monate im selben Kundenunternehmen im Einsatz war, kann er mit einem 50 prozentigen Aufschlag auf das Basisentgelt rechnen. 

Quelle Foto: Fotolia © Antonioguillem

 

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