Weniger Unfälle in der Zeitarbeit

verfasst von zvoove, 20.03.2019
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Unfallquote hat sich reduziert 

Arbeitsunfälle von Beschäftigten in der Zeitarbeit haben sich verringert: Betrug die Anzahl meldepflichtiger Unfälle vor 10 Jahren noch 34,5 je 1000 Versicherte, ging sie im Jahr 2017 auf 22,3 zurück. Die Unfallquote konnte innerhalb einer Dekade **um ein Drittel minimiert **werden. Auch die Eintrittshäufigkeit der Wegeunfälle hat sich verringert. Der VGB Report Zeitarbeit berichtet, dass die Branche in den vergangenen drei Jahrzehnten eine beeindruckende Entwicklung durchgemacht habe. Präventionsarbeit im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements und mehr Einsatztätigkeiten in Dienstleistungsberufen sind u. a. ausschlaggebend für die positiven Entwicklungen. Die Beschäftigungsstruktur in der Arbeitnehmerüberlassung mit einem hohen Anteil manueller Produktionstätigkeiten erfordert besondere Maßnahmen der Unfallprävention und des Arbeitsschutzes, die die Branche den Zahlen zufolge erfolgreich umsetzt. Mit über 40 % der Beschäftigten ist ein Großteil der Zeitarbeiter im Produktionsbereich tätig, jedoch mit leicht rückläufiger Tendenz. Der Beschäftigtenanteil in den Dienstleistungsberufen verzeichnet ein Plus an Arbeitskräften, vor allem in den wirtschaftlichen Dienstleistungen (+ 4 %). Ein Großteil der Arbeitnehmer in der Zeitarbeit ist männlich und unter 35 Jahre alt. Von den rund 730.000 männlichen Zeitarbeitern ist die Hälfte im Produktionsbereich tätig. Der Frauenanteil – 305.000 Arbeitnehmerinnen – verteilt sich vor allem auf die Dienstleistungsberufe. Die gemeldeten Unfälle ist unter den Männern daher höher: Sie sind mit einem Anteil von 87,2 % an den meldepflichtigen Unfällen beteiligt, bei den Frauen sind es nur 12,8 % – so der VGB Report. In ein Unfallgeschehen verwickelt sind überwiegend jüngere Beschäftigte, was die Beschäftigungsstruktur in der Branche widerspiegelt: Etwa die Hälfte meldepflichtiger Unfälle entfällt auf die Gruppe der unter 35-Jährigen. Unter den Hilfsarbeitern ist die Zahl meldepflichtiger Arbeitsunfälle mit 53, 1 % am höchsten, gefolgt von Mechanikern und Metallarbeitern mit 13,9 % (bezogen auf männliche Beschäftigte). In der Tendenz sind mehr geringfügige und ungelernte Bereiche betroffen. Wirft man einen Blick in die spezifischen Tätigkeiten mit erhöhtem Unfallaufkommen, stehen bewegungsintensive Arbeiten an der Spitze: Etwa ein Drittel der Arbeitsunfälle erfolgt bei Bewegungen wie Gehen, Laufen oder Hinabsteigen, 24 % entfallen auf die manuelle Handhabung von Geräten, etwas unter ein Fünftel auf Arbeiten mit Handwerkzeugen. In Großbetrieben mit 500 und mehr Beschäftigten wird das Unfallrisiko als etwas geringer eingeschätzt als in kleineren Unternehmen. Unterm Strich zieht die aktuelle Studie zieht im Jahr 2017 eine Bilanz von rund 76.000 Arbeitsunfällen und 13.600 Wegunfällen in der Zeitarbeit.

Berufskrankheiten in der Zeitarbeit 

Laut der Studie verunglücken junge Zeitarbeiter insbesondere als Helfer in Lagern und Fabriken deutlich öfter als die Stammbelegschaft. So verletzten sie sich z.B. häufig bei der Bedienung von Maschinen oder stürzten im Lager von der Leiter. Dennoch: Die Studie zeigt ganz deutlich, dass die Branche zurzeit einen Unfallrückgang erlebt. Und es gibt noch weitere positive Entwicklungen. So weist die Zeitarbeit laut Report grundsätzlich die höchste Versichertenquote auf. Außerdem ist die Anzahl der Berufskrankheiten konstant geblieben , obwohl die Branche selbst einen kräftigen Aufschwung erlebte. In Relation zu der Anzahl der Versicherten gab es sogar einen deutlichen Rückgang: 2017 lagen die Berufskrankheiten-Meldungen nur noch bei 79 % des Wertes von 2008.

Laut VGB Report sind folgende zehn Krankheitsbilder typisch für die Zeitarbeit:

  • Schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen
  • Lärmschwerhörigkeit
  • Asbestbedingte Erkrankungen
  • Obstruktive Atemwegserkrankungen
  • Bandscheibenbedingte Erkrankungen und Lendenwirbelsäule
  • Gonarthrose
  • Carpaltunnelsyndrom
  • Infektionskrankheiten
  • Meniskusschäden
  • Erkrankungen der Sehnenscheiden

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Das betriebliche Gesundheitsmanagement muss so ausgerichtet sein, dass Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren mit allen Mitteln verhütet werden. In der Zeitarbeit finden sich verschiedenste Einsatzfelder und Tätigkeiten – entsprechend vielfältig sind allerdings auch die möglichen Gefahren. Dennoch lässt sich zusammenfassen, dass körperliche Betätigung in dieser Branche vergleichsweise häufig vorkommt. Typische Belastungen sind laut VGB Report das Arbeiten im Stehen, schwere dynamische Arbeit oder die Arbeit in Zwangshaltungen – wie beispielsweise Schweißarbeiten. Hinzu kommen psychische Belastungen wie geringe Handlungsspielräume und Einflussmöglichkeiten sowie Lärmbelästigung. Bei der Gestaltung eines effizienten Gesundheitsmanagements sollten Einsatzbetriebe diese Faktoren berücksichtigen. Aufgrund der variierenden Arbeitsumstände betont der VGB Report allerdings, dass das Hauptaugenmerk auf der Kommunikation zwischen Einsatzbetrieb und Zeitarbeitsunternehmen liegen sollte. Die Absprache bezüglich der geplanten und gerade durchgeführten Einsätze der Zeitarbeitnehmer sei das A und O. Auf diese Weise können AÜG-Anforderungen bezüglich der Sicherheit und Gesundheit vor allem vom Zeitarbeitsunternehmen berücksichtigt werden.

Präventionsmaßnahmen und betriebliches Gesundheitsmanagement

  1. Arbeitsschutzeinweisungen: In der Zeitarbeit arbeiten überproportional viele Zugewanderte bzw. Nicht-Muttersprachler, weshalb es in der Einweisung häufig zu Missverständnissen kommt. Im schlimmsten Fall führt das z.B. zur falschen Bedienung von Maschinen, was die Quote der Arbeitsunfälle natürlich erhöht. Die Arbeitsschutz- und Sicherheitsunterweisung sollte deshalb idealerweise so vermittelt werden, dass auch Geringqualifizierte mit eingeschränkten Sprachkenntnissen diese verstehen.
  2. Prämien: Der Branchenverband iGZ betonte, dass Prämienmodelle zu Arbeitsschutzmaßnahmen Abhilfe schaffen sollen. So wird z.B. die Ausgabe von Gehörschutz und Schutzbrillen laut iGZ prämiert.
  3. Sensibilisierung: Mitarbeiter sollten das Thema BGM ernst nehmen (und eine Sprachbarriere darf der erfolgreichen Arbeitsschutzeinweisung nicht im Wege stehen.) Um die nötige Akzeptanz zu schaffen, bietet sich das Drei-Säulen-Prinzip „Information-Akzeptanz-Motivation“ an.
  4. **Absprache mit Kundenunternehmen: **Der Personaldienstleister hat keinen direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen beim Kundenunternehmen. Aus diesem Grund ist eine zielgerichtete Kommunikation unumgänglich: Personaldienstleister sollten das Kundenunternehmen über den Nutzen des BGM informieren – beispielsweise in einem Workshop. An dieser Stelle ist eine Kooperationsvereinbarung mit dem Kunden hilfreich.
  5. **Schritte planen: **Um das BMG effizient zu planen, sind drei Phasen nötig: Die Bedarfserkennung, die Zielformulierung und die Maßnahmenplanung. In der Bedarfserkennung wird die gesundheitliche Situation aller Beschäftigten überprüft. Hierfür können z.B. Führungskräfte nach spezifischen Belastungen/Problemen befragt werden. Außerdem bietet sich eine Analyse der bereits umgesetzten BGM-Maßnahmen an. Bei der Zielformulierung sind Seminare sinnvoll z.B. solche, bei denen die Kompetenz zur Integration des Arbeitsschutzes von ausgewählten Personen geschult wird. Diese tragen ihr Wissen als Multiplikatoren bei der Arbeit weiter. Im Zuge der Maßnahmenplanung sollten die im BGM definierten Ziele in das Unternehmensleitbild aufgenommen werden.

 

Fazit

Der aktuelle Gesundheitsreport zeigt, dass die Arbeitsunfälle in der Zeitarbeit erfreulicherweise zurückgehen. Effiziente Präventionsmaßnahmen und ein gut umgesetztes betriebliches Gesundheitsmanagement haben in den vergangenen Jahren zu diesem Rückgang beigetragen. Auch die Kommunikation zwischen Personaldienstleistern und Kundenunternehmen ist ein wichtiger Faktor, da der Zeitarbeitgeber keinen direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen Im Einsatzbetrieb hat. In persönlichen Gesprächen sollten Personaldienstleister den Kundenbetrieb über geplante Maßnahmen – wie beispielsweise den Umgang mit gesundheitsschädlichen Bedingungen – informieren und Ansprechpartner, Kommunikationskanäle sowie Aufgaben definieren.

Foto: © nd3000 / Fotolia 

 

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