Top Kennzahlen für HR und Zeitarbeit

verfasst von zvoove, 14.08.2019
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht

Kennzahlenanalysen

Für eine zielorientierte Kennzahlenanalyse sollte zunächst die Problemstellung beschrieben werden, um mithilfe von Daten zielorientierte Maßnahmen abzuleiten. Kennzahlen sollten zielgebunden sein und idealerweise durch Vergleichszahlen wie Benchmarks spezifiziert werden. 

**Ein sinnvolles Vorgehen besteht beispielsweise aus: **

  1. Zieldefinition/Problemstellung
  2. Ableitung relevanter Fragestellungen
  3. Definition geeigneter Kennzahlen
  4. Datenerhebung

Aus welchen Quellen können Unternehmen Kennzahlen ziehen? Welche KPIs im Bereich HR und Zeitarbeit sind gängig?

Aktuelle Statistiken nutzen

Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht regelmäßig Statistiken zur Zeitarbeitsbranche. Interessant für die Recruiting-Strategie sind die **Fachkräfteengpassanalysen **der BA: Sie verdeutlichen, in welchen Branchen, Berufen und Regionen Fachkräfte besonders dringend benötigt werden. Zu den Fachkräften gehören Erwerbsfähige mit einer akademischen Ausbildung oder einer Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren. Sind nicht genügend Bewerber mit den richtigen Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden, kann es trotz bestehender Arbeitslosigkeit zu Fachkräfteengpässen kommen. Eine langfristig andauernde Fehlanpassung zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage kann sich in einem flächendeckenden Fachkräftemangel äußern. 2018 ließ sich ein Fachkräftemangel in einigen technischen Berufen, in der Bau-, Gesundheits- und Pflegebranche feststellen. Die Zeit bis zur Stellenbesetzung betrug im gleitenden Jahresdurchschnitt 107 Tage – besonders hoch fiel die Vakanzzeit im Bereich Altenpflege (175 Tage) und Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klima (183 Tage) aus. 

Im Archiv der BA lassen sich eine Reihe von Statistiken zur Arbeitnehmerüberlassung finden. Ein kürzlich veröffentlichter Arbeitsmarktbericht zeigt, dass in Deutschland im Jahresdurchschnitt rund 1 Millionen Zeitarbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind – ein Anteil von ca. 3 % an der Gesamtbeschäftigung. Zahlen aus der Branche lassen sich gut als Frühindikator für Arbeitsmarktentwicklungen heranziehen, da die Zeitarbeit rasch auf konjunkturelle Änderungen reagiert. Branchenkennzahlen liefert auch das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder GmbH. Die Lünendonk-Liste rankt jährlich die Top 25 Unternehmen der Branche nach Kriterien wie Umsatz, Beschäftigung interne Mitarbeiter und Zeitarbeitskräfte. Das Anbieterranking basiert auf kontrollierten Selbstauskünften der Unternehmen und eigenen Schätzungen landeten Randstad, Adecco und die ManpowerGroup auf den Top 3 Platzierungen. Relevante Kennzahlen zur Rentabilitätssteuerung und Erfolgsoptimierung in der Zeitarbeit sind bswp. die verkauften Stunden pro Mitarbeiter, das Verhältnis von produktiven und unproduktiven Lohnkosten, AZK-Stunden pro Mitarbeiter oder die Krankenquote. Branchenkennzahlen können für eine gezielte Maßnahmenentwicklung und Positionierung gegenüber Wettbewerbern genutzt werden.

Recruiting-KPIs

Wie viele Kandidaten bleiben vom ersten Touchpoint mit dem Unternehmen bis zur Einstellung erhalten? Eine Möglichkeit, die Conversion Rate schrittweise zu betrachten, ist eine Recruiting-Trichter Analyse. Die Zahlen messen, wie viele Bewerber entlang der einzelnen Kontaktpunkte abspringen. Analysieren ließen sich bspw. die Besucher der Karriereseite, die eine der häufigsten Kanäle für die Stellensuche darstellt: Über welche Channels gelangen die Besucher auf die Website? Wie viele der Kandidaten öffnen die Stellenliste oder klicken auf eine Stellenanzeige? Wie viele Bewerbungen erhält das Unternehmen? Die Absprungpunkte können wichtige Hinweise liefern: Öffnen überdurchschnittlich wenige User eine Stellenausschreibung, kann dies z. B. auf eine schlechte Auffindbarkeit der Anzeige oder mangelnde Navigierbarkeit hindeuten. Je nach Bewerberzielgruppe lässt sich die Analyse verfeinern, in dem demografische Daten mit einbezogen werden.

Allgemeiner Kennzahlen zum Recruiting-Prozess lassen sich mit Benchmarks vergleichen. Folgende Recruiting-KPIs sind gängig:

  • Time-to-Fill: Dauer bis zur Besetzung der Vakanz
  • Time-to-Interview: Zeitraum zwischen Stellenbedarfsmeldung und Bewerbungsinterview
  • Feedbackzeit: Dauer bis zum Feedback des Recruiters
  • Cost-per-Hire: Kosten pro Einstellung
  • Cost-per-Application: Kosten pro Bewerbung oder Kosten, die zur Generierung einer bestimmten Anzahl von Bewerbungen anfallen
  • Cost-of-Vacancy: durch unbesetzte Stelle verursachte Kosten
  • Klickzahlen: z. B. Klicks auf die Stellenanzeige
  • Bewerbungen je Quelle: Anzahl der eingehenden Bewerbungen nach Recruiting-Kanal
  • Bewerbungen nach Mitarbeiterempfehlungen: Anteil der durch Empfehlungen generierten Bewerbungen
  • Active Sourcing Erfolg: Bewerbungen durch Maßnahmen der Direktansprache
  • Offer-Rate: Anzahl der Stellenangebote
  • Offer-Acceptance-Rate: Verhältnis von Vertragsangeboten zu Einstellungen
  • Einstellungserfolg nach Quelle: Anteil der erfolgreichen Einstellungen nach Recruiting-Channel
  • Retention Rate: Anteil der Neueinstellungen, die nach der Probezeit im Unternehmen verbleiben
  • Weitere Recruiting-Kennzahlen: Anzahl der ausgefüllten Bewerbungsformulare, Anzahl der Einladungen zum Vorstellungsgespräch etc.

Unsere Recruiting-Software zvoove Recruit bietet Recruiting-Kennzahlen und Visualisierungen, damit Recruiter ihren Bewerbungsprozess datengestützt steuern können. Sie sehen zum Beispiel, über welche Quellen ein Großteil der Bewerbungseingänge oder Einstellungen generiert werden.

Kennzahlen im Personalcontrolling

Das HR-Controlling zur Planung und Steuerung personalwirtschaftlicher Prozesse erfüllt verschiedene Funktionen: Mithilfe datengestützter Prognosen lassen sich Handlungsempfehlungen ableiten und Maßnahmen mittels Erfolgscontrolling evaluieren. Reporting-, Planungs- und Steuerungsfunktion gehen im Personalcontrolling Hand in Hand. Personalziele und Sollwerte lassen sich aus den strategischen Unternehmenszielsetzungen ableiten. Werden Ist- und Sollwerte gegenübergestellt, lässt sich der Zielerreichungsgrad kontrollieren. Erkannten Defiziten oder Abweichungen kann das Unternehmen gezielt entgegensteuern. Regelmäßige Erhebungen ermöglichen es, Veränderungen festzustellen, Zusammenhänge zu erkennen und Prognosen durchzuführen. Je nach Zielsetzungen sind unterschiedliche Kennzahlen relevant. Gängig sind z. B.:

  • Mitarbeiteranzahl, z. B. Anzahl der Mitarbeiter nach Region/Filiale
  • Umsatz pro Mitarbeiter: Umsatz geteilt durch die Anzahl der in einer Periode beschäftigten Mitarbeiter
  • Durchschnittliches Gehalt je Mitarbeiter, z. B.  zur Darstellung der Gehaltsentwicklung
  • Krankenquote: Anteil der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle an der Gesamtmitarbeiterzahl
  • **Krankheitsleistungen: **Aufwendungen für krankheitsbedingt ausgefallene Mitarbeiter
  • Mehrarbeitsquote: von Mitarbeitern geleistete Überstunden
  • Fluktuationsquote: Personalwechsel im Bezug zum Personalbestand
  • **Beschäftigungsstruktur: **personelle Strukturen, z. B. Beispiel Anteil der Mitarbeiter im Marketing bezogen auf die Gesamtbelegschaft, Auszubildendenanteil, Frauen-/Männeranteil)
  • Fort- und Weiterbildungskosten: Aufwendungen eines Unternehmens für Mitarbeiterfort- und -weiterbildungen

Fazit

Kennzahlenanalysen unterstützen die Auswahl und Evaluation datengestützter Maßnahmen zur Performanceoptimierung und Behebung von Defiziten, etwa im Bereich Recruiting oder Personalmanagement. Als Quellen lassen sich bspw. aktuelle Statistiken und Reportings einbeziehen. Nach der Zieldefinition und Ableitung relevanter Fragestellungen, können zieladäquate Kennzahlen strategisch ausgewählt werden.

Quelle Foto: © zinkevych / Fotolia

 

Du besuchst zvoove.com mit dem Internet Explorer

Dieser Browser wird seit 2020 nicht mehr unterstützt. Das bedeutet, dass Dir einige Funktionen von zvoove.com nicht zur Verfügung stehen.

Damit du alle Funtionen von zvoove.com nutzen kannst, empfehlen wir, unsere Webseite mit einem aktuellen Browser wie Microsoft Edge, Mozilla Firefox oder Google Chrome zu besuchen.