Wie können Arbeitgeber das Teilhabechancengesetz nutzen?

verfasst von zvoove, 01.03.2019
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Eine Chance für Langzeitarbeitslose und Arbeitgeber

Fachkräfteengpässe und gestiegene Vakanzzeiten stellen Recruiter vor Herausforderungen. Auf dem Arbeitsmarkt herrscht ein hoher Konkurrenzdruck und Wettbewerb zwischen Arbeitgebern. Trotz Rekrutierungsdruck und guter konjunktureller Entwicklung sind etwa 774.000 Menschen in Deutschland langzeitarbeitslos. Zu den Langzeitarbeitslosen zählen laut § 18 Abs.1 SGB III Menschen, die seit einem Jahr oder länger arbeitslos sind. Oft sind nicht genügend Bewerber mit den richtigen Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt vorhanden oder Vermittlungshemmnisse erschweren die Integration von Langzeitarbeitslosen: Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto mehr steigen die Vermittlungsrisiken (z. B. Alter, schlechte Gesundheit). Arbeitsmarktfernen Menschen fällt es oft schwer, im Berufsleben Fuß zu fassen. Das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Teilhabechancengesetz ist ein Instrument zur Förderung von Beschäftigungs- und Integrationschancen. Verlorenes Erwerbspotenzial soll durch die Regelung aufgefangen werden. Das Konzept des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sieht Förderungsmöglichkeiten für zwei Zielgruppen vor, hauptsächlich durch Lohnkostenzuschüsse (§16i SGB):

1.) Die erste Gruppe sind Menschen über 25 Jahre, die in den letzten 7 Jahren für mindestens 6 Jahre arbeitslos, d. h. nicht oder nur kurzzeitig beschäftigt waren. In dieser Zeit haben sie Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts nach SGB II bzw. Arbeitslosengeld II bezogen. Schwerbehinderte oder Menschen mit mindestens einem minderjährigen Kind in der Bedarfsgemeinschaft, können bereits nach 5 Jahren Arbeitslosigkeit gefördert werden. Arbeitgeber, die betroffene Personen sozialversicherungspflichtig einstellen, erhalten in den ersten 2 Jahren einen Gehaltszuschuss von 100 % des gesetzlichen Mindestlohns oder des gezahlten Tariflohns bei tarifgebundenen bzw. -orientierten Arbeitgebern. Ab dem dritten Jahr sinkt der Zuschuss um 10 % jährlich. Die Förderung endet nach 5 Jahren. Zusätzlich können Arbeitgeber je nach Förderfall eine Bezuschussung für Weiterbildungen von 3.000 Euro erhalten.

2.) Die zweite Gruppe betrifft Personen, die seit mindestens 2 Jahre arbeitslos sind. Die Förderungsdauer beträgt 2 Jahre. Arbeitgeber erhalten einen Lohnkostenzuschuss von 75 % im ersten und von 50 % im zweiten Jahr.

In beiden Fällen werden die Betroffenen von Coaches begleitet, um sie dabei zu unterstützen, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Das Teilhabechancengesetz unterscheidet sich von alten Regelungen durch die Förderungsdauer von maximal 5 Jahren sowie die Maximalhöhe des Lohnkostenzuschusses von 100 %. Alle Arbeitgeber unabhängig von ihrer Art, Rechtsform, Branche oder Region können die Förderung beantragen. Ansprechpartner für Arbeitgeber, die an den Fördermöglichkeiten interessiert sind, ist das Jobcenter. Die Förderung muss dort vor Abschluss des Arbeitsvertrags beantragt werden.

 

Integrationsrolle von Personaldienstleistern

Das Modell Zeitarbeit bietet Perspektiven und Einstiegsmöglichkeiten in die Berufswelt, z. B. für Geringqualifizierte, Menschen ohne Berufsabschluss oder (Langzeit-)Arbeitslose. Die Arbeitnehmerüberlassung erfüllt eine wichtige Integrationsleistung und verhilft Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu einer Anstellung. Von allen im 1. Halbjahr 2018 geschlossenen Zeitarbeitsverhältnissen kamen 64 % laut Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit mit Personen zustande, die unmittelbar zuvor nicht beschäftigt waren. Laut Angaben des iGZ stammen 18,7 % der Zeitarbeitskräfte aus der Langzeitarbeitslosigkeit. Zum Teil sind Arbeitgeber bei der Einstellung von Langzeitarbeitslosen skeptisch, etwa weil das Zutrauen fehlt. Ein Personaldienstleister kann als Vertrauensperson agieren und passende Arbeitnehmer für Kunden auswählen. Verleihunternehmen kennen ihre Mitarbeiter und deren Fähigkeiten sowie die Anforderungen der Entleihunternehmen in der Regel sehr gut. Neue Mitarbeiter werden durch erfahrene Recruiter rekrutiert und im Kundenunternehmen eingearbeitet. Der Großteil der Zeitarbeitnehmer ist sozialbersicherungspflichtig in Vollzeit und unbefristet bei einem Personaldienstleister oder einer Zeitarbeitsfirma angestellt. Langzeitarbeitslose haben die Möglichkeit, im Entleihunternehmen Berufserfahrung zu sammeln und wieder im Berufsleben Fuß zu fassen. Die Arbeit in unterschiedlichen Entleihunternehmen bietet ihnen eine Orientierungsmöglichkeit sowie die Chance, Kontakte zu knüpfen. Der Einsatz kann wie eine Art verlängerte Probezeit für Entleiher und Zeitarbeitnehmer fungieren: Sind beide mit der Zusammenarbeit zufrieden, kann der Arbeitnehmer übernommen werden (Klebeeffekt). Im 1. Halbjahr 2018 sind laut Arbeitsmarktbericht fast 70 % der Zeitarbeitnehmer 90 Tage nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses wieder einer Beschäftigung nachgegangen – größtenteils sozialversicherungspflichtig und außerhalb der Zeitarbeit.

 

 

Für Geflüchtete übernimmt die Zeitarbeit eine wichtige Integrationsleistung: Im Zeitraum zwischen Oktober 2017 und September 2018 generierte die Zeitarbeitsbranche laut Arbeitsmarktbericht etwa ein Drittel aller Beschäftigungsaufnahmen aus den Hauptasylherkunftsländern. Ein Großteil der geflüchteten Menschen verfügt über einen anerkannten Ausbildungs-, Fortbildungs- oder Studienabschluss. Bei der Einstellung Geflüchteter haben Arbeitgeber einiges zu beachten: Bürokratische und gesetzliche Anforderungen, aber auch mögliche Sprachbarrieren, Förderungs- und Integrationsmöglichkeiten. 

Berufseinsteigern und -rückkehrern bietet das Modell Arbeitnehmerüberlassung eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, sich zu orientieren bzw.  umzuorientieren und Berufserfahrung zu sammeln. Berufsneulinge können durch die Berufserfahrung ihre Berufsvorstellungen konkretisieren und Kontakte zu Arbeitgebern knüpfen. Menschen, die eine längere Auszeit vom Beruf genommen haben, kommen wieder in die Praxis und können ihre Einstellungschancen verbessern.

 

 

 

Fazit

Das Teilhabechancengesetz bietet Langzeitarbeitslosen eine Integrationschance und Perspektive auf eine sozialversicherungspflichtige Anstellung. Arbeitgeber können die Fördermöglichkeiten für ihre Personalrekrutierung nutzen. Arbeitsferne Menschen haben es häufig schwerer auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, etwa wegen steigender Vermittlungsrisiken. Bei Arbeitgebern fehlt ggf. das Zutrauen, wenn eine Person länger nicht gearbeitet hat. Das Gesetz unterstützt vor allem durch Lohnkostenzuschüsse von maximal 100 % und für einen Maximalzeitraum von 5 Jahren – je nach Zielgruppe.

Quelle Foto: © industrieblick / Fotolia

 

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