Schichtarbeit besser gestalten: den richtigen Rhythmus finden

verfasst von zvoove, 16.06.2021
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht Schichtarbeit sinnvoll & effektiv gestalten

Schichtarbeit verbessern oder vermeiden

Reinigungs- oder Personaldienstleister kennen das Problem: ein Teil ihres Personals arbeitet in Schichten – eine Herausforderung für Disposition und Mitarbeiter. Reinigungskräfte übernehmen oft Früh- oder Spätschichten, damit Gebäude zu Betriebszeiten glänzen. Doch die Arbeit gegen den circadianen Rhythmus hat ihre Tücken: Nachts um 3 Uhr haben Menschen normalerweise ihr Leistungstief. Wir haben eine biologische innere Uhr, die unseren Schlaf- und Wachrhythmus steuert – den Nucleus suprachiasmaticus. In der Nacht schütten wir vermehrt das „Schlafhormon“ Melatonin aus. Das Hormon signalisiert unserem Körper, seine Aktivität herunterzufahren. Außerdem birgt Schichtarbeit gesundheitliche Risiken. Das Schlafen gegen den inneren Rhythmus kann Schlafstörungen begünstigen (Quelle z. B: Shift work: coping with the biological clock). Übermüdung führt u. U. zu langsameren Reaktionszeiten und einer höheren Fehleranfälligkeit. Dadurch steigt das Unfallrisiko am Arbeitsplatz. Gastrointestinale Störungen und ein gesteigertes Risiko für Herz- und Krebserkrankungen werden ebenfalls diskutiert.

Angesichts der der vielen Nachteile von Schichtarbeit stellen sich für Arbeitgeber 2 Fragen:

1. Lässt sich Schichtarbeit vermeiden? Eine Möglichkeit ist die Umstellung auf Daytime Cleaning. Reinigungskräfte arbeiten während der Betriebszeiten statt in Nacht- oder Frühschichten.
2. Wie lässt sich Schichtarbeit besser gestalten? Manchmal ist das Arbeiten in Schichten unvermeidbar. Die Bedingungen lassen sich aber optimieren, z. B. hinsichtlich der Leistungsfähigkeit und Risiken.

Schichtarbeit vermeiden: Daytime Cleaning

In der Reinigungsbranche wird „Daytime Cleaning“ vermehrt diskutiert. Das Problem: Viele Unternehmen nehmen an, die Tagesreinigung störe den Betriebsablauf. Laute Staubsauger und herumwuselndes Reinigungspersonal werden als potentielle Störfaktoren erlebt. Meist lassen sich Störungen jedoch gut kontrollieren. Neue technische Geräte sind recht leise und z. T. kabellos. Die Reinigungskraft kann ihre Arbeit in Räumen verrichten, die wenig besetzt sind. Durch Daytime Cleaning vermeiden Reinigungsdienstleister Schichtarbeit und die Nachteile für das Personal. Kunden können ebenfalls profitieren: Die Reinigungskraft kann flexibel auf Kundenbedürfnisse eingehen und die Räumlichkeiten sind frisch gereinigt.

Schichtrhythmen festlegen

Manchmal lässt sich Schichtarbeit nicht vermeiden. Das Problem: Die Arbeit in Schichten kann den circadianen Rhythmus desynchronisieren. Sie schraubt an unserer inneren Uhr. Das birgt Risiken. Diese unterscheiden sich bei schnellem oder langsamen Schichtrhythmus:

  • Lange Schichtrhythmen (ca. 2-3 Wochen) können das soziale Leben von Arbeitskräften belasten. Vor allem Nachtschichten vermindern die Schlafqualität, da der Schlaf tagsüber eher unruhig ist. Der Vorteil einer langsamen Rotation: Der innere Rhythmus kann sich leichter synchronisieren. Das Leistungstief in der Nacht fällt weniger stark aus.
  • Wechselschichten im Tagesrhythmus haben andere Vor- und Nachteile. Sie sind mit dem sozialen Leben besser vereinbar. Allerdings kann sich der circadiane Rhythmus kaum anpassen, die Desynchronisierung bleibt. Dies kann das Leistungstief in der Nacht verstärken.

Schichtarbeit optimieren: bessere Bedingungen schaffen

Es gibt verschiedene Wege, Schichtarbeit zu optimieren. Je nach Branche sehen diese unterschiedlich aus. In der Produktion können Prozesse automatisiert werden oder die Auslastung wird zu bestimmten Zeiten zurückgefahren. In der Reinigungsbranche sind Automatisierungen weniger möglich. Wie lassen sich Schichten besser gestalten?

  • helles Licht: Nachts signalisiert uns der Körper, dass wir unsere Aktivität zurückstellen sollen. Der Energieverbrauch sinkt, unsere Körpertemperatur wird reduziert. Dies liegt u. a. an dem Hormon Melatonin, das bei Dunkelheit ausgeschüttet wird. Folglich landen wir in einem nächtlichen Leistungstief. Kann man diesem Tief entgegenwirken? Hilfreich für die Nachtarbeit ist helles Licht. Bei Tageslicht geht die Melatoninausschüttung zurück. Möglich ist tageslichtähnliches Licht (tageslichtweiß).

  • Unterstützung der Mitarbeiter: Es gibt Möglichkeiten, die Auswirkungen von Schichtarbeit abzumildern. Dazu gehört ein sehr dunkler und ruhiger Schlafraum. Da die Schichtarbeit soziale Aktivitäten am Tag erschwert, können Arbeitgeber:innen bei der Freizeitgestaltung unterstützen. Auch Ernährungstipps sind hilfreich, da der Körper zu ungewohnten Zeiten Energie benötigt. Das heißt: vor Beginn der Schicht am besten gut essen und währenddessen leichte Mahlzeiten zu sich nehmen. In der 2. Nachthälfte sollte auf Kaffee verzichtet werden, um den Erholungsschlaf nicht zu stören.

  • Wachhalte-Tricks: Kaffee (in der 1. Nachthälfte) hilft, um Müdigkeit zu bekämpfen. Auch ein Nickerchen von ca. 15 Minuten kann sinnvoll sein – besser nicht länger, da sonst der Erholungsschlaf beeinträchtigt wird.

  • Schichten in Vorwärtsrichtung: Ein Schichtplan kann verschiedene Rotationsrichtungen beinhalten. Ein Schichtsystem in Vorwärtsrichtung kommt dem circadianen Rhythmus entgegen.

  • Disposition: Eine gut geplante Personaldisposition bringt Planungssicherheit für Unternehmen und Mitarbeiter. Viele Firmen führen ihre Dispo softwaregestützt aus (z. B. über einen Drag-and-Drop Zeitstrahl). Im Dispokalender behalten sie alle Slots im Blick.

  • Personalauswahl: Reinigungskräfte müssen belastbar und verlässlich sein. Recruiter können zum Beispiel nach Personen mit einer hohen internalen Kontrollüberzeugung suchen. Menschen mit einer solchen Überzeugung gehen eher davon aus, ihr Schicksal selbst in der Hand zu haben. Dies kann bei Stress protektiv wirken.

Ausführliche Tipps zur Gestaltung von Schichtarbeit bietet auch der Report „Schichtarbeit gesund und sozialverträglich gestalten“.

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Fazit

Schichtarbeit hat Nachteile für Unternehmen und Personal. Gesundheitliche Risiken, Schlafdefizite und ein erhöhtes Unfallrisiko sind nur einige Probleme der Schichtarbeit. Unternehmen können Schichtarbeit eindämmen, etwa durch Automatisierung von Prozessen. Reinigungsdienstleister stellen zum Teil auf Daytime Cleaning um. Lässt sich die Arbeit in Schichten nicht verhindern, kann sie dennoch optimiert werden. Die Forschung zeigt verschiedene Ansätze, etwa in puncto Beleuchtung, Rotationsrichtung oder Personalauswahl.

Quelle Foto: © rrice / Adobe Stock

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