Rückblick Zeitarbeit 2019: Das hat die Branche bewegt

verfasst von zvoove, 04.12.2019
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht

Was ist 2019 passiert? 

2019 war ein aufregendes Jahr für die Zeitarbeitsbranche. Zwar blieb es um die AÜG-Reform bis auf eine erneuerte Fachanweisung relativ ruhig. Doch sorgte die Politik für einige Debatten. Im Herbst etwa wurde die Frage laut, ob Zeitarbeit in der Pflege verboten werden soll. Konjunkturell zeigten sich besonders zum Jahresende einige Auswirkungen. Die Zahl der Zeitarbeiter ist seit ihrem Peak im November 2017 deutlich zurückgegangen. Auch Zeitarbeitsfirmen haben verstärkt mit Fachkräfteengpässen zu kämpfen. Mehr als drei von vier Unternehmen haben Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Die wichtigsten Ereignisse des Jahres haben wir im Jahresrückblick zusammengestellt.

 

Kritik am Fachkräfteeinwanderungsgesetz

Der demographische Wandel stellt Deutschland vor eine Herausforderung. Bis 2035 soll die Zahl der Menschen im Erwerbsalter um 4 bis 6 Millionen sinken (14. Bevölkerungsvorausberechnung). Bereits jetzt haben Unternehmen mit langen Vakanzzeiten und Rekrutierungsproblemen zu kämpfen. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, ist die Rekrutierung internationaler Fachkräfte. Im Februar titelte der Tagesspiegel, dass Deutschland bis 2060 jährlich 260.000 Zuwanderer benötige, um den Arbeitskräftebedarf zu decken. Das von der Bundesregierung geplante Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll die Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittstaaten erleichtern. Fachkräften ohne Hochschulabschluss bietet es einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt. Im März 2020 soll das Gesetz in Kraft treten. Eigentlich eine gute Nachricht. Doch die Zeitarbeitsbranche soll **außen vor **blieben. Für Drittstaatenangehörige bleibt der Zugang zur Zeitarbeit bis auf wenige Ausnahmen im hochqualifizierten Bereich verschlossen. Und das, obwohl sie ein wichtiger Wirtschaftsmotor und Flexibilitätsinstrument ist. Mit dem Beschäftigungsverbot für die Zeitarbeit wird das Schließen der Fachkräftelücke deutlich erschwert.

 

Zeitarbeit in der Pflege verbieten? 

Die Zeitarbeit ist ein wichtiger Motor für die Pflegebranche. Der Gesundheitssektor sucht händeringend nach Arbeitskräften. Viele Pflegekräfte entscheiden sich bewusst für eine Anstellung in der Zeitarbeit, da sie dort z. T. bessere Bedingungen erwartet. Sie haben zum Beispiel mehr Einfluss auf ihren Dienstplan oder schätzen die Abwechslung. Zwischen 2014 und 2017 hat sich die Zahl der Leiharbeiter in der Gesundheits- und Krankenpflege, bei Rettungsdiensten und in der Geburtshilfe erhöht. Allerdings machen Zeitarbeitskräfte nur einen Gesamtanteil von unter 2 % unter den Beschäftigten in der Pflege aus (Sonderauswertung der BA). Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen nutzen die Arbeitnehmerüberlassung zur kurzfristigen Deckung von Personalengpässen und entlasten dadurch ihre Stammbelegschaft. Im Oktober hat die Berliner Gesundheitssenatorin für Diskussionen gesorgt, als sie ein **Verbot der Zeitarbeit in der Pflege **forderte. Dazu wurde für **Anfang 2020 eine Bundesratsinitiative **geplant.

 

Konjunktur schwächelt zum Jahresende 

Die Zeitarbeit ist ein guter Indikator für Konjunkturänderungen. Im dritten Quartal verzeichnete insbesondere die Industrie eine schwächelnde Konjunktur. Im August ist die Zahl der Zeitarbeiter laut Statistischem Amt der BA um fast 1 % im Vergleich zum Vormonat gesunken. Nur noch 750.400 Zeitarbeitnehmer waren in der Branche beschäftigt. Im Vergleich zu ihrem Peak im November 2017 (1,08 Millionen) ist das ein deutlicher Rückgang. Vor allem der Anteil an zuvor Arbeitslosen und Geringqualifizierten (EG1, EG2) ist zurückgegangen.

 

Fachkräftelücke auch in der Zeitarbeit zu spüren 

Zeitarbeitsfirmen helfen aus, wenn Unternehmen ihre Vakanzen flexibel besetzen wollen, z. B. bei Auftragsspitzen. Sie unterstützen Kunden, die keine passenden Mitarbeiter finden. Aufgrund der Fachkräfteengpässe fällt es auch der Zeitarbeitsbranche schwer, genügend Einsatzkräfte zu finden. Rund 82 % von ihnen berichteten laut DIHK-Arbeitsmarktreport von Problemen bei der Stellenbesetzung. Bei 84 % der Befragten mussten Stellen deshalb vakant bleiben.

 

Wenig Neues zur AÜG-Reform 

Um die AÜG-Reform ist es 2019 überraschend ruhig geblieben. Wie erwartet wurden die fachlichen Weisungen überarbeitet. Im August hat die Bundesagentur für Arbeit eine neue Version der Geschäftsanweisungen vorgelegt. Aktualisiert hat sie unter anderem folgende Punkte:

  • Formerfordernis der Konkretisierung des Leiharbeitnehmers (FW AÜG 1.1.6.7 Abs. 2, S. 20)
  • Folgerung aus FW 1.2.1 Abs. 1 bis 3 (FW AÜG 1.2.1 Abs. 4, S. 26)
  • Bestimmung des vergleichbaren Arbeitnehmers (FW AÜG 8.1 Abs. 5 [gemeint wohl: Abs. 6], S. 80)
  • Inbezugnahme von Flächentarifverträgen der Zeitarbeit sowohl für Einsatzzeiten wie für Nichteinsatzzeiten (FW AÜG 8.5 Nr. 6, S. 87)
  • Voraussetzung der Rechtsfolge des § 9 Abs. 1 Nr. 1a (FW AÜG 9. Abs. 5, S. 91)
  • Arbeit auf Abruf (FW AÜG 11. Abs. 8, S. 96)
  • Schriftformerfordernis des Überlassungsvertrages (FW AÜG 12. Abs. 1 und 2, S. 97)

2020 soll das Gesetz umfassend evaluiert werden (§ 20 AÜG). Für die Evaluation sieht das BMAS einen Zeitraum von 26 Monaten vor. Die Ergebnisse der Evaluation sollen laut Bundesregierung 2022 vorliegen. Zweck der Evaluierung ist es, die Wirksamkeit der AÜG-Novellierung zu prüfen. Ggf. müssen sich Zeitarbeitsfirmen im Rahmen der Prüfung auf weitere Neuerungen einstellen. 

 

Die umsatzstärksten Unternehmen: Lünendonk-Liste 2019

Jedes Jahr veröffentlicht das Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk eine Liste der führenden Unternehmen in der Personaldienstleistungsbranche. Die Kriterien des Anbieterrankings sind der Umsatz, die Anzahl der internen Mitarbeiter und der Zeitarbeitskräfte. In den Top 3 landeten wie in den Vorjahren Randstad Deutschland, Adecco und die Manpower Group. Randstad konnte einen Umsatz von 2.383 Millionen verzeichnen. Die Zahl der internen Mitarbeiter belief sich auf 3.100, die Zahl der Zeitarbeitskräfte auf 46.800. Im Herbst 2019 wurde jedoch berichtet, dass Weltmarktführer Randstad mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat. Im 3. Quartal meldete das Unternehmen einen Rückgang um 2.5 %. In Deutschland ist der Umsatz um 14 % gesunken.

 

Fazit

2019 war ein ereignisreiches Jahr für die Zeitarbeitsbranche. Zwar hat sich in puncto AÜG relativ wenig getan. Allerdings hat die Politik für einige Diskussionen gesorgt, etwa bzgl. der Fachkräfteeinwanderung und des Zeitarbeitsverbots in der Pflege. Im kommenden Jahr wird das AÜG voraussichtlich mehr in den Vordergrund rücken, wenn die Evaluation des Gesetzes startet. Die Ergebnisse sollen jedoch erst 2022 vorliegen.

Wir wünschen allen einen guten Start in 2020 und hoffen auf ein positives Jahr für die Branche!

Quelle Foto: © Artur / Adobe Stock

 

Du besuchst zvoove.com mit dem Internet Explorer

Dieser Browser wird seit 2020 nicht mehr unterstützt. Das bedeutet, dass Dir einige Funktionen von zvoove.com nicht zur Verfügung stehen.

Damit du alle Funtionen von zvoove.com nutzen kannst, empfehlen wir, unsere Webseite mit einem aktuellen Browser wie Microsoft Edge, Mozilla Firefox oder Google Chrome zu besuchen.