Gibt es ab Herbst ein Recht auf Home Office?

verfasst von zvoove, 28.04.2020
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Corona ebnet den Weg ins Home Office

Die Corona-Pandemie stellt Unternehmen und Mitarbeiter vor neue Anforderungen. Einige Arbeitnehmer sind erstmals im Home Office tätig. Schätzungsweise 25 % der Beschäftigten arbeiten von Zuhause aus. Das sind etwa doppelt so viele wie vor Corona (tagesschau). Im Internet kursieren zahlreiche Tipps gegen die Prokrastination. Im eigenen Zuhause lauern viele Ablenkungsquellen: Smartphone, TV, die Kinder. Arbeitgeber scheuen es, ihre Mitarbeiter unbeobachtet zu lassen. Aber auch im Büro lassen sich Mitarbeiter ablenken, z. B. durch Gespräche mit Kollegen (10 %). Telefongespräche stellen für ein Drittel der Arbeitnehmer ein Ablenkungsrisiko dar, E-Mails für 23 % (statista). 

Im Präsenzbetrieb und Zuhause machen Informationsasymmetrien ein dauerhaftes Monitoring undenkbar (geschweige denn erstrebenswert). Die fehlende Kontrolle birgt ein Risiko für Shirking. Mitarbeiter fahren ihre Leistungsbereitschaft herunter, die Motivation sinkt. Im Home Office scheint die Gefahr der Drückebergerei weitaus ausgeprägter. Aber sind Arbeitnehmer tendenziell drückebergerisch eingestellt? Vielleicht bietet das Modell Home Office die Chance einer neuen Vertrauenskultur. Auch neue Arbeitsmaßstäbe oder Arbeitszeitregelungen sind denkbar. Statt Arbeitszeit könnte der Output in den Fokus rücken. Ein neuseeländischer Finanzdienstleister hat bspw. eine wissenschaftlich begleitete Vier-Tage-Woche eingeführt. Das Resultat: Die Mitarbeiter leisteten in der Zeit genauso viel wie in der Fünf-Tage-Woche. Dank stärkerer Fokussierung stieg die Produktivität, das Stresslevel ist gesunken (Research Analysis). Aber ist ein outputorientierter Arbeitsplan sinnvoll? Projektmanager und Bauplaner kennen das Problem: Oft gibt es unvorhergesehene Ereignisse, die das Resultat verzögern. Stichwort Corona. Leistung lässt sich nicht eindeutig zuschreiben, zu viele Mitverantwortliche sind in die Arbeitskette involviert.

Fest steht: Es gibt viele offene Fragen in puncto Home Office und Flexibilisierung. Wie soll die Kontrolle gestaltet werden? Welche Tools benötigt der Mitarbeiter für die Arbeit von Zuhause? Wie viel Home Office ist sinnvoll? Leidet der Austausch mit Kollegen? Sinkt die Arbeitsproduktivität? In all dieser Unsicherheit will Arbeitsminister Hubertus Heil ein Recht auf Home Office einführen. Die Zwangs-Verhäuslichung durch Corona hat die ersten Schritte geebnet. Aber sollten nicht erst die drängenden Fragen zum Thema geklärt werden? Am besten untermauert durch wissenschaftliche Studien. Vielleicht sind die Fragen so zahlreich, dass Ausprobieren die beste Lösung ist. Erst in der Praxis zeigen sich Probleme und Lösungsmöglichkeiten. Nur: Muss es gleich ein Gesetz sein? Und wie soll dieses Gesetz aussehen? 

 

Recht auf Home Office und schnelles Internet 

Hubertus Heil scheint die Corona-Pandemie als einen Vorstoß für das Gesetz auf Home Office zu nutzen. Derzeit arbeiten ohnehin mehr Mitarbeiter von Zuhause aus. Es ist eine Art Testphase in puncto Heimarbeit, ein Sprung ins kalte Wasser. Ginge es nach Heil, sollen Beschäftigte auch nach COVID-19 ihr Zuhause zum Arbeitsplatz machen können. Dabei sollen sie wählen können, ob sie ihre komplette Arbeitszeit Zuhause verbringen oder einige Tage pro Woche. Die Voraussetzungen:

  • Mitarbeiter wollen von Zuhause aus arbeiten
  • der Arbeitsplatz lässt es zu

Was genau der letzte Punkt bedeuten soll, ist unklar.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt fordert neben einem Anspruch auf Home Office ein Recht auf schnelles Internet. Damit das Arbeiten von Zuhause reibungslos funktioniert, müssten die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.

 

Die Tücken der Heimarbeit

Home Office scheint Vieles besser zu machen. Die Arbeit von Zuhause verspricht eine ausgewogenere Work-Life-Balance, mehr Freiheit und Zufriedenheit. Mitarbeiter sparen Pendelzeit und können sich ihre Arbeitszeit flexibler einteilen. Studien zeigen aber auch, dass Heimarbeit zu mehr Überstunden führen kann. Frauen investieren mehr Zeit in die Kinderbetreuung. Außerdem kann die Heimarbeit einsam machen: Die Kollegen fehlen, es gibt keine gemeinsamen Pausen. Meetings per Videotelefonie stehen dem Face-to-Face Treffen in Vielem nach – wie die Corona-Krise deutlich zeigt. Die Trennung von Arbeit und Privatem gelingt nicht immer so leicht. Die Arbeit kann nicht am Arbeitsplatz gelassen werden, sondern wird im wahrsten Sinne des Wortes mit nach Hause genommen. Um mögliche Nachteile der Heimarbeit einzudämmen, will der Arbeitsminister faire Regeln schaffen. Mitarbeiter sollen etwa davor bewahrt werden, bis tief in die Nacht schuften zu müssen. Eine 24/7 Erreichbarkeit will er verhindern. Das Gesetz könne dazu beitragen, dass Unternehmen und Mitarbeiter endlich Konzepte für mobiles Arbeiten entwickelten. 

 

Kritik am Recht auf Home Office 

Arbeitgeberverbände und die Opposition kritisieren Heils Vorstoß. Das Gesetz liefere weitere Vorgaben, die Wachstum und Flexibilität einschränken, so der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Gerade vor dem Hintergrund der Wirtschaftsrückgänge sei dies heikel. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sieht das Gesetz als tiefen Eingriff in die Arbeitsabläufe von Unternehmen. Die Entscheidung für oder gegen die Heimarbeit solle in der Macht der Arbeitgeber und Mitarbeiter liegen.

 

Fazit

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil plant, ein Recht auf Home Office gesetzlich zu verankern. Das Gesetz soll im Herbst 2020 kommen. Mitarbeiter sollen künftig komplett oder tageweise im Home Office arbeiten dürfen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitsplatz die Heimarbeit zulässt. Die Regelungen sollen eine Struktur für die Arbeit im Home Office schaffen und Betriebe dazu ermutigen, Konzepte zu entwickeln. Kritisiert wird der Vorstoß von Arbeitgeberverbänden und der Opposition. 

Quelle Foto: © fizkes / Adobe Stock

 

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