Unfälle und Fehlzeiten in der Zeitarbeit reduzieren

verfasst von zvoove, 02.07.2019
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Sind Zeitarbeiter häufiger krank? 

Zeitarbeiter sind öfter krankgeschrieben als andere Beschäftigte – so eine vielgelesene Schlagzeile in den Medien. Die **TK-Gesundheitserhebung **zeigt, in welchen Bereichen Zeitarbeitnehmer mehr Fehltage aufweisen als die Vergleichsgruppe. 405 Krankheitstage sammelten Zeitarbeiter 2018 wegen Muskel- und Skelettbeschwerden, andere Beschäftigte fehlten nur 251 Tage (Infografik). Auch im Bereich **Atmung, psychische Erkrankungen, Verletzungen/Vergiftungen und Infektionen **waren Zeitarbeitnehmer etwas häufiger betroffen. 221 Fehltage fielen bspw. auf **Verletzungen **zurück, bei anderen Betroffenen waren es nur 153 Tage. 

Die Zahlen auf die Arbeitsbedingungen in der Branche zurückzuführen, wäre jedoch zu simpel. Ein wichtiger Faktor ist die Beschäftigungsstruktur in der Zeitarbeit, die sich mit Blick auf andere Beschäftigte unterscheidet: In der Arbeitnehmerüberlassung arbeiten deutlich mehr Mitarbeiter **körperlich **und in Helfertätigkeiten. Die Branche bietet mehr Menschen ohne Berufsabschluss oder Niedrigqualifizierten eine Chance – ein niedriger Bildungsstand steht in Verbindung mit der Gesundheit und dem Gesundheitswissen. Statistiken legen nahe, dass gute Gesundheit und hohe Bildung zusammenhängen (bpb Datenreport 2016). 

Kritisierbar ist, dass die Erhebungen der Krankenkassen in der Regel nur die eigenen Versicherten berücksichtigen und somit nur einen Teilausschnitt der Arbeitsbevölkerung repräsentieren. Der iGZ verweist außerdem auf Unterschiede in den Ergebnissen zwischen den Krankenkassen: Bei der AOK beispielsweise sind Zeitarbeitnehmer weniger krankgeschrieben als andere Beschäftigte. Pro Krankheitsfall fehlen sie durchschnittlich 8,9 Tage, Nicht-Zeitarbeitnehmer hingegen 11,8 Tage. 

Unabhängig von den Ergebnissen ist es sinnvoll, über eine Verminderung von Fehlzeiten und eine Prävention von Krankheiten nachzudenken – sowohl in der Zeitarbeit als auch in anderen Branchen. Das scheint insbesondere in Hinblick auf aktuelle Zahlen wichtig: Laut TK Gesundheitsreport 2019 etwa erreicht die Zahl der Fehltage **Rekordniveau: 15,5 Tage **fehlt eine Erwerbsperson im Schnitt pro Jahr. Erwähnenswert sind vor allem die Fehltage durch psychische und Verhaltensstörungen: In der Gesamtbevölkerung haben sich diese von 2000 bis 2018 fast verdoppelt. Fast jeder 5. Fehltag ist psychisch bedingt.

 

Gesundheitsgerechte Arbeitsorganisation 

Die VGB hat einen Leitfaden** für die Gestaltung der Arbeitsorganisation in Zeitarbeitsunternehmen** herausgegeben. Darin gibt sie Tipps für die gesundheitsgerechte Gestaltung der Betriebsorganisation, des Überlassungsprozesses und des Arbeitsplatzes. Unfälle oder Fehlbelastungen bei der Arbeit, die z. B. Haltungsschäden begünstigen, lassen sich durch präventive Strukturen besser vermeiden. Grundpfeiler für eine präventive Arbeitsgestaltung im Kunden- und Zeitarbeitsunternehmen sind:

  • Arbeitsorganisation: Gesundheitsgerechtes Arbeiten wird als ein wichtiges Unternehmensziel festgelegt. Dieses Ziel wird Personalentscheidern und Mitarbeitern regelmäßig verdeutlicht, z. B. durch Informationsmaterial, in Mitarbeitergesprächen oder durch die Vorbildfunktion von Vorgesetzten, arbeitsbereichsbezogene Weiterbildungsseminare und Arbeitsplatzbesichtigungen durch Personalentscheidungsträger. Das Betriebsklima sollte im Sinne einer Präventionskultur mündige Mitarbeiter hervorbringen. Das Zeitarbeitsunternehmen trifft klare schriftliche Absprachen mit dem Kunden über Art und Umfang der Tätigkeit. Mitarbeiter sollten hinreichend qualifiziert und erfahren für die Tätigkeit sein, erforderliche Weiterbildungen absolvieren und entsprechende Nachweise vorlegen können (z. B. erfolgreiche Eignungsuntersuchung). Vor dem Einsatz sind die Arbeitnehmer über die mit dem Entleiher vereinbarten Schutzmaßnahmen aufzuklären. Für eine sichere Arbeitspraxis erhält der Zeitarbeitnehmer eine arbeitsplatzbezogene Ein- bzw. Unterweisung bei jeder neuen Arbeitsaufgabe und jedem neuen Einsatz sowie präzise Arbeits- und Dienstanweisungen. Im Sinne eines gesunden Zeitmanagements sollte ausreichend Zeit für die Aufgabenerfüllung eingeplant werden. Für eine gezielte Entwicklung präventiver Maßnahmen werden Gefährdungsbeurteilungen durchgeführt. Unter anderem zu beurteilen sind Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, Arbeitsaufgaben und psychische Belastungen.
  • Arbeitsmittel: Arbeitgeber prüfen, ob die für einen reibungslosen Arbeitsablauf benötigten Arbeits- und Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Diese sollten regelmäßig überprüft und gewartet werden. Für die Beschaffung von Schutzausrüstungen und technisch einwandfreien Arbeitsmitteln werden konkrete Verantwortliche festgelegt (z. B. Niederlassungsleiter). Der Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit stehen beratend zur Seite. Um sicherzugehen, dass technische Arbeitsmittel regelmäßig von unabhängigen Stellen geprüft werden, ist auf entsprechende Kennzeichnungen zu achten (z. B. CE-Kennzeichen). Beschäftigte sollten dazu angehalten werden, mögliche Gefahren wie defekte Arbeitsmittel ihrem Vorgesetzten sofort zu melden.
  • Arbeitsumgebung: Der Verleiher informiert sich beim Einsatzbetrieb über die Einsatzbereiche und mögliche Gefährdungen, zum Beispiel erhöhter Lärmbelästigung. Nach Identifikation der Gefährdungsfaktoren können Präventionsmaßnahmen gezielt skizziert und durchgeführt werden.

Verantwortlich für Arbeitsschutzmaßnahmen sind sowohl Verleiher als auch Entleiher: Das Verleihunternehmen ermittelt die für den Arbeitsschutz erforderlichen Informationen im Entleihbetrieb und bereitet Beschäftigte entsprechend auf den Einsatz vor. **Art und Umfang der Tätigkeit **sollten vertraglich klar geregelt werden. Außerdem sind Aspekte des Arbeitsschutzes im Arbeitnehmerüberlassungsvertrag (AÜV) zu thematisieren. Das Kundenunternehmen ist für einen arbeitsschutzsicheren Einsatz in der im AÜV vereinbarten Tätigkeit verantwortlich: Der Mitarbeiter muss in die Arbeitsschutzorganisation im Unternehmen integriert werden (z. B. durch Unterweisung am Arbeitsplatz).

Im nächsten Teil informieren wir über den Arbeitsschutz im Überlassungsprozess sowie die Möglichkeit psychischer Belastungsbeurteilung in der Zeitarbeit.

 

Fazit

Die Gestaltung arbeitsorganisatorischer Rahmenbedingung in der Zeitarbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Prävention von Unfällen oder Fehlbelastungen und daraus resultierenden gesundheitlichen Komplikationen. Die drei Säulen Arbeitsorganisation, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung sind wichtige Faktoren in der Gestaltung gesundheitsgerechter Rahmenbedingungen. Die VGB hat dazu einen ausführlichen Leitfaden veröffentlicht, den Zeitarbeitsunternehmen nutzen können.

Quelle Foto: © R. Gino Santa Maria / Fotolia

 

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