Kennzahlen unter der Lupe: Personalkosten

verfasst von zvoove, 06.11.2017
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Deutschland als sechsteuerster Industriestandort

In Deutschland ist Arbeit vergleichsweise teuer: Das Lohnniveau hierzulande ist im internationalen Vergleich hoch. Über die Höhe der Arbeitskosten entscheiden neben dem Bruttolohn/Bruttogehalt (Direktentgelt) die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge und sonstige Zusatzkosten wie Kantinenzuschüsse, Abfindungen oder Aufwendungen für die Betriebskita. Bei Standortentscheidungen spielen die Arbeitskosten eine wichtige Rolle: Etwa wenn Unternehmen überlegen, ihre Produktionsstätten ins günstigere Ausland zu verlagern. In einem Arbeitskostenvergleich des Instituts für deutsche Wirtschaft Köln (IW) wird deutlich, dass vor allem westdeutsche Industriebetriebe hohe Summen für Personal ausgeben. Im Ländervergleich ist Westdeutschland der sechstteuerste Industriestandort weltweit – mit Ausgaben von 40,90 Euro je Arbeitnehmerstunde. Ostdeutschland rangiert mit 26,26 Euro je Stunde auf Platz 18 von den 44 verglichenen Industriestandorten. Im Bundesdurchschnitt gibt Deutschland 38,99 Euro je geleisteter Arbeitsstunde aus. Damit sind die Arbeitskosten in Westdeutschland höher als im Bundesdurchschnitt. Spitzenreiter bei den Arbeitskosten im verarbeitenden Gewerbe ist die Schweiz mit 58,13 Euro je Arbeitnehmerstunde, gefolgt von Norwegen und Belgien. Am günstigsten sind die Ukraine (1,78 Euro), die Republik Moldau (2,03 Euro) und die Philippinen (2,18 Euro). Bei den Personalzusatzkosten landet Deutschland im Mittelfeld: Auf 100 Euro Direktentgelt kommen 76 Euro an Personalzusatzkosten. Bei Spitzenreiter Belgien sind es stolze 99 Euro, gefolgt von Österreich (91, 7 Euro) und Frankreich (88,6 Euro). Verantwortlich für die hohen Werte sind vor allem die Sozialbeiträge, die größtenteils von den Arbeitgebern übernommen werden. Auch bei den Personalzusatzkosten liegt Westdeutschland mit 75,8 Euro knapp über dem Bundesdurchschnitt, Ostdeutschland folgt nach sechs Zwischenplatzierungen mit 62,7 Euro Personalzusatzkosten je 100 Euro Direktentgelt. Die niedrigste Personalzusatzkostenquote mit knapp 38 % weist Dänemark auf – hier wird die soziale Sicherung weitgehend steuerlich finanziert.

 

Zusammensetzung von Personalkosten

Die Personalkosten sind ein wichtiger Kostenblock: Unternehmen sollten im Blick behalten, welche Kosten eine geleistete Arbeitsstunde verursacht. In Dienstleistungsunternehmen machen die Personalkosten meist einen hohen Anteil am Gesamtkostenblock aus und gehören zu den wichtigsten Kostenpositionen. Die Personalkosten lassen sich unterteilen in das Entgelt für geleistete Arbeit – darunter auch leistungsabhängige Sonderzahlungen – und die Personalzusatzkosten. Löhne sind z. B. klassifizierbar in Fertigungs- und Hilfslöhne, Zeit- und Akkordlohn, Prämienlohn, Pensum- und Potenziallohn. Zu den Gehältern zählen u. a. Grundgehälter, Tarifgehälter, Leistungsprämien, Tantiemen, Provisionen und übertarifliche Zulagen. Die Personalzusatzkosten lassen sich unterteilen in: 

  • Vergütung arbeitsfreier Tage (Entgeltfortzahlungen im Krankheitsfall, bezahlte Feiertage und Urlaub) 
  • Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld 
  • Aufwendungen für Vorsorgeeinrichtungen (Arbeitgeberbeiträge zur Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Rentenversicherung, Beiträge zur Unfallversicherung, betriebliche Altersvorsorge und Aufwendungen für sonstige Vorsorgeeinrichtungen) 
  • sonstige Personalzusatzkosten wie Kosten für Aus- und Weiterbildung, Abfindungen, Kantinenleistungen oder Wohnungsbeihilfen

 

Personalkosten pro Stunde ermitteln

Um z. B. die Effizienz von Abteilungen zu beurteilen und Rationalisierungsentscheidungen zu treffen, lässt sich die Kennzahl Personalkosten pro Stunde nutzen. Hohe Personalkosten können beispielsweise darauf zurückzuführen sein, dass Personal nicht rentabel eingesetzt wurde oder hohe Fehlzeiten aufweist. Die Personalkosten ergeben sich, indem die jährlichen Personalkosten (in Euro) durch die Jahresarbeitszeit (in Arbeitsstunden) dividiert werden. Die jährlichen Personalkosten umfassen neben dem Bruttolohn zusätzliche Lohn-/Gehaltsbestandteile wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Zuschüsse. Zusätzlich zur Summe der Personalkosten pro Jahr ist die tatsächliche Jahresarbeitszeit zu ermitteln: Dazu werden zunächst die Abwesenheitstage durch Urlaub, Krankheit, Feiertage oder sonstige Nichtarbeitszeiten (z. B. Feiertage) aufaddiert. Anschließend werden sie mit den Arbeitsstunden pro Tag addiert. 

Zum Beispiel: 

 

Von der Gesamtzahl der Arbeitstage pro Jahr werden dann die Abwesenheitstage abgezogen, z. B. 

 

Diese werden dann mit den Arbeitsstunden pro Tag multipliziert, um die Anwesenheitsstunden pro Jahr zu berechnen: 

 

Bei jährlichen Personalkosten von z. B. 42.000 Euro würden die Personalkosten pro Stunde 25,7 Euro betragen: 

 

Die Personalkosten pro Stunde, die sich auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden beziehen, liegen höher als der Bruttostundenlohn bezogen auf die Vertragsarbeitszeit.

 

Lohnt sich der Einsatz von Leiharbeitnehmern?

Überlegt ein Unternehmen beispielsweise, Leiharbeiter zu beschäftigen, ist für die Kalkulation nicht der Bruttostundenlohn vergleichbarer Stammmitarbeiter entscheidend. Stattdessen sollten die Personalkosten pro Stunde für den Stammmitarbeiter als Maßstab dienen, die sich auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden beziehen. Personaldienstleister bzw. Zeitarbeitsunternehmen berechnen mit dem Verrechnungssatz (Überlassungsvergütung) vom Kunden die effektiv geleisteten Arbeitsstunden des Zeitarbeitnehmers. Darin sind u. a. enthalten: 

  • Gehalt des Leiharbeitnehmers 
  • arbeitgeberseitige SV-Beiträge 
  • Rücklagen für einsatzfreie Zeiten 
  • Rücklagen für Urlaub und Krankheit des Leiharbeiters 
  • Kosten für eigenes Personal (z. B. Disponenten) 
  • Bürokosten 

Verlangt der Personaldienstleister z. B. einen Stundensatz von 20 Euro, wären die Personalkosten pro Stunde für den Stammbeschäftigten mit 25,7 Euro im Beispiel höher. Über den finanziellen Aspekt hinaus gibt es weitere Gründe, die Leiharbeit für Unternehmen lohnenswert machen – zum Beispiel höhere Flexibilität im Personaleinsatz und eine ad hoc abrufbare Personalreserve, um Personalengpässe zu vermeiden und Wachstumsphasen effektiv zu nutzen.

 

 

Fazit

Im internationalen Vergleich sind die Personalkosten in Deutschland hoch. Für viele Unternehmen ist die Höhe der Arbeitskosten ein Faktor bei Standorts- und Rationalisierungsentscheidungen. Um die Effizienz von Abteilungen zu beurteilen und personelle Entscheidungen (z. B. über den Einsatz von Leiharbeitern) zu treffen, können die Personalkosten pro Stunde zu Rate gezogen werden. Diese ergeben sich, indem die jährlichen Personalkosten durch die Jahresarbeitszeit dividiert werden und beziehen sich auf die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. 

Quelle Foto: Fotolia © Stockfotos-MG

 

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