Passende Mitarbeiter gewinnen: Tipps für Personaldienstleister

verfasst von zvoove, 04.10.2017
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Personalengpässe bewältigen

Qualifiziertes Personal gehört zu den wichtigsten Ressourcen im Unternehmen: Um Unternehmensziele zu erreichen, müssen die notwendigen Personalkapazitäten vorhanden sein. Eine gut durchdachte Personalbedarfsplanung stellt sicher, dass personelle Kapazitäten zum Planungszeitpunkt in der richtigen Anzahl und Qualität verfügbar sind. Gelingt es, künftige Personalbedarfe zu erkennen, können Personalüber- und -unterdeckungen durch frühzeitige Gegensteuerung (Personalgewinnung, -entwicklung und -abbau) vermieden werden. Wie erfolgreich Rekrutierungs- und Personalmarketingmaßnahmen anschlagen, hängt auch von der Arbeitsmarktlage ab: Zurzeit herrscht nahezu Vollbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Der Anteil Erwerbsfähiger wird im Zuge des demografischen Wandels voraussichtlich sinken. Qualifikationsanforderungen werden sich vermutlich mit der Digitalisierung weiter verändern. Besteht eine Fehlanpassung zwischen nachgefragten und angebotenen Qualifikationen, sind Fachkräfteengpässe wahrscheinlich. Zur Fachkräftesicherung hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) ein Konzept mit 5 Sicherungspfaden vorgelegt, um sicherzustellen, dass künftige genügen Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind – bisher konnten bereits Fortschritte verzeichnet werden. In Zeiten von Fachkräfteengpässen stehen Unternehmen in einem höheren Wettbewerb um Fachkräfte, weshalb Personalmarketing und Employer Branding an Bedeutung gewinnen. Herrscht Personalnotstand wie etwa in der Gesundheits- und Pflegebranche, greifen Unternehmen z. T. auf Zeitarbeitnehmer zurück, die personelle Engpässe kurzfristig abfangen. Viele Zeitarbeitsunternehmen investieren in Qualifikationsmaßnahmen, um Fachkräfte gezielt zu schulen. Doch auch Zeitarbeitsfirmen stehen vor der Herausforderung, geeignetes Personal zu finden. Die gute Nachricht: 2016 erreichte die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Deutschland laut Arbeitsmarkberichterstattung mit rund 1 Millionen Leiharbeitern im Juni ein Allzeithoch – der Großteil davon sozialversicherungspflichtig und in Vollzeit beschäftigt. Auf den Anstieg der Leiharbeiterzahl wird 2018 voraussichtlich vor dem Hintergrund der AÜG-Reform ein Rückgang erwartet: Experten schätzen diesen laut Lünendonk auf 5, 8 % (57.000 Zeitarbeitnehmer).

 

Möglichkeiten zur Mitarbeitergewinnung für Zeitarbeitsunternehmen

  • Arbeitsmarktlage und Qualifikationsanforderungen im Blick behalten: Aktuelle Prognosen zur Arbeitsmarkt- und Fachkräfteentwicklung in Deutschland helfen dabei, den Personalbedarf von Kundenunternehmen und die Herausforderungen für die eigene Personalgewinnung einzuschätzen. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht regelmäßige Berichte zur aktuellen Fachkräftesituation in Deutschland, auch mit Fokus auf die Zeitarbeit. In der Fachkräfteengpassanalyse beispielsweise, werden die aktuellen Engpässe nach Berufen und Region dargestellt. Die regionale Darstellung per Landkarte zeigt, wie flächendeckend die Engpässe sind und wie sie sich je nach Region unterscheiden. In der aktuellen Arbeitsmarktberichterstattung für die Zeitarbeit zeigt sich, in welchen Tätigkeitsfeldern Leiharbeiter bevorzugt eingesetzt werden: Laut Bericht verzeichnete kürzlich vor allem der Tätigkeitsbereich Verkehr, Logistik, Sicherheit und Reinigung ein deutliches Plus an Zeitarbeitnehmern (+ 19.000). 3 von 10 Arbeitnehmern arbeiten in diesem Bereich. Ein Aufwärtstrend zeigt sich in Dienstleistungsberufen (z. B. Callcenter), wohingegen die Zahlen im Bereich Metall und Elektro zurückgingen. Um dynamische Qualifikationsanforderungen im Blick zu behalten, sollten Personaldienstleister digitale Entwicklungen (Stichwort Arbeitsmarkt 4.0) beobachten. Eine Verschiebung der am Markt nachgefragten Qualifikationen wirkt sich auf den Arbeitsmarkt und die Ausbildungsentwicklung aus. Beschäftigungseffekte im Zuge der digitalen Transformation zeigen sich laut „HR-Report 2017“ in der Entstehung neuer Tätigkeitsfelder, der Zunahme flexibler Beschäftigungsverhältnisse und dem zunehmenden Ersatz von Routineaufgaben im mittleren Qualifikationsniveau durch Maschinen und Software. Die Notwendigkeit von Neu-/Umqualifizierungen können Zeitarbeitsunternehmen nutzen: Je nach Anforderungsprofil können sie ihre Mitarbeiter gezielt fortbilden und sich dabei am Kundenbedarf orientieren. Durch die Maßnahmen (z. B. Schulungen für Stapler- oder Schweißerschein) sind die Mitarbeiter breiter einsetzbar. Manche Zeitarbeitsfirmen führen Qualifikationsmaßnahmen in eigenen Fortbildungsstätten durch, andere greifen auf externe Weiterbildungsträger oder E-Learning-Möglichkeiten zurück. Mit dem Boom der Windenergie 2009 beispielsweise, konzipierte Randstad in Kooperation mit der edwin Academy eine Weiterbildung zum Servicemonteur für Windkraftanlagen. Die Absolventen wurden von Randstad übernommen und an Kunden aus der Windkraftbranche vermittelt. 
  • Performanceoptimierung mittels Kennzahlen: Der Erfolg eines Zeitarbeitsunternehmens hängt davon ab, wie gut die einzelnen Unternehmensbereiche funktionieren. Um die Zahl qualifizierter Bewerbungseingänge zu erhöhen, sind ein gut funktionierendes Bewerbermanagement und ein zielgruppenorientiertes Personalmarketing wichtig. Der Vertrieb sorgt für die Kundenakquise und Kundenbindung und mit der Kostenrechnung behalten Unternehmen ihre Kostenzusammensetzung im Blick, um langfristig Kostensenkungspotenziale auszuloten. Kennzahlen helfen dabei, die Performance zu messen und auf der Grundlage von Analysen Stellschrauben zur Performanceoptimierung zu identifizieren. Branchenkennzahlen ermöglichen es, die eigene Position im Branchendurchschnitt einzuschätzen. 
  • Recruiting-Prozess verbessern: Ob ein Unternehmen Recruiting-Erfolge erzielt, hängt auch von seinem Bewerbermanagement ab: Der Bewerbungsprozess sollte für Bearbeiter und Bewerber möglichst unkompliziert sein. Bewerber haben mittlerweile zu einem Großteil den Anspruch, sich mobil und möglichst schnell per Online-Maske bewerben zu können. Eine mobiloptimierte E-Recruiting-Software ist eine Möglichkeit, um den Recruiting-Prozess für Bewerber und Recruiter zu vereinfachen. Ein standardisiertes Bewerbermanagement verkürzt Kommunikationswege zwischen Entscheidern und ermöglicht schnelle Feedbackzeiten gegenüber Kunden und Bewerbern. Zusätzliche Funktionen wie der CV-Parser (Auslesen von Bewerberstammdaten), Multi-Channel-Posting oder Matching-Algorithmus dienen dazu, das Bewerbermanagement weiter zu optimieren und die Zahl geeigneter Bewerbungseingänge zu erhöhen. Ebenfalls entscheidend in Zeiten des Online-Recruitings ist der Bereich Suchmaschinenoptimierung: Stellenanzeigen sollten nicht nur inhaltlich aussagekräftig und optisch attraktiv sein, sondern auch SEO-optimiert, um von Suchmaschinen und Jobsuchenden gefunden zu werden (Stichwort HR-SEO). Die Karriereseite sollte mobiloptimiert und Stellenanzeigen leicht auffindbar sein. 
  • Employer Branding: Auch Zeitarbeitsunternehmen können in puncto Arbeitgeberattraktivität punkten: Sie bieten häufig auch jenen Menschen eine Chance, die Schwierigkeiten beim Einstieg oder Wiedereinstieg in das Berufsleben haben, erleichtern den Berufswechsel und das Sammeln von Berufserfahrungen. Oft bieten sie auch spezielle Qualifizierungsmaßnahmen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten oder auch exklusive Stellen (z. B. im Bereich Projektarbeit) an. Diese Vorteile sollten herausgearbeitet und für die Mitarbeiterfindung und -bindung adressatengerecht in Arbeitgeber-Botschaften verpackt werden. Eine Zielgruppenanalyse hilft dabei, passende Kanäle (Social-Media, Karrierewebsite, Nischenportale…) zur Vermittlung der Arbeitgeberbotschaften auszuwählen und potenzielle Bewerber und Mitarbeiter gezielt anzusprechen. Wie attraktiv das Modell Arbeitnehmerüberlassung sein kann, zeigt sich aktuell zum Beispiel in der Pflegebranche: Laut einer statistischen Sonderauswertung der Bundesagentur für Arbeit arbeiten derzeit rund 21.500 Pflegekräfte in der Arbeitnehmerüberlassung (+ 20 % innerhalb eines Jahres). Vielfach motiviert ist der Wechsel in die Zeitarbeit durch die besseren Arbeitsbedingungen, die das Modell Leiharbeit Pflegekräften bieten kann: In den meisten Fällen können sie Einfluss auf ihre Einsatzzeiten nehmen, erhalten einen geregelten Arbeitsplan und ein übertarifliches Gehalt.

 

 

Fazit

Personaldienstleister unterstützen Unternehmen dabei, personelle Engpässe abzufangen und Wachstumsphasen effektiv zu nutzen. Um Kunden mit passenden Kandidaten zu versorgen, benötigen sie einen gut bestückten Mitarbeiterpool. Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, der demografische Wandel und die Digitalisierung spielen auch für Personaldienstleister eine Rolle. Zur eigenen Personalgewinnung sollten sie daher die Arbeitsmarklage, regionale Fachkräfteengpässe und die Entwicklung von Qualifikationsanforderungen im Blick behalten. Performancekennzahlen, ein erfolgsoptimiertes Bewerbermanagement und Employer Branding Management können dazu genutzt werden, um Mitarbeitergewinnung und -bindung langfristig zu optimieren. 

Quelle Foto: Fotolia © ismotionprem  

 

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