Mehr Fachkräfteengpässe: Wo brennt es aktuell?

verfasst von zvoove, 26.01.2022
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht Fachkräfteengpässe in vielen Bereichen

Fachkräfteengpässe nehmen zu

Die Corona-Krise hat Fachkräfteengpässe reduziert. Im Zuge der Pandemie sind entsprechende Engpässe zunächst zurückgegangen. Dies blieb allerdings nicht von Dauer: Seit Beginn 2021 fehlen wieder mehr Arbeitskräfte. Unternehmen suchen verstärkt nach Mitarbeitern, sodass die Anzahl der Vakanzen und die Arbeitskräftenachfrage gestiegen ist.
Der KOFA Fachkräftereport September 2021 zeigt, dass es im 3. Quartal 2021 rund 42 % mehr offene Stellen gab als im Vorjahr. Arbeitskräfte fehlen über alle Anforderungsniveaus und Berufsgruppen hinweg. Besonders viele offene Stellen gibt es für Helfer ohne formale Qualifikationen (plus ca. 20 %). Allein im September fehlten laut Bericht fast 390.000 Fachkräfte. Für rund ein Drittel der Vakanzen lassen sich bundesweit keine qualifizierten arbeitslosen Personen finden. Diese Stellenüberhangsquote ist im Laufe des Jahres 2021 um fast 10 % angestiegen. Für manche Berufsbereiche lässt sich sogar rund die Hälfte der Stellen nicht besetzen (z. B. im Gesundheits- oder Baubereich).

Wo ist die Arbeitskräftenachfrage besonders hoch?

Der Anteil an Vakanzen, für die es keine qualifizierten arbeitslosen Personen gibt, wird als Stellenüberhangsquote bezeichnet. Diese Quote ist besonders hoch für folgende Bereiche (ohne Helfer):

  • Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung
  • Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik
  • Naturwissenschaft, Geografie und Informatik
  • Land-, Forst- und Tierwirtschaft sowie Gartenbau
  • Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung

Ein besonders hoher Anstieg der Arbeitskräftenachfrage im Vergleich zum Vorkrisenniveau (vor Beginn der Corona-Pandemie im März 2020) zeigt sich im Bereich Naturwissenschaft, Geografie und Informatik (plus 27,8 %). In den Monaten Juli bis September 2021 ist die Anzahl der Vakanzen vor allem im Bereich kaufmännische Dienstleistungen, Warenhandel, Vertrieb, Hotel und Tourismus gestiegen (plus 20,7 %).

Neue Engpässe durch Stellenzuwächse

Seit 2021 haben sich Engpassrelationen z. T. verschlechtert, da es zu wenig qualifizierte Arbeitslose für eine definierte Anzahl an Vakanzen gibt. Der KOFA-Bericht definiert einen Beruf als Engpassberuf, wenn es weniger als 100 arbeitslose Personen auf 100 Vakanzen gibt. Dies ist vermehrt der Fall, da es 2021 viele Stellen- bzw. Nachfragezuwächse gab.
Probleme bei der Stellenbesetzung gab es bundesweit bereits länger für Experten der technischen Informatik. Verschlechtert hat sich die Engpassrelation für folgende Bereiche:

  • Verkauf (ohne Produktspezialisierung)
  • Personaldienstleistung
  • Bio- und Medizininformatik
  • Aufsicht und Führung (Hotellerie)
  • Wirtschaftsinformatik

Seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnen viele Bereiche wieder Stellenzuwächse, etwa die von den Lockdown-Maßnahmen gebeutelte Veranstaltungsbranche. Die Anzahl der Vakanzen ist zwar noch nicht in allen Bereichen auf Vorkrisenniveau, steigt aber wieder an. Große Veränderungen zeichnen sich auch im Bereich des technischen Luftverkehrsbetriebs ab, u. a. da die Reisetätigkeiten wieder zugenommen haben. Die etwas weniger von der Krise beeinträchtigten IT-Berufe zeigen weiterhin einen hohen Stellenzuwachs.

Fachkräfteengpässe trotz Stellenrückgang

Einige Bereiche verzeichnen Stellenrückgänge, dennoch gibt es dort z. T. noch immer starke Fachkräfteengpässe. Stellenrückgänge waren laut KOFA-Bericht im 3. Quartal 2021 im Gesundheits- und Verwaltungsbereich zu beobachten, etwa in der Justizverwaltung, bei Fachkrankenpflegern oder Spezialisten für Medizintechnik. Dennoch sind u. a. bei Fachkrankenpflegern hohe Engpässe zu verzeichnen. Zu den Bereichen mit einer schlechten Engpassrelation gehören:

  • Kartografie
  • Geotechnik
  • Wasserwirtschaft
  • Fachkrankenpflege
  • Ärzte (sonstige Spezialisierung)

Pflegeberufe besonders betroffen

Bereits jetzt gibt es Engpässe im Bereich Alten- und Krankenpflege, die erwartbar noch steigen werden. Aufgrund des demografischen Wandels steigt der Anteil älterer Menschen in Deutschland. Ältere Arbeitnehmer der geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente und es gibt weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter. Die Fachkräfteengpässe in der Pflege sind schon jetzt spürbar. In der Branche gibt es in vielen Bereichen mehr offene Stellen als arbeitslose Personen. Die Anzahl der Vakanzen ist im Laufe der vergangenen 10 Jahre um rund 42,7 % angestiegen (KOFA Kompakt: Pflegeberufe besonders vom Fachkräftemangel betroffen). Mittlerweile sind es über 57.000 Vakanzen im Jahr. Diese richten sich zum großen Teil an Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Etwa eine von 5 Stellen ist für Helfer vorgesehen, unter 5 % für Personen mit Master/Diplom oder für Spezialisten.

Personaldienstleister springen in dieser Engpasssituation ein und helfen Einrichtungen, ihre Engpässe temporär zu decken. Insgesamt macht die Zeitarbeit nur einen kleinen Anteil an Arbeitskräften in der Pflegebranche aus. Einige der Pflegekräfte suchen explizit eine Anstellung in der Zeitarbeit, weil sie dort häufig flexiblere Einsatzmöglichkeiten vorfinden. Der Einsatz von Zeitarbeitskräften in der Pflege hat in den vergangenen Jahren zu einer Debatte um ein Zeitarbeitsverbot bzw. zu einer Einschränkung der Zeitarbeit in der Pflege geführt. Mehr zum Thema findest Du in unserem Blog: Zeitarbeit in der Pflege: eine kontroverse Diskussion.

Fazit

Zu Beginn der Corona-Pandemie sind die Fachkräfteengpässe in einigen Bereichen gesunken. Mittlerweile hat sich der Arbeitsmarkt erholt, sodass Unternehmen wieder mehr Arbeitskräfte nachfragen und Stellen ausschreiben. Die Stellenzuwächse verschlechtern z. T. die Engpassrelation, sodass weniger qualifizierte arbeitslose Personen auf eine definierte Anzahl an Stellen kommen. In einigen Bereichen gibt es trotz eines Rückgangs offener Stellen Personalengpässe. Besonders ausgeprägt sind diese im Bereich Pflege.

Quelle Foto: © Daniel Ernst / Adobe Stock

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