Trend-Studie: Immer mehr junge Menschen in der Zeitarbeit

verfasst von zvoove, 09.07.2019
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Niederschwelliger Zugang zum Arbeitsmarkt 

Immer mehr Menschen legen ihre Scheu vor einer Anstellung in der Zeitarbeit ab. Vor allem junge Menschen haben Erfahrung mit dem Modell Arbeitnehmerüberlassung: Über ein Drittel der Beschäftigten zwischen 30 und 39 Jahren war bereits in der Zeitarbeit tätig, so eine aktuelle Arbeitsmarktbefragung im Auftrag des Personaldienstleistungsunternehmens Orizon. Ein Viertel der unter 20-Jährigen gab an, schon einmal als Zeitarbeitskraft im Einsatz gewesen zu sein. Im Vergleich zu 2018 stieg die Anzahl der jungen Zeitarbeitnehmer bis 30 Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig: Gerade jungen Leuten bietet die Branche eine Möglichkeit, verschiedene Berufsbereiche auszuprobieren und Arbeitgeber kennenzulernen. Über die Zeitarbeit werden sie in einem passenden Unternehmen tätig und sammeln Berufserfahrung. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt kann dadurch erleichtert werden. Für erfahrenere Arbeitnehmer kann die Zeitarbeit als Chance für einen reibungslosen Wiedereinstieg dienen – etwa nach einer längeren familiären Auszeit. Arbeitnehmer steigern ihre Beschäftigungsfähigkeit und stellen Arbeitsmarktnähe her. 

Über ein Viertel der 40- bis 49-Jährigen und über ein Fünftel der 50- bis 59-Jährigen waren bereits als Zeitarbeitskraft beschäftigt. Bei den **über 60-Jährigen **sind die Zahlen mit knapp 15 % im Vergleich zu 2018 leicht rückläufig. Auch das Modell Personalvermittlung erfreut sich wachsender Beliebtheit: Laut Arbeitsmarktbefragung haben mehr als ein Fünftel der Befragten eine Anstellung über einen Personalvermittler gefunden. Bei den 20- bis 39-Jährigen sind es sogar ein Drittel.

Unternehmen greifen z. B. auf die Personalvermittlung zurück, wenn ihre Kernkompetenz nicht im Personalwesen liegt oder der Recruiting-Aufwand zu hoch wäre. Die Zeitarbeit ist für Arbeitgeber ein Flexibilisierungsinstrument: Die Wirtschaft nutzt das Modell Arbeitnehmerüberlassung, um Personalengpässe zu vermeiden und die Stammbelegschaft zu entlasten. Gerade in Zeiten von Fachkräfteengpässen federt die Zeitarbeit Personalvakanzen ab, indem sie Unternehmen passende Mitarbeiter zur Verfügung stellt.

Wer arbeitet in der Zeitarbeit?

Insgesamt ist die Zahl der Zeitarbeitnehmer gestiegen: Langfristig verzeichnet sich trotz partieller Rückgänge (z. B. infolge von Gesetzesumstellungen oder schlechter Konjunktur) ein Aufwärtstrend. Laut Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit beträgt der Anteil der Zeitarbeitskräfte an der Gesamtbevölkerung etwa 3 % – der Großteil davon ist sozialversicherungspflichtig und in Vollzeit beschäftigt. Zwischen 2017 und 2018 waren etwa 1 Millionen Menschen als Zeitarbeitnehmer tätig. Mit 71 % ist der Großteil der Beschäftigten männlich. Eingesetzt werden sie vor allem in der Produktion (42 %) oder in sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (32 %). Langfristig zeichnet sich ein Trend in Richtung Dienstleistungsberufe ab, wohingegen die Anzahl der Beschäftigten im Produktionsbereich zurückgeht. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung findet ein größerer Teil an Ausländern eine Anstellung in der Zeitarbeit (68 %). 

Auch die Anzahl der Menschen ohne Berufsabschluss ist mit knapp einem Drittel in der Zeitarbeit höher als bei den Gesamtbeschäftigten – dies zeigt, dass die Zeitarbeit Menschen eine Chance bietet, die es sonst auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben. Für Geflüchtete etwa, kann die Zeitarbeit als wichtiger Integrationsmotor fungieren. Rund zwei Drittel der Zeitarbeitnehmer verfügen über einen anerkannten Berufsabschluss. Etwa ein Drittel der Zeitarbeiter arbeitet als Fachkraft. Mit 55 % ist der Anteil an Helfertätigkeiten in der Zeitarbeit vergleichsweise hoch. Die Entlohnung beschränkt sich dabei i. d. R. nicht auf den Mindestlohn: Dies hat kürzlich die Antwort des Landtags von Baden-Württemberg auf eine Kleine Anfrage ergeben. Der Lohn für ungelernte Hilfskräfte ist in der Zeitarbeit höher als der gesetzliche Mindestlohn. 

Laut Landesministerium reiche auch der Mindestlohn von 9, 19 Euro pro Stunde in der Regel aus, um als alleinstehende Person mit Vollzeitbeschäftigung seinen Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten. Mit der** Equal Pay** Regelung, die im Rahmen der AÜG-Reform gesetzlich verankert wurde, haben Zeitarbeitskräfte nach 9 Monaten ununterbrochener Einsatzzeit im selben Kundenunternehmen Anspruch auf einen gleichwertigen Lohn wie Stammbeschäftigte. Zudem existieren je nach Branche Branchenzuschläge, die eine sukzessive Annäherung der Entgelte bezwecken.

 

Fazit

Der Anteil jüngerer Menschen in der Zeitarbeit ist gestiegen: Immer mehr Millennials haben Berührungspunkte mit dem Modell Arbeitnehmerüberlassung oder nehmen Angebote von Personalvermittlern in Anspruch. Die Zeitarbeit bietet einen niederschwelligen Zugang zum Arbeitsmarkt, so dass Berufseinsteiger schnell erste Berufserfahrung sammeln und sich mit Arbeitgebern vernetzen können. Menschen, die Schwierigkeiten haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, bietet die Branche eine Einstiegsmöglichkeit (z. B. Geflüchteten oder Menschen ohne Berufsabschluss). Auch die Personalvermittlung erfreut sich wachsender Beliebtheit: Personalvermittler erleichtern Bewerbern die Jobsuche, indem sie passende Kandidaten mit Unternehmen matchen. Oft verfügen Dienstleister im Personalwesen über langjährige Recruiting-Erfahrung und sind mit Arbeitgebern sehr gut vernetzt. Sie kennen die Anforderungen und Kultur der Unternehmen und können Arbeitgeber mit den richtigen Bewerbern zusammenbringen. Für Unternehmen erfüllt die Zeitarbeit eine wichtige **Flexibilisierungsfunktion: **Personalvakanzen lassen sich kurzfristig decken und Auftragsspitzen abfangen. Vor allem Helfertätigkeiten spielen in der Zeitarbeit eine große Rolle, aber auch Fachkräfte (ca. ein Drittel) und Experten werden eingesetzt.

Quelle Foto: JackF © / Fotolia

 

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