Der Arbeitsmarkt erholt sich: Weniger Arbeitslose & mehr Zeitarbeiter

verfasst von zvoove, 16.02.2022
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht Erstmals seit August 2021 ist der IAB-Arbeitsmarktbarometer leicht angestiegen

IAB-Arbeitsmarktbarometer im Januar 2022: Leichter Anstieg

Erstmals seit August 2021 ist der IAB-Arbeitsmarktbarometer leicht angestiegen: Im Januar 2022 misst das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen Frühindikator von 102,3 Punkten und liegt damit im positiven Bereich. Im Vergleich zur letzten IAB-Messung steigt das Barometer um 0,6 Punkte auf insgesamt 102,3:

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer im Januar 2022

Trotz sehr hoher Infektionszahlen mit Corona (deutschlandweit 12,8 Millionen Fälle, Stand 16.02.2022) scheint sich die Situation auf dem Jobmarkt zu verbessern. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bestätigen diesen Trend: Der Arbeitsmarkt hat fast wieder das Niveau von vor der Pandemie erreicht. Im Januar 2022 waren 2,46 Millionen Menschen arbeitslos, also rund 439.000 weniger als im Januar 2020.

Arbeitsmarkt erholt sich trotz Pandemie

Ein möglicher Auslöser für diese Verschnaufpause könnten die etwas hoffnungsvolleren Erwartungen sein: Experten gehen davon aus, dass trotz der hohen Infektionszahlen keine zusätzlichen Eindämmungsmaßnahmen nötig sein werden. Diese Vermutungen bekräftigte auch der Beschluss nach der Bund-Länder-Runde Mitte Januar. Darin einigte man sich vorerst auf eine Beibehaltung der aktuellen Corona-Maßnahmen. Nur einen Monat später geht die Regierung bereits einen Schritt weiter: Kanzler und Länderchefs beraten heute (16.02.) über eine Corona-Exit-Strategie, die einen konkreten Öffnungsfahrplan für das Frühjahr beinhaltet.

Über das IAB-Arbeitsmarktbarometer

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen Arbeitsagenturen. Es besteht aus 2 Komponenten:

  • Komponente A prognostiziert die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten 3 Monate.
  • Komponente B dient der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung.

Der Mittelwert beider Komponenten bildet den Gesamtwert des IAB-Arbeitsmarktbarometers. Damit gilt es als Frühindikator für die Beschäftigungsentwicklung, seine Skala reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

Mutmaßlicher Beschäftigungszuwachs 2022

Die Komponente A (Arbeitslosigkeit) ist im Vergleich zum Dezember 2021 um 0,5 Punkte auf 99,7 angestiegen. An der Arbeitslosigkeit wird sich in den nächsten Monaten demnach nicht viel ändern. Komponente B (Beschäftigung) lässt mit ihrem Anstieg in demselben Vergleichszeitraum um 0,6 Punkte auf 104,8 einen Beschäftigungszuwachs in 2022 vermuten. Enzo Weber, leitender Mitarbeiter beim IAB, vermutet: „Im Herbst war die Wirtschaft durch die Delta-Welle und Lieferengpässe belastet. Die Engpässe könnten sich aber langsam entschärfen.“

BA Beschäftigungsstatistik zur Zeitarbeit

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlichte in ihrem Halbjahresbericht vor Kurzem Zahlen zur Beschäftigung in der Zeitarbeit. Dieser wertet das erste Halbjahr 2021 aus – bis einschließlich 30.06.2021. Demnach gab es im Juni 2021 834.000 Zeitarbeitnehmer, das sind ca. 84.000 mehr als im Juni 2020 (+ 11,5%). Mit 71-prozentigem Anteil sind auch weiterhin deutlich mehr Männer in dieser Branche beschäftigt als Frauen. Auch ausländische Zeitarbeitnehmer sind mit 40% überdurchschnittlich stark in der Arbeitnehmerüberlassung vertreten. Der Anteil der Zeitarbeitnehmer in der Gesamtbeschäftigung beträgt 2,2% und mehr als die Hälfte von ihnen sind als Hilfskräfte tätig (56%). Die Anzahl aller Verleihbetriebe liegt bei ca. 48.000 (-1,8%), während die Zahl der Verleihbetriebe mit Schwerpunkt Arbeitsnehmerüberlassung ca. 11.000 beträgt (-2,4%). Die Kurzarbeiterquote lag im letzten Betrachtungsmonat September 2021 in der Zeitarbeit bei 3,1% (Gesamtwirtschaft: 2,3%).

Pay Gap in der Zeitarbeit-(Statistik)

Seit der AÜG Reform 2017 und dem darin geregelten Equal Pay kritisiert der iGZ immer wieder den pauschalen Entgeltvergleich zwischen Stammbeschäftigten und Zeitarbeitern: Die Equal Pay Regelung besagt, dass Zeitarbeitnehmer nach neunmonatigem Einsatz im Entleihbetrieb das gleiche Entgelt wie die Stammbelegschaft erhalten müssen. Der iGZ argumentiert, dass der vorausgehende Entgeltvergleich zu undifferenziert sei. In der Zeitarbeit sind z.B. deutlich mehr Hilfskräfte beschäftigt (56%). Vergleicht man also das Gehalt eines geringqualifizierten Zeitarbeitnehmers mit dem eines akademischen Stammbeschäftigten, so ergeben sich natürlich enorme Abweichungen. Hinzu kommt, dass viele Zeitarbeitnehmer jünger als 35 sind, während das Alter der Stammbeschäftigten häufig darüber liegt und diese daher automatisch mehr verdienen. Im Jahr 2017 ergab sich aufgrund dieser Faktoren ein Pay Gap (=Entgeltdifferenz) von 1.392€: Zeitarbeiter erhielten demnach durchschnittlich 1.868€ und alle anderen ca. 3.260€.

Hier erfährst Du mehr dazu, wie aussagekräftig der Pay Gap in der Zeitarbeit ist

BA ergänzt bereinigten Pay Gap in Statistik

Solch ein unbereinigter Pay Gap ist kaum aussagekräftig – was der iGZ zuletzt immer wieder kritisierte. Deutlich mehr Substanz dürften Vergleiche zur Entlohnung von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten haben, wenn es gelänge, den Einfluss oben benannter Faktoren herauszurechnen. Genau das hat die BA in ihrer jüngsten Statistik nun getan und ergänzte den bereinigten Pay Gap. Dieser lag im ersten Halbjahr 2021 bei 17%, während der unbereinigte 43% betrug. Diese massiven Abweichungen bestätigen die Kritik des Branchenverbandes.

Fazit

Der Arbeitsmarkt fängt sich – und könnte trotz der bislang höchsten Coronawelle stabil bleiben. Die derzeitige Hospitalisierungsrate mit ca. 6,04 (Stand 16.02.) liegt deutlich unter der um die Weihnachtszeit 2020, damals betrug die Rate 15. Diese Entwicklungen machen Hoffnungen darauf, dass verschärfte Eindämmungsmaßnahmen nicht nötig sind und die Wirtschaft keine weiteren Einbrüche erleidet. Die um 11,5% gestiegene Anzahl der Zeitarbeitnehmer ist auf die damit verbundene Flexibilität für Unternehmen zu erklären. Bei volatilen Marktsituationen wie der Corona-Pandemie ist die Arbeitnehmerüberlassung ein beliebtes Instrument, um die betriebliche Wirtschaftlichkeit beizubehalten.

Quelle Foto: © Björn Wylezich / Adobe Stock

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