Frauen in der Zeitarbeit

verfasst von zvoove, 08.03.2019
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Frauenpower in der Zeitarbeitsbranche 

Ein typischer Zeitarbeitnehmer ist jung, männlich und arbeitet als Helfer oder Fachkraft. Der Männeranteil liegt mit 71 % im gleitenden Jahresdurchschnitt deutlich über der Anzahl weiblicher Beschäftigter: Durchschnittlich** 730.000 Arbeitnehmer** und **305.000 Arbeitnehmerinnen **waren von Juni 2017 bis Juli 2018 als Zeitarbeitskräfte beschäftigt. In der Gesamterwerbsbevölkerung ist das Verhältnis mit einem Frauenanteil von 48 % beinahe ausgeglichen. Ein Grund für das unausgeglichene Geschlechterverhältnis in der Zeitarbeit sind die Einsatzbereiche: Ein Großteil der Arbeitskräfte wird im Produktionsbereich eingesetzt – typischerweise eher eine Männerdomäne. Die Hälfte der männlichen Zeitarbeitnehmer ist in der Produktion tätig, ein Drittel in sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen. Unter den weiblichen Arbeitskräften sind die Dienstleistungsberufe vorherrschend: An der Spitze stehen personenbezogene Dienstleistungsberufe (27 %), dicht gefolgt von wirtschaftlichen (26 %) sowie kaufmännischen und unternehmensbezogenen Dienstleistungsberufen (24 %). Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele für solche allgemeinen Trends. Es lässt sich nicht pauschalisieren, dass weibliche Arbeitskräfte für Dienstleistungs- und männliche für Produktionstätigkeiten geeigneter sind. In der Tendenz sind sowohl Frauen- als auch Männeranteil in der Zeitarbeit mit 1 % bzw. 3 % im gleitenden Jahresdurchschnitt gestiegen. Weiterhin zeigt sich eine Entwicklung hin zu Dienstleistungsberufen: Insbesondere der wirtschaftliche Dienstleistungsbereich verzeichnete ein Plus an Arbeitskräften (+ 4 %), bei den personenbezogenen Dienstleistungen zeigt sich ein Zuwachs von 5 %.

 

Warum entscheiden sich Frauen für die Zeitarbeit? 

Das Modell Zeitarbeit unterscheidet sich von einem klassischen Vollzeitarbeitsverhältnis, weist aber auch Parallelen auf: Die Zeitarbeitnehmerin ist über einen regulären Arbeitsvertrag bei einem Personaldienstleister oder einer Zeitarbeitsfirma angestellt – meist unbefristet. Sie hat Anspruch auf Leistungen der Renten- und Krankenversicherung, der Pflegeversicherung und der Unfallversicherung, erhält Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub. Über den Arbeitgeber (Verleiher) wird sie in einem passenden Entleihunternehmen eingesetzt. Dies erfolgt in der Regel mit Betreuung und unter Einarbeitung. Die Zeitarbeit ist eine Möglichkeit nach längerer **Auszeit aus dem Beruf **wieder im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Der Einsatz in einem oder mehreren Unternehmen ermöglicht es, Berufserfahrung zu sammeln, Qualifikationen aufzufrischen und Kontakte zu knüpfen. Für einige ist die das Modell Arbeitnehmerüberlassung eine Übergangslösung, die den Berufseinstieg oder -wiedereinstieg erleichtert – z. B. durch dauerhafte Übernahme im Einsatzunternehmen (Klebeeffekt). Andere entscheiden sich für eine Anstellung in der Zeitarbeit, da diese Flexibilität bietet und eine Möglichkeit darstellt, verschiedene Arbeitsbereiche und -umfelder kennenzulernen. Der Einsatz in unterschiedlichen Unternehmen bietet Abwechslung und die Zeitarbeitskraft kann breites Erfahrungswissen sammeln. Ein Wechsel in die Zeitarbeit kann durch bessere Arbeitsbedingungen motiviert sein. Im Pflegebereich etwa berichten Zeitarbeitnehmerinnen, mehr Einfluss auf ihre Einsatzzeiten zu haben und Arbeits-/Schichtzeiten mitbestimmen zu können. Eine alleinerziehende Pflegefachkraft könnte beispielsweise bestimmte Schichten ausklammern, um Arbeits- und Familienleben besser vereinbaren zu können. Qualifikationen wie ein berufsbegleitendes Studium lassen sich mit einem geregelten Arbeitsplan besser vereinbaren.

 

 

 

Weibliche Führungskräfte in Zeitarbeitsunternehmen, Wirtschaft und Politik

Nach Angaben des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP) sind **Frauen in Zeitarbeitsfirmen häufig in Führungspositionen **vertreten: Der Frauenanteil in der Führung liegt bei über 50 %, darunter Geschäftsführerinnen (51 %), Abteilungsleiterinnen (55 %), Niederlassungsleiterinnen (57 %) sowie Inhaberinnen (35 %). In der Gesamterwerbsbevölkerung sind Frauen im Schnitt weniger in Führungspositionen repräsentiert als Männer – bei gleichen Qualifikationen und Führungskompetenzen. 2017 waren in Deutschland weniger als ein Drittel der Führungspositionen von Frauen besetzt (Statistisches Bundesamt). Im EU-Vergleich landete Deutschland damit im unteren Drittel. Spitzenreiter war Lettland mit 46 % Frauen in Führungspositionen. Im **deutschen **Bundestag liegt der Frauenteil bei etwa 30,7 % und ist im Vergleich zu 2013 (36,3 % weibliche Abgeordnete) zurückgegangen. In Schweden liegt der Frauenanteil bei 46 %, in Frankreich bei 40 % – dort wurde ein Paritätsgesetz verabschiedet, wonach Frauen und Männer abwechselnd auf der Kandidatenliste zu berücksichtigen sind. Der Frauenanteil variiert je nach Branche: So finden sich im Erziehung-, Gesundheitsbereich und Sozialwesen vergleichsweise viele Frauen in Führungspositionen, weniger dagegen im Baugewerbe oder im Produktionsbereich. Seit 2016 gilt eine gesetzliche Frauenquote von 30 % in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen. Wie das Handelsblatt berichtet, werden derzeit mögliche Sanktionen diskutiert, wenn Zielgrößen ohne triftige Gründe nicht erfüllt werden.

 

 

 

Ungenutztes Erwerbspotenzial 

Höhere Chancengerechtigkeit ermöglicht eine bessere Ausschöpfung des Erwerbspotenzials und eine Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts: Bis 2025 ist eine BIP-Steigerung von 12 % (422 Milliarden Euro) gegenüber der Basisprognose möglich (Initiative Chefsache). Die Erwerbsquote von Frauen liegt derzeit unter der von Männern. Für den BIP-steigernden Aufholeffekt müssten bis 2025 1,7 Millionen Frauen zusätzlich zur Verfügung stehen, mit einer bezahlten Wochenarbeitszeit von 32,5 Stunden statt wie bisher 30,5. Zudem lässt sich das Bruttoinlandsprodukt durch einen Diversitätsbonus positiv beeinflussen. Eine Analyse der „Initiative Chefsache“ fand einen Zusammenhang zwischen dem Anteil an Frauen in Führungs­gremien und dem Unternehmens­erfolg. Dax-Unternehmen mit hoher Diversität erreichen gegenüber Vergleichsunternehmen höhere Margen (11, 2 % vs. 7, 8 %). Der Diversity-Faktor kann viele Vorteile haben, z. B. eine positive Auswirkung auf das Arbeitgeberimage und eine Erhöhung von Innovation, Kreativität und Problemlösungskompetenzen. 

 

Fazit

Der Anteil an Frauen in der Zeitarbeit liegt unter dem Männeranteil, was sich hauptsächlich auf den hohen Anteil an Produktionstätigkeiten zurückführen lässt. Frauen sind eher im Dienstleistungsbereich repräsentiert. Der Anteil an weiblichen Führungskräften in Zeitarbeitsfirmen ist mit über 50 % vergleichsweise hoch. Eine Erhöhung der Erwerbsquote von Frauen sowie der Anzahl weiblicher Führungskräfte bietet Möglichkeiten, ungenutztes Potenzial auszuschöpfen, was sich u. a. positiv auf das BIP auswirken kann.

Quelle Foto: © pressmaster / Fotolia

 

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