Fachkräfteeinwanderungsgesetz: Potenzial der Zeitarbeit bleibt ungenutzt

verfasst von zvoove, 10.05.2019
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Die Fachkräftelücke schließen

Der demographische Wandel ist eine Herausforderung für die Fachkräftesituation in Deutschland. Bis 2060 soll die Zahl der erwerbsfähigen Personen zwischen 20 und 65 Jahren laut BMWi um über 10 Millionen sinken. Im Februar titelte der Tagesspiegel, dass Deutschland bis 2060 jährlich 260.000 Zuwanderer benötige, um den Arbeitskräftebedarf zu decken. Rund eine Millionen Stellen waren zu diesem Zeitpunkt vakant. Die EU allein kann den Zuwanderungsbedarf laut Bertelsmann-Studie nicht decken: 114.00 Zuwanderer aus EU-Ländern werden erwartet. Die restlichen Arbeitskräfte zur Deckung des Zuwanderungsbedarfs stammen aus dem Nicht-EU Ausland. Höchste Zeit, das Fachkräfteeinwanderungsgesetz zu verabschieden. Mit dem Gesetzentwurf legt die Bundesregierung eine Antwort auf die Fachkräftelücke vor. Der Regierungsentwurf soll die **Anwerbung von Arbeitskräften aus Drittländern **erleichtern. Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern sollen künftig einen besseren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt haben. Ein großes Manko hat der Entwurf: Die Zeitarbeitsbranche mit ihrem wichtigen Rekrutierungs- und Vermittlungs-Know-how bleibt außen vor. Eine geplante Sonderregelung schließt den Wirtschaftsmotor Zeitarbeit aus: Drittstaatenangehörige dürfen keine Stelle in der Zeitarbeit annehmen. Für sie bleibt der Zugang zum Arbeitsmarkt Zeitarbeit bis auf einige Ausnahmen im hochqualifizierten Bereich verschlossen.

 

Zeitarbeit bleibt ausgeschlossen

Damit stellt sich die Bundessregierung selbst ein Bein angesichts des Ziels, den Arbeitskräftebedarf schnellstmöglich und nachhaltig zu decken. BAP-Präsident Sebastian Lazay kritisiert, dass die Politik das wichtige Potenzial der Branche nicht nutzt: Personaldienstleister und Zeitarbeitsfirmen verfügen über langjährige Erfahrung und Expertise in der Rekrutierung und Vermittlung von Arbeitskräften. Sie übernehmen eine wichtige Vermittlungsfunktion zur Deckung der Arbeitskräftenachfrage ihrer Kunden. Viele **kleine und mittelständische Unternehmen **(KMU) haben mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen: Oft verfügen sie weder über große Personalabteilungen noch über ein mit Großunternehmen vergleichbares HR-Budget. Verleihunternehmen bieten gerade diesen Unternehmen eine wichtige Hilfestellung bei der Suche nach passenden Arbeitskräften. Die Arbeitnehmer erhalten eine Perspektive, sammeln Berufserfahrung und erhöhen ihre Berufschancen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Insbesondere IT-Fachkräften aus dem Ausland, die häufig auf Projektbasis oder kurzfristig gebraucht werden, bietet die Branche langfristige Berufsperspektiven. Dass die Zeitarbeit eine entscheidende Integrationsleistung übernimmt, belegen Zahlen zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen: Zwischen Oktober 2017 und September 2018 generierte sie rund ein Drittel aller Beschäftigungsaufnahmen aus den Hauptasylherkunftsländern. Zwar ist die Zeitarbeit vor allem als Helferbranche bekannt, doch ist rund ein Drittel der Zeitarbeitnehmer als Fachkraft tätig (BA-Arbeitsmarkbericht „Aktuelle Entwicklungen in der Zeitarbeit“). Bereiche mit hohem Fachkräftebedarf wie die Automobilindustrie, Maschinenbau und Elektrotechnik gehören laut Lünendonk-Branchenstudie 2017 zu den größten Einsatzbereichen der Zeitarbeit mit einem großen Anteil ausländischer Arbeitskräfte, so der iGZ.

Die Sonderregelung im Gesetzentwurf verschließt die Möglichkeit, diese Integrationsleistung für Zuwanderer zu realisieren und zur Deckung des Arbeitskräftebedarfs beizutragen. Auf dem Spiel steht eine adäquate Deckung des Zuwanderungsbedarfs, die bei Verfehlung zu einem Wachstumshemmnis werden kann: Laut DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2019 behindern Fachkräfteengpässe das Unternehmenswachstum. 61 % der Unternehmen bewerten dies als Geschäftsrisiko. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet für 2019 mit einem Wachstum von 0,9 % und korrigiert damit die Vorjahrsprognose von 1,7 % nach unten.

Kurz und knapp: diese Regelungen sind geplant

Der Fachkräftebegriff wird mit dem Entwurf näher definiert. Sowohl Hochschulabsolventen als auch Beschäftigte mit qualifizierter Berufsausbildung aus dem Nicht-EU-Ausland sollen in Deutschland einen Job annehmen können. Dies ist nicht auf Mangel- oder Engpassberufe beschränkt. Angesichts der deutlichen Erhöhung der Engpassberufe soll grundsätzlich auf die Vorrangprüfung verzichtet werden: Es muss nicht geprüft werden, ob sich ein deutscher oder EU-Bürger für eine Vakanz findet. Der Entwurf behält jedoch die Möglichkeit vor, die Vorrangprüfung kurzfristig wieder einzuführen, um auf Arbeitsmarktveränderungen zu reagieren. Die Arbeitsplatzsuche soll durch **befristete Einreise **erleichtert werden: Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und ausreichend Deutschkenntnisse vorweisen, dürfen bis zu 6 Monaten für die Stellensuche in Deutschland bleiben. Diese Regelung wird zunächst für 5 Jahre erprobt. Der Aufenthalt für Qualifizierungsmaßnahmen soll erleichtert werden, um dafür zu sorgen, dass ausländische Ausbildungsabschlüsse die Anforderungen für eine Anerkennung erfüllen.

 

Fazit

Der Entwurf zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz liegt vor: Die Bundesregierung will die Einwanderung von Arbeitskräften aus Drittstaaten erleichtern. Nicht nur Akademiker, sondern auch Fachkräfte mit qualifizierter Berufsausbildung sollen ein Arbeitsangebot in Deutschland annehmen können. Die Jobsuche wird durch die Möglichkeit einer befristeten Einreise erleichtert: Menschen, die ihren Lebensunterhalt selbständig bestreiten und ausreichend Deutschkenntnisse vorweisen, haben für die Arbeitsplatzsuche 6 Monate Zeit. Eine Nachqualifizierung soll ebenfalls erleichtert werden, um ausländische Berufsabschlüsse in Deutschland anerkennbar zu machen. Das Gesetz soll dazu beitragen, die Fachkräftelücke in Deutschland zu schließen und den Zuwanderungsbedarf zu decken. Dazu wurden u. a. die Beschränkung auf Engpassberufe sowie die Vorrangprüfung aufgehoben. Ausgeschlossen von dem Gesetz bleibt derzeit die Zeitarbeit: Angehörige aus Drittstaaten dürfen bis auf wenige Ausnahmen im hochqualifizierten Bereich keine Stelle in der Zeitarbeit annehmen. Dadurch bleibt das Potenzial der Branche ungenutzt: Personaldienstleister und Zeitarbeitsunternehmen übernehmen wichtige Rekrutierungs- und Vermittlungsfunktionen. Als Wirtschafts- und Integrationsmotor eröffnen sie Arbeitskräften eine Perspektive und unterstützen Unternehmen, die händeringend nach Fachkräften suchen. 

Quelle: © Syda Productions / Fotolia

 

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