Aktuelles zur Fachkräftesituation in Deutschland

verfasst von zvoove, 22.03.2018
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Top-Risiko Fachkräftemangel

Es sind ernüchternde Zahlen: Für rund 60 % der Unternehmen ist der Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Wie es um die Personalsituation in der Bundesrepublik steht, hat der DIHK-Arbeitsmarktreport 2018 untersucht: Etwa 1,6 Millionen Stellen können deutsche Unternehmen nicht besetzen, weil es an Fachkräften mangelt. Das bekommt jeder zweite Arbeitgeber zu spüren: Rund 48 % der Befragten können Vakanzen langfristig nicht füllen. Nur rund jedes fünfte Unternehmen hat nicht mit Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung zu kämpfen. Interessant ist der Vergleich zum Fachkräftereport aus dem Vorjahr: Die Stellenbesetzungsprobleme sind im Vorjahresvergleich um 11 % gestiegen. Die Fachkräfteengpässe stellen nicht nur ein Risiko für die Geschäftsentwicklung dar, sondern haben auch andere Konsequenzen wie die** Mehrbelastung der Belegschaft**: Fast drei Viertel der Unternehmen rechnen damit, dass ihre Mitarbeiter aufgrund des Personalmangels stärkere Arbeitsbelastungen schultern müssen. Fast die Hälfte der Unternehmen kann die Auftragslage nicht vollständig abdecken und muss Aufträge ablehnen oder Angebote einschränken. Auch die Innovationsfähigkeit der Unternehmen leidet unter der schlechten Personalsituation – das beteuern 50 % der Befragten. Eine mögliche Folge der Innovationszurückhaltung: ein Verlust von Wachstums-/Produktivitätspotenzialen.

 

Welche Branchen sind besonders betroffen?

  • Zeitarbeitsbranche: Zeitarbeitsunternehmen helfen häufig dort aus, wo Stellenbesetzungsschwierigkeiten bestehen: Sie stellen einen Zeitarbeitnehmer, der temporär im Einsatzunternehmen arbeitet und beim Verleiher (Personaldienstleister, Zeitarbeitsfirma) über einen Arbeitsvertrag angestellt ist. Oft stehen sie vor der Herausforderung, passende Mitarbeiter in Branchen zu finden, die stark von Fachkräfteengpässen betroffen sind. Rund** 83 %** der Zeitarbeitsunternehmen haben Schwierigkeiten damit, ihre Stellen zu besetzen. 
  • Sicherheitswirtschaft: In der Sicherheitswirtschaft fällt es über zwei Drittel der Unternehmen schwer, qualifizierte Mitarbeiter zu rekrutieren.
  • Gesundheits- und Sozialdienstleister: Etwas weniger als zwei Drittel der Unternehmen im Bereich Gesundheit und Soziales können ihre Stellen nur schwer besetzen.
  • Straßengüterverkehr: 63 % der Unternehmen im Straßengüterverkehr haben Schwierigkeiten bei der Besetzung von Vakanzen.
  • Gastgewerbe: Im Gastgewerbe sind 62 % der Unternehmen von Stellenbesetzungsschwierigkeiten betroffen.
  • Baubranche: 61 % der befragten Unternehmen aus der Baubranche berichten über Stellenbesetzungsprobleme – das sind 12 % mehr als im Vorjahr. Keine Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung haben nur 13 % der Unternehmen. Die Fachkräftenachfrage in der Branche ist hoch, u. a. wegen der guten Konjunktur: 2017 betrug der Umsatz im Bauhauptgewerbe 114 Milliarden Euro.
  • Industrie:** 50 %** der Industrieunternehmen haben Schwierigkeiten damit, qualifizierte Stellenanwärter zu finden – bei Unternehmen in der Industriegüterproduktion sind es sogar noch 5 % mehr. Damit verzeichnen sie im Vergleich mit anderen Wirtschaftszweigen ein hohes Plus im Vorjahresvergleich (+ 14 %). Gleichzeitig ist der Personalbedarf besonders hoch: Nur 24 % der Unternehmen sind derzeit nicht auf der Suche nach Mitarbeitern.
  • Dienstleistung: Nur unwesentlich geringer sind die Stellenbesetzungsschwierigkeiten im Bereich Dienstleistungen:** 48 %** der Unternehmen haben Probleme damit, passende Arbeitnehmer zu rekrutieren.
  • Handel: Im Handel berichtet über ein Drittel der Unternehmen über Probleme bei der Besetzung von Vakanzen. Der Personalbedarf ist nicht ganz so hoch wie z. B. in der Industrie: 41 % verzeichnen keinen Personalbedarf.
  • weitere Branchen: hochwertiger Maschinenbau (61 %), Ingenieurdesign (58 %), IT-Dienstleister (56 %), Werkzeugmaschinenbauer und Betriebe im Bereich Reparatur und Installation (68 %).

Aber nicht nur zwischen Branchen unterscheidet sich das Ausmaß der Stellenbesetzungsschwierigkeiten: Einzelne Regionen haben in unterschiedlichem Maße mit der Stellenbesetzung zu kämpfen. Im Süden berichten mehr als die Hälfte der Befragten über Rekrutierungsprobleme, gefolgt von den ostdeutschen Bundesländern mit 48 %. Auch im Norden und Westen sind die Zahlen mit 46 % und 42 % nicht wesentlich geringer. 

 

Warum suchen Unternehmen Fachkräfte?

Der demografische Wandel spielt eine große Rolle bei der Veränderung des Fachkräftebedarfs: Laut Angaben des Statistischen Bundesamts sinkt der Anteil der Erwerbsfähigen im Alter von 20 bis 64 Jahren auf 34 bis 38 Millionen bis zum Jahr 2060 – je nach Stärke der Zuwanderung. Etwas erholt hat sich das Erwerbspersonenpotenzial durch die hohen Zuwanderungszahlen und die stärkere Integration von Frauen und älteren Menschen in den Arbeitsmarkt. Mit ihrem Konzept der Fachkräftesicherung konnte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schon einige Fortschritte verzeichnen. Für fast 60 % der Unternehmen ist das** Ausscheiden älterer Arbeitnehmer** eines der Hauptgründe für die Personalsuche – besonders betroffen sind z. B. der Personennahverkehr (87 %), Industrie (75 %) und Bau (70 %). Für Dienstleister spielt das Motiv der Arbeitskräftefluktuation eine größere Rolle. Insgesamt suchen 39 % der Unternehmen aufgrund von Fluktuation nach neuem Personal, im Gastgewerbe (67 %), in der Sicherheitswirtschaft (63 %) und im Bereich Gesundheits- und Sozialdienstleistungen (63 %) ist Fluktuation eines der Hauptgründe für die Personalrekrutierung. Für rund ein Drittel der Unternehmen sind gestiegene Qualifikationsanforderungen ein Hauptmotiv für die Personalsuche: Hier sind vor allem große Unternehmen betroffen (51 %) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleister (52 %) und die Pharmaindustrie (49 %). Etwa ein Drittel der Unternehmen strebt eine Personalerweiterung an und sucht deshalb nach Fachkräften – insbesondere IT-Dienstleister (61 %), Unternehmen aus dem Bereich Forschung und Entwicklung (57 %) und Zeitarbeitsunternehmen (54 %).

 

Maßnahmen zur Fachkräftesicherung

Welche Maßnahmen halten die befragten Unternehmen in puncto Fachkräftesicherung für sinnvoll? An erster Stelle stehen für über die Hälfte der Befragten die Stärkung der beruflichen Bildung und eine** bessere Ausbildung für Schulabgänger**. Über ein Drittel der Unternehmen sieht eine Chance darin, die Attraktivität des Standorts/der Region zu stärken. Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wünscht sich ein knappes Drittel der Befragten: Fast 30 % halten den Ausbau von Betreuungsangeboten (Kinderbetreuung, Ganztagsschule, Pflegeangebote) für sinnvoll. 28 % würden gerne bürokratische Hürden abbauen, um leichter** ausländische Fachkräfte** beschäftigen zu können.

 

 

Fazit

Rund 1,6 Millionen Stellen können Unternehmen laut DIHK-Arbeitsmarktreport 2018 nicht besetzen. Fast die Hälfte der Befragten hat Schwierigkeiten dabei, aktuelle Vakanzen zu füllen. Zu den Hauptgründen der Personalsuche gehören das Ausscheiden älterer Arbeitnehmer, die Fluktuation von Arbeitskräften, gestiegene Qualifikationsanforderungen und die Personalerweiterung. Als Maßnahmen zur Fachkräftesicherung wünschen sich Unternehmen u. a. eine Stärkung der beruflichen Bildung und der Attraktivität von Standorten sowie den Ausbau von Betreuungsangeboten. 

Quelle Foto: ©  industrieblick / Fotolia

 

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