Equal Pay: neue Umfrage unter Entscheidern

verfasst von zvoove, 13.10.2021
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht Equal Pay Umfrage: Entscheider sehen die Reform auch 5 Jahre nach ihrem Inkrafttreten kritisch

Geteilte Meinungen zu Equal Pay

Die AÜG-Reform vom 1. April 2017 hat für Unternehmen einen hohen Verwaltungsaufwand verursacht. Neue Regelungen wie die Höchstüberlassungsdauer und Equal Pay mussten einheitlich umgesetzt werden. Zunächst gab es viel Skepsis bezüglich der Neuerungen. Wie sieht es jetzt fast 5 Jahre nach der Reform aus? Nur 7 % der Entscheider aus der Zeitarbeitsbranche sind der Meinung, dass die Vorteile von Equal Pay überwiegen. Etwa die Hälfte sieht sowohl Vor- als auch Nachteile. Das ergab eine Befragung durch die Unternehmensberatung ES Edgar Schröder und index Research (Equal Pay in der Zeitarbeit).

Equal Pay: Top 3 Kritikpunkte

  • Bürokratie: Der größte Kritikpunkt an der Equal Pay Regelung ist der bürokratische Mehraufwand. Drei Viertel der befragten Entscheider sehen den Verwaltungsaufwand kritisch. Die erste Implementierung von Equal Pay ist zwar geschafft. Dennoch fällt für Unternehmen Mehraufwand an, der sich ohne Softwareunterstützung nur schwer umsetzen lässt. Kein Wunder, dass sich Entscheider mehr Einheitlichkeit wünschen: Drei Viertel der Befragten plädieren für einen bundesweit einheitlichen Erhebungsbogen.
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  • Begrenzte Einsatzdauer: 71 % kritisieren die begrenzte Einsatzdauer von 9 Monaten. Ist ein Zeitarbeiter in einem Entleihbetrieb über 9 Monate im Einsatz, wird Equal Pay (ab dem 10. Monat) fällig. Sprich: Der Zeitarbeiter erhält dasselbe Entgelt wie ein vergleichbarer Stammbeschäftigter. Eine Abweichung von der 9-Monats-Regel ist nur für tarifliches Equal Pay zulässig – d. h., wenn ein Branchenzuschlagstarifvertrag (Einsatzbranche) Anwendung findet.

  • Kundenvorbehalte: Auch auf Kundenseite herrscht Skepsis gegenüber den Equal Pay Regelungen. Rund zwei Drittel der befragten Entscheider befürchten Vorbehalte auf Kundenseite. Diese können vielfältig sein. Kunden haben u. U. keine Lust sich mit den Regelungen auseinanderzusetzen, fürchten eine Abwälzung möglicher Lohnerhöhungen auf den Stundenverrechnungssatz oder eine verkürzte Einsatzdauer.

Vorteil von Equal Pay

Einen Hauptvorteil von Equal Pay sehen Entscheider in der Imageverbesserung durch die Einführung von Equal Pay. Rund zwei Drittel meinen, dass Equal Pay das Image der Zeitarbeitsbranche aufwerten könnte.

Allerdings scheint es in der Öffentlichkeit eher untergegangen zu sein, dass es schon vor Equal Pay Regelungen zur sukzessiven Angleichung der Löhne von Zeitarbeitern und Stammbeschäftigten gab – die Branchenzuschläge. Durch Branchenzuschläge erhalten Zeitarbeiter einen Zuschlag auf ihren Tariflohn, um Lohndifferenzen zu Stammmitarbeitern auszugleichen. 70 % der befragten Entscheider präferieren Branchenzuschlagstarifverträge gegenüber Equal Pay.

Konkrete Umsetzung von Equal Pay

Laut Befragung durch die Unternehmensberatung ES Edgar Schröder werden 41 % der Helfer nach 9-monatigem Einsatz abbestellt. Bei Experten und Fachkräften sind es mit rund 25 % etwas weniger. Umgesetzt wird Equal Pay für ca. ein Fünftel der Fachkräfte, bei Helfern sind es 14 %. Interessant ist, dass rund 10 % der Fachkräfte und Helfer von Beginn an dasselbe Entgelt erhalten wie Stammbeschäftigte. 16 % der Fachkräfte und 12 % der Helfer erhalten sogar ein Entgelt, das von Beginn an höher ist als das vergleichbarer Stammmitarbeiter.

Einer von 10 Zeitarbeitern profitiert außerdem vom sogenannten Klebeeffekt – sprich: Er wird vom Verleihbetrieb nach spätestens 9 Monaten übernommen.

Equal-Pay Kritik auch durch Zeitarbeiter

Nicht nur Personaldienstleister und Zeitarbeitsfirmen haben die Schwachstellen der Reform erkannt. Schon früh zeigten auch Zeitarbeiter Skepsis gegenüber der AÜG-Reform. Auch sie bekommen die Auswirkungen zu spüren. Über die Hälfte gab in einer Orizon Studie von 2018 an, dass die Nachteile der Reform überwiegen. Sie befürchteten einen häufigeren Einsatzwechsel oder gar Jobverlust durch die Umstellungen. Außerdem bereiteten mögliche Gehaltsschwankungen im Rahmen der Einsatzwechsel Sorgen.
Mehr dazu in unserem Blog: Mitarbeiter zeigen Skepsis gegenüber der AÜG-Reform.

Wie geht es weiter mit Equal Pay?

2021 dürfte für die Zeitarbeitsbranche ein spannendes Jahr werden. Am 26. September wurden die Mehrheitsverhältnisse bei der Bundestagswahl neu gemischt. Dass die Parteien sich in ihrer Meinung zur Zeitarbeit zum Teil diametral unterscheiden, ist bekannt. Auch in puncto Equal Pay gehen die Meinungen auseinander.

Die Grünen fordern, dass Zeitarbeiter von Anfang an den gleichen Lohn wie Stammbeschäftigte plus Flexibilitätsprämie erhalten. Auch die SPD will Lohngleichheit von Tag 1 an durchsetzen. Die Linke will Zeitarbeit am liebsten vollständig verbieten. Bis dahin sollen Zeitarbeiter denselben Lohn wie Stammbeschäftigte plus Flexibilitätsprämie von 10 % bekommen. Die FDP spricht sich hingegen dafür aus, sperrige Sondervorschriften abzuschaffen, um unnötige Bürokratie zu vermeiden. CDU/CSU betonen die Wichtigkeit von Zeitarbeit als Flexibilisierungsinstrument und verweisen in ihrem Bundestagswahlprogramm auf die nahezu vollständige tarifvertragliche Regelung der Branche.

Fazit

Die AÜG-Reform hat seit ihrem Inkrafttreten am 1. April 2017 für viele Umstellungen gesorgt. Besonders zu Beginn war der Implementierungsaufwand groß. Aber auch knapp 5 Jahre nach Inkrafttreten der Reform beklagen viele Entscheider aus der Zeitarbeitsbranche den hohen Bürokratieaufwand. Die Bildung einer neuen Regierung und die Evaluation des Gesetzes dürften einige Erkenntnisse und Neuerungen für die juristische Grundlage mit sich bringen.

Quelle Foto: © NDABCREATIVITY / Adobe Stock

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