Neueste Zahlen zur Zeitarbeit: So entwickelt sich die Branche

verfasst von zvoove, 04.03.2020
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Schwächelt die deutsche Wirtschaft? 

Die Zahl der Zeitarbeiter ist zurzeit leicht rückläufig. Die Anzahl der gemeldeten Stellen aus der Branche ist ebenfalls zurückgegangen. Eine Ursache kann die abflauende Konjunktur sein. Entwicklungen in der Leiharbeit sind häufig ein Frühindikator für Konjunkturschwankungen. Aber auch andere Gründe sind möglich, z. B. höhere Übernahmequoten durch Entleiher. Wirtschaftsforscher prognostizieren für 2020 und 2021 jedoch ein deutliches Wirtschaftswachstum. Laut Zeit erreicht das Beschäftigungsniveau 2021 einen Höchststand. Schätzungen gehen von 45,6 Millionen Beschäftigten aus. Die Zahl der Arbeitslosen soll unter 2,2 Millionen sinken. Das Bruttoinlandsprodukt wird auf 1,1 % geschätzt. Im Folgejahr ist sogar von 1,5 % bis 1,6 % die Rede. Experten sprechen von einer Stabilisierung der Wirtschaft und erachten eine Rezession als unwahrscheinlich. Risiken für die Konjunktur werden vor allem in möglichen Handelskonflikten zwischen den USA, China und der EU verortet. Dies betrifft primär Exportunternehmen. Für Akteure im Binnenmarkt (z. B. aus der Baubranche) wird ein Wachstum erwartet.

 

Zahl der Zeitarbeiter leicht rückläufig 

Aktuell liegt die Anzahl der Zeitarbeitskräfte bei 896.000 (Statistik der Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt–Aktuelle Entwicklungen der Zeitarbeit). Im Jahresdurchschnitt 2019 waren es 948.000, ein Rückgang von 87.000 im Vergleich zum Vorjahr. In der Gesamtbevölkerung hingegen gab es ein Plus an Beschäftigten. Langfristig ist die Zahl der Zeitarbeiter jedoch gewachsen. Rückgänge sind meist die Folge von Konjunkturabschwächung oder gesetzlichen Regulierungen. Als Folge der AÜG-Reform vom 1. April 2017 gab es nach dem Peak im November (1, 08 Millionen) zunächst rückläufige Zahlen. Trotz der guten Beschäftigungsprognose für 2020, verliere das Beschäftigungswachstum laut Report an Schwung. Vor allem in der Produktion wird ein Rückgang prognostiziert. Ein Großteil der Leiharbeiter ist in diesem Bereich beschäftigt. Aktuelle Fachkräfteengpässe machen es Zeitarbeitern ggf. leichter, eine Anstellung außerhalb der ANÜ zu finden. Außerdem könnte die Übernahmequote durch Entleiher steigen.

 

Verschiebung zu kleineren Betrieben 

Die Zahl der Verleihbetriebe ist leicht gesunken auf 51.100 (- 2,4 %). 11.600 dieser Betriebe setzen einen Schwerpunkt auf die Arbeitnehmerüberlassung. Bei den anderen handelt es sich um Mischbetriebe. Der Großteil der Mischbetriebe beschäftigt zwischen 1 und 9 Zeitarbeiter. Bei den Schwerpunktbetrieben ist die Mitarbeiterzahl meist höher. Über ein Drittel hat jeweils zwischen 10 bis 49 oder mehr als 50 Arbeitnehmer. Die Zahl der Verleiher mit über 50 Mitarbeitern ist bei Schwerpunkt- und Mischbetrieben zurückgegangen. Der Report geht von einer leichten Verschiebung von großen zu kleinen und mittleren Betrieben aus.

 

Wo sind Zeitarbeiter beschäftigt?

Der Großteil der Zeitarbeitnehmer ist in Produktionsberufen tätig (40 %). Die Zahlen sind jedoch rückläufig. Etwa 60 % der Rückgänge gehen laut Report auf den Produktionsbereich zurück. Langfristig zeigt sich ein Wandel hin zum tertiären Sektor. Mehr als die Hälfte der Zeitarbeiter arbeitet in einem Dienstleistungsberuf. Rund ein Drittel entfällt auf wirtschaftliche Dienstleistungen (z. B. Sicherheits- und Reinigungskräfte).

 

Arbeitsmarktchancen für niedrigqualifizierte Mitarbeiter

Das Gros der Leiharbeiter ist sozialversicherungspflichtig in Vollzeit beschäftigt. Mit 84 % ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten in der Zeitarbeit höher als in der Gesamtbevölkerung (72 %). Minijobs gibt es kaum in der Branche und die Anzahl der geringfügig Beschäftigten ist rückläufig. Rund 5 % der Leiharbeiter nutzen die Zeitarbeit zusätzlich zu ihrer Hauptbeschäftigung. Mehr als **jeder 2. **Mitarbeiter ist als Helfer tätig. Der Anteil der Personen ohne Berufsabschluss ist in der Zeitarbeit etwa doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. Der Akademikeranteil ist mit 10 % vergleichsweise gering. Rund ein Drittel der Zeitarbeiter arbeitet als Fachkraft.

 

Geschlecht und Herkunft

Der Großteil der Zeitarbeitskräfte ist männlich (71 %). Dies liegt daran, dass der Männeranteil in Produktionsberufen recht hoch ist. Trotz Wandel zum Dienstleistungssektor sind Produktionsberufe die Hauptbeschäftigungsquelle der Zeitarbeiter. Etwa die Hälfte der männlichen Leiharbeiter ist in Produktionsberufen tätig. Die weiblichen Arbeitskräfte werden vor allem im Dienstleistungsbereich eingesetzt. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung ist der Anteil von Arbeitnehmern mit ausländischem Pass in der Zeitarbeit hoch (ca. 30 %). Auch geflüchtete Menschen finden in der Branche vielfach eine Anstellung. Im Jahresdurchschnitt 2019 waren 51.000 geflüchtete Personen als Zeitarbeiter beschäftigt. Das ist ein Anstieg von 17.000 (+ 51 %) im Vergleich zum Vorjahr.

Mehr zum Thema Arbeitsmöglichkeiten für Geflüchtete gibt es in unserem Blog: Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten: Was müssen Unternehmen beachten?

 

Welche Chancen bietet die Zeitarbeit? 

Die Zeitarbeit bietet Menschen ohne Berufsabschluss Chancen beim Einstieg in das Berufsleben. Viele niedrigqualifizierte Personen haben die Möglichkeit, Helfertätigkeiten auszuüben und Praxiserfahrung zu sammeln. Auch jüngere Menschen ohne oder mit wenig Berufserfahrung können von der Zeitarbeit profitieren. Sie kann beim Übergang in den Berufseinstieg helfen. Das Modell Arbeitnehmerüberlassung kann zudem den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt nach längerer Pause (z. B. Pflegezeiten oder Elternzeit) erleichtern. Zeitarbeiter haben ggf. die Möglichkeit, Zusatzqualifikationen zu erwerben und erhöhen ihre Einstellungs- oder Übernahmechancen. Für geflüchtete Menschen kann die Zeitarbeit als Integrationsmotor fungieren. Ein Großteil von ihnen findet eine Anstellung über die Zeitarbeit (Blog: Zeitarbeit als Perspektive). 

 

Fazit

Die Anzahl an Zeitarbeitern ist zurzeit leicht rückläufig. Besonders im Produktionsbereich sind Rückgänge zu verzeichnen, da sich ein Wechsel zum tertiären Sektor abzeichnet. Die Anzahl der Verleihbetriebe ist leicht zurückgegangen. Dies betrifft vor allem Betriebe mit über 50 Mitarbeitern. Trotz guter Beschäftigungsprognose für 2020 und 2021 könnte ein weiterer Rückgang der Beschäftigten in der Produktion bevorstehen. Die Fachkräfteengpässe machen es wahrscheinlicher, dass entsprechende Zeitarbeiter extern eine Anstellung finden oder vom Entleiher übernommen werden. Im Großen und Ganzen zeigt sich jedoch langfristig ein Anstieg an Zeitarbeitskräften. 

Quelle Foto: © Виталий Сова / Adobe Stock

 

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