Du oder Sie? Die richtige Ansprache in der Stellenanzeige

verfasst von zvoove, 31.07.2019
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Arbeitgeber bevorzugen die Sie-Form 

Duzen oder siezen? Viele Personaler stellen sich die Frage, wie sie potenzielle Bewerber in der Stellenanzeige am besten ansprechen. „Du“ taucht häufiger für Einsteigerpositionen auf und adressiert die jüngere Generation. Einige Unternehmen duzen ihre Zielgruppen durchgängig. „Sie“ richtet sich an **erfahrene Arbeitskräfte **mitten im Berufsleben. Die meisten Unternehmen verwenden die Sie-Form in allen Stellenausschreibungen. Dass das Siezen überwiegt, ergab eine Sprachanalyse von 120.000 Stellenanzeigen: 

Das „Sie“ fand **zehnmal häufiger **Eingang in die Anzeigen als die Du-Form. Daneben gibt es Vertreter, die inkonsistent vorgehen und ihre Zielgruppen mal duzen, mal siezen. Wann macht es Sinn, die Du- oder Sie-Form zu verwenden? Sich zu duzen kann ein Ausdruck **größerer Vertrautheit **sein, wohingegen die Sie-Form Distanz, aber auch Respekt und Höflichkeit signalisiert. „Sie“ vermittelt Wertschätzung und kann durch die Distanzierung hierarchische Strukturen hervorheben. Das „Du“ drückt eher ein Verhältnis auf Augenhöhe aus: Es scheint persönlicher und lässt Raum für eine andere Form der Kommunikation als das „Sie“. Im Online-Marketing findet sich das „Du“ häufiger, um Kunden das Gefühl der persönlichen Ansprache und Individualität zu vermitteln.

 

Was vermittelt die Ansprache? 

Die Entscheidung für das „Du“ oder „Sie“ in der Stellenanzeige hängt davon ab, was das Unternehmen ausdrücken und wie es sich präsentieren will. 

Was signalisiert das Unternehmen z. B. mit der Du-Form?

  • Verhältnis auf Augenhöhe: Einige Unternehmen nutzen die Du-Form, um sich hip, teamorientiert und nahbar zu geben: Mit dem „Du“ in der Stellenanzeige weisen sie darauf hin, dass sich die Kollegen im Arbeitsalltag duzen und die Hierarchien flach sind. Der Umgang untereinander ist eher informell. Das „Du“ in der Stellenausschreibung kann auf ein junges Team hindeuten, das Wert auf einen kollegialen Umgang legt. Unternehmen heben sich durch die Du-Form bewusst von traditionelleren Konkurrenten ab und stellen durch das „Du“ Vertraulichkeit her. Ein streng hierarchisch gegliedertes Unternehmen mit einer Siez-Kultur, das in seiner Stellenanzeige duzt, scheint wenig glaubwürdig.
  • junger Adressatenkreis: Jüngere Bewerber fühlen sich womöglich eher durch das „Du“ angesprochen als ältere. Es kann sein, dass ein Unternehmen seinen Adressatenkreis dadurch verengt. Die Du-Form wird ggf. als unhöflich empfunden oder widerspricht der gängigen Erwartung: Der Bewerber geht davon aus, dass sich die Stellenanzeige an jüngere Kandidaten richtet. Ausräumen könnte der Arbeitgeber diese Missdeutung durch einen kurzen Hinweis (z. B. auf die gängige Duz-Kultur im Unternehmen). Aber auch berufserfahrene Kandidaten können die Du-Form als persönliche Ansprache schätzen: Sie fühlen sich in ihrer Person und nicht nur in ihrer Rolle als potenzielle Stelleninhaber wertgeschätzt. Das „Du“ kann ausdrücken, dass ein Unternehmen Wert auf die persönliche Weiterentwicklung eines Mitarbeiters legt.

Die Sie-Form hebt andere Aspekte hervor:

  • Höflichkeit: „Sie“ drückt eine höfliche Distanz aus, die Respekt vermittelt, zum Beispiel vor den Kompetenzen einer Person. Die Sie-Form kann natürlicher erscheinen, wenn sich Arbeitgeber und Bewerber noch nicht kennen: Das mit höherer Intimität verbundene „Du“ wird erst dann verwendet, wenn sich beide besser kennengelernt haben. Manche Unternehmen pflegen durchgängig eine Siez-Kultur.
  • Seriosität: Die Ansprache „Sie“ vermittelt, dass Wert auf Umgangsformen und Seriosität gelegt wird. Die Präsentation nach außen in der Rolle als Kompetenzträger spielt eine wichtige Rolle. Persönliche Themen scheinen in einer Siez-Kultur weniger angebracht. Das „Sie“ in der Stellenanzeige kann für den Bewerber einen Hinweis darstellen, dass es im Unternehmen eher formell zugeht.

 

Konsistent und authentisch

Wichtig für die Entscheidung über die Du- oder Sie-Form in der Stellenanzeige sind Konsistenz und Glaubwürdigkeit: Die Ansprache sollte zum Image und zur Arbeitgebermarke des Unternehmens passen. In einigen Branchen wie im IT-Sektor, in der Medienbranche oder in Start-up-Unternehmen hat das „Du“ Konjunktur. Einige Unternehmen pflegen bekannterweise eine flächendeckende Duz-Kultur und halten diese auch in der Stellenanzeige aufrecht. Kommunikationsstrategisch ist zu überlegen, wie sich der Arbeitgeber gegenüber seinen Bewerbern präsentieren will – dabei können durchaus verschiedene Bewerberzielgruppen (z. B. Auszubildende) unterschieden werden. 

So ergab bspw. die Studie „Azubi-Recruiting Trends 2016“, dass 42 % der Azubis das „Du“ und nur ein Fünftel das „Sie“ bevorzugen. Es kann sein, dass das „Du“ in der Stellenanzeige Kandidaten verunsichert: Sollen sie den potenziellen Arbeitgeber im Anschreiben duzen oder siezen? Die Unsicherheit kann der Arbeitgeber mit einem Satz in der Stellenanzeige ausräumen oder den Personalleiter als Adressaten direkt mit Vornamen angeben.

Darüber hinaus sollte die Ansprache konsistent bleiben: Ein Unternehmen, das in der Stellenanzeige duzt und im Bewerbungsgespräch automatisch zum „Sie“ wechselt, agiert inkonsistent. Die in den Bewerbungsprozess involvierten Kollegen sollten bzgl. der Ansprache informiert werden. Am einfachsten ist es, den Bewerber zu fragen, welche Ansprache ihm lieber ist.

 

Fazit

Duzen oder siezen? Diese Frage beschäftigt viele Personaler bei der Konzeption der Stellenanzeige. Dabei gilt nicht automatisch, dass die jüngere Zielgruppe geduzt und erfahrenere Kandidaten gesiezt werden müssen. Je nach Ansprache vermittelt das Unternehmen dem Bewerber unterschiedliche Inhalte: Das „Sie“ kann z. B. auf eine eher formelle Kommunikation und Siez-Kultur im Unternehmen hinweisen. Das „Du“ kann Vertrauen wecken, ist persönlicher und deutet auf einen eher informellen Umgang hin. Wichtig ist, dass Arbeitgeber in ihrer Kommunikation glaubwürdig sind und den Stil nutzen, der zu ihrer Arbeitgebermarke passt. „Sie“ und „Du“ sollten außerdem konsistent verwendet werden.

Quelle Foto: mavoimages © / Fotolia

 

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