Digitalreport 2022: Ist die Wirtschaft der Weg aus dem Rückstand?

verfasst von zvoove, 09.03.2022
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht Digitalreport 2022: Deutschland im Rückstand

Digitaler Rückstand in Deutschland

„Wenn Deutschland seinen Wohlstand in den nächsten Jahren erhalten und ausbauen möchte, müssen wir jetzt entschieden handeln und das Land zu einem Standort für digitale Zukunftstechnologien machen.“ Professor Philip Meissner (Leiter des European Center for Digital Competitiveness) findet klare Worte und schlägt einen Ton an, der sowohl wirtschaftlich als auch politisch auf offene Ohren stoßen dürfte. Meissner ist Teil einer vierköpfigen Studienleitung, die Deutschland im „Digitalreport 2022“ einen unveränderten Rückstand in ebendiesem Bereich attestiert.

Der Digitalreport 2022

Der Digitalreport 2022 wurde vom European Center for Digital Competitiveness der ECSP Business School Berlin gemeinsam mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt. Er umfasst eine Bevölkerungsumfrage (1.069 persönliche Interviews) und die Ergebnisse einer Befragung von 500 Führungskräften aus Wirtschaft und Politik. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

✔ 82% der Führungsspitzen aus Wirtschaft und Politik erwarten von der Ampel-Koalition, dass die Digitalisierung in Zukunft entschiedener vorangetrieben wird.

✔ Meinung der befragten Bevölkerung: Drohnen, 3D-Druck und Künstliche Intelligenz sind die wichtigsten digitalen Zukunftstechnologien.

✔ FDP wird am ehesten als Motor der Digitalisierung gesehen. Die CDU/CSU verliert deutlich.

✔ Die Ampel-Koalition muss Zukunftstechnologien stärker in den Fokus der Digitalpolitik stellen und Start-ups zur Chefsache machen.

✔ 94% der Führungsspitzen aus Wirtschaft und Politik sehen Deutschland bei der Digitalisierung unverändert im Rückstand.

✔ Besonders im staatlichen Bereich wird die Digitalisierung unverändert kritisch bewertet. Nur 2% der Führungsspitzen halten Ämter, Behörden und den öffentlichen Dienst für gut aufgestellt.

✔ Am ehesten wird der Wirtschaft der digitale Wandel zugetraut.

Führungsspitze glaubt an Digitalisierungsstärke der Ampelkoalition

„Der Regierungswechsel befeuert Hoffnungen, dass die Digitalisierung künftig entschiedener
vorangetrieben wird als in den letzten Jahren“, sagt Professor Renate Köcher vom Institut für
Demoskopie Allensbach. 82% der befragten Führungskräfte aus Wirtschaft und Politik sind tatsächlich davon überzeugt, dass die neue Regierung das Thema Digitalisierung entschiedener vorantreibt. Die Bevölkerung ist da deutlich zurückhaltender: Hier rechnen lediglich 37% mit entsprechenden politischen Maßnahmen. Wenn überhaupt, sehen sie die FDP als Digitalisierungsmotor (29%). Der SPD trauen nur 9% der Bürger digitale Impulse zu, der CDU und den Grünen jeweils 7%.

Digitalpolitik der Ampelkoalition

Die hohe Erwartungshaltung der befragten Führungsriege kommt nicht von ungefähr, immerhin könnte 2022 den Neuanfang der hiesigen Digitalpolitik markieren. Bereits in ihren Sondierungsgesprächen erklärte die Ampelkoalition das Thema Digitalisierung neben dem Klimawandel zur größten Herausforderung ihrer Legislaturperiode. Eine völlige Neuausrichtung der politischen Digitalstrategie soll bestehende Defizite endlich abschütteln. Damit das gelingt, setzt sich die Regierung im Koalitionsvertrag ambitionierte Ziele. Frei nach dem Motto „Moderner Staat, digitaler Aufbruch und Innovationen“:

• Einführung eines zentralen zusätzlichen Digitalbudgets & Digitalisierungscheck für Gesetze.

• Die Menschen erwarten vom Staat einfach handhabbare und zeitgemäße digitale Leistungen,
nutzerorientiert, medienbruchfrei und flächendeckend. Lösungen durch Automation (…)
setzen wir prioritär um.

• Auf Basis einer Multi-Cloud Strategie und offener Schnittstellen sowie strenger Sicherheits- und Transparenzvorgaben bauen wir eine Cloud der öffentlichen Verwaltung auf.

• Wir streben einen besseren Zugang zu Daten an, insbesondere um Start-ups sowie KMU neue innovative Geschäftsmodelle und soziale Innovationen in der Digitalisierung zu ermöglichen.

• Wir stärken KMU bei der Digitalisierung durch unkomplizierte Förderung und bauen die Unterstützung für IT-Sicherheit, DSGVO-konforme Datenverarbeitung und den Einsatz digitaler Technologien aus.

Digitalisierung: Wirtschaft geht mit gutem Beispiel voran

Das „Was“ ist also geklärt. Offen bleibt das „Wie“: Die Ausgestaltung des digitalen Aufbruchs steht derzeit in den Sternen. Oft hilft es ja, sich an bereits erfolgreich etablierten Prozessen zu orientieren „Zeitgemäße, nutzerorientierte Leistungen und Lösungen durch Automation“ sind in der Privatwirtschaft längst Usus.

Softwarefirmen, die z.B. ERP-Lösungen anbieten, perfektionieren seit Jahrzehnten die bedarfsgerechte, zentrale und schnelle Steuerung und Verwaltung unternehmerischer Aufgaben. Mithilfe automatisierter Prozesse sorgen diese Systeme für eine enorme Zeitersparnis – das wissen auch Nutzer unserer Software für die Gebäude- oder Personaldienstleistung. Viele kleine und große Betriebe profitieren außerdem bereits vom Cloud-Computing, also die Verlagerung von Teilen der IT-Infrastruktur und Arbeitsprozessen ins Internet. Die meisten Punkte der politischen Zukunftsagenda sind in vielen (Software-)Firmen also bereits Realität. Digitale Vorteile, auf wir als Bürger womöglich noch etwas warten müssen (z.B. die Entbürokratisierung des öffentlichen Dienstes), sind zumindest für Konzerne und KMU bereits greifbar.

EU plant bis 2030 „Weg ins digitale Jahrzehnt“

Auch die Europäische Kommission will den „Weg ins digitale Jahrzehnt“ beschreiten und plant, Europa bis 2030 hinsichtlich digitaler Herausforderungen zu stärken. Vier neue Rechtsakte flankieren dieses ambitionierte Ziel:

Data Governance Act (DGA): Er soll Austausch und die Verfügbarkeit von Daten zwischen Privatpersonen, Unternehmen und dem öffentlichen Sektor erleichtern.

Digital Services Act (DSA): Anbieter von Online-Plattformen wie sozialen Medien und Marktplätzen sollen durch umfassendere Sorgfalts- und Rechenschaftspflichten stärker in die Pflicht genommen werden.

Digital Markets Act (DMA): Zur Stärkung des Wettbewerbs digitaler Märkte in der EU sollen große Unternehmen daran gehindert werden, ihre Marktmacht zu missbrauchen und stattdessen neuen Akteuren der Markteintritt ermöglicht werden.

Artificial Intelligence Act (AIA): Der Artificial Intelligence Act unterscheidet KIs in Bezug auf ihre Risikoklasse. Je höher das Risiko, desto umfangreicher sind die Pflichten, die den Unternehmen auferlegt werden. KIs mit einem unannehmbaren Risiko sollen sogar verboten werden.

Fazit

Noch ist von den leidenschaftlichen Digitalisierungsplänen nichts zu spüren. Im Gegenteil: Allein beim Breitband-Internet-Vergleich lag Deutschland 2021 weit abgeschlagen auf Platz 33 – hinter Ländern wie Ungarn und Rumänien. Unser System hat ein großes Update dringend nötig, sagt auch ESCP Business School Leiter Professor Philip Meissner:

„Deutschland muss dringend damit anfangen, seinen Rückstand bei digitalen Zukunftstechnologien wahrzunehmen und aufzuholen. Dafür wird Mut benötigt und die Entschlossenheit, neue Wege auszuprobieren und mögliche Fehler auf dem Weg zum Ziel als Teil des Prozesses zu akzeptieren. Es ist Zeit für ein solides Wettbewerbsumfeld, für zukunftsweisende Investitionen in Technologien durch den Staat, für innovative Start-ups und einen Bürokratie- und Rechtsrahmen, der Innovation belohnt und nicht im Keim erstickt.“

Die hiesige Wirtschaft bietet unzählige Erfolgsgeschichten zum Thema Digitalisierung und Automation durch z.B. Software. Bleibt zu hoffen, dass die frischgebackene Regierung hier und da abschreibt, wenn sie sich dem Koalitions-Kapitel „Moderner Staat, digitaler Aufbruch und Innovationen“ widmet.

Quelle Foto: ©rolaks / Adobe Stock

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