Zeitarbeit: im Worst Case ein Rückgang von 30 %

verfasst von zvoove, 23.09.2020
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Marktrückgang zwischen 10 und 30 % 

Die COVID-19 Krise hat die Zeitarbeitsbranche durchgerüttelt. Laut PwC-Bericht (Zeitarbeitsbranche aktuell 2020) erwartet die Branche einen Marktrückgang zwischen -10 % und -30 %. 94 % der befragten Unternehmen führen den Rückgang auf die Corona-Krise zurück. Der Lockdown hat viele Kunden zu Kurzarbeit veranlasst. Zuerst galt es, die Stammbelegschaft abzusichern. 100 % der Zeitarbeitsfirmen haben ad hoc Stornierungen in Kauf nehmen müssen. Die Aufträge sind im 1. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal zurückgegangen (80 %). 73 % mussten mit angekündigten Auftrags- oder Projektausfällen rechnen. Neben den Rückgängen verzeichnete knapp ein Drittel der Befragten eine Zunahme von Bewerbern als Zeitarbeiter. Alle Umfrageteilnehmer rechnen mit Umsatzrückgängen der Branche. Neben dem Corona-Ausnahmezustand spielen dabei auch andere Faktoren eine Rolle.

Gründe für die Marktentwicklung

Marktrückgänge sind zum Teil auf den konjunkturellen Abschwung zurückzuführen (63 %), der sich bereits 2019 angedeutet hat. Im Vorjahr kam es zu einem schätzungsweisen Rückgang des Marktvolumens von ≥ -10 %. Die Zahl der Zeitarbeiter/-innen ist im 1. Halbjahr 2019 um 10 % eingebrochen. Eine treibende Rolle spielt dabei die Transformation der Automobilindustrie hinsichtlich erneuerbarer Antriebsformen. Weitere Rückgänge sind auf den Mangel verfügbarer Führungskräfte zurückzuführen. Die mit der AÜG-Reform eingeführte Höchstüberlassungsdauer gaben 50 % als einen Grund für die Marktentwicklung an. Equal Pay hingegen spielte unter den Umfrageteilnehmern keine relevante Rolle (22 %). Eine geringe Akzeptanz von Zeitarbeit führen nur 6 % als Grund an.

Die besondere Rolle der Automobilbranche 

Die Automobilbranche ist ein wichtiger Beschäftigungsmotor für Zeitarbeiter. Ende 2018 waren rund 770.000 Leiharbeiter in der Branche beschäftigt. In der PwC-Umfrage sehen alle Teilnehmer eine rückläufige Nachfrage in der Automobilbranche. Bereits zwischen 2017 und 2018 ist die Nachfrage um rund 94.000 Leiharbeiter gesunken. Die Branche steht vor großen Veränderungen in puncto E-Mobilität. Im Zuge der EU-Klimaziele sollen CO2-Emissionen von Neuwagen um 50 % sinken (Entwurf für den 2030-Klimaplan). Konkrete CO2-Grenzwerte werden voraussichtlich 2021 erarbeitet. Die Auto-Produktion in Deutschland ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Unterschiedliche Studien prognostizieren einen Verlust von Arbeitsplätzen. Die CAR-Studie z. B. geht von 233.000 Jobs in den kommenden 10-20 Jahren aus (Berechnungen vor Corona). Auch mit der Corona-Krise hatte die Branche zu kämpfen. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen ist im Sommer zurückgegangen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet 2020 mit einem Rückgang des Weltmarkts um 17 % (Deutsche Welle).

Wie geht die Zeitarbeit mit der Krise um?

Die Zeitarbeitsbranche sucht verschiedene Wege aus der Krise. Ein Großteil der Unternehmen bemüht sich um **Diversifikation **(68 %), um z. B. weniger von der Automobilindustrie abhängig zu sein und Geschäftsmodelle bei Bedarf anpassen zu können. Neben Diversifikation spielt die Suche nach Nischen mit hoher Nachfrage eine Rolle (68 %). Zum Teil erschwert wird dies durch die tendenziell strikter werdenden Beschränkungen der Leiharbeit, z. B. im Pflegesektor oder in der Fleischindustrie. Rund die Hälfte der Unternehmen will seine Kostenstruktur flexibilisieren. Digitalstrategie ist für einen Großteil der Akteure in der Personalbranche relevant (68 %). Die Digitalisierung des Geschäftsmodells und die Automatisierung von Prozessen sind für viele Zeitarbeitsfirmen zukunftsweisend.

Erwartete Entwicklungen 

2021 soll sich der Zeitarbeitsmarkt wieder erholen. Über die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass die Branche nach dem COVID-19 Lockdown Erholung erfahren wird. 41 % hingegen befürchten zunächst eine Stagnation. Die erwartete Zahl der Zeitarbeitnehmer liegt bei rund 891.000. Einen Peak hatte die Anzahl der Zeitarbeiter 2017 mit über 1 Millionen Mitarbeitern erreicht. Im Zuge der AÜG-Reform vom 01.04.2017 wurden zunächst Rückgänge erwartet, etwa aufgrund der Höchstüberlassungsdauer.

In der Wirtschaft werden aktuell jedoch auch positive Stimmen laut. Laut Robert Half Studie (Auswirkungen der Pandemie) sehen nur 26 % der befragten Führungskräfte negative Auswirkungen der Pandemie auf ihre wirtschaftliche Entwicklung. Ein Teil beurteilt die Entwicklungen sogar als positiv. Die meisten Betriebe haben auch während der COVID-Pandemie Mitarbeiter eingestellt oder eingearbeitet (aus dem Home Office). 83 % der Befragten zeigten sich außerdem offen für remote work. Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland damit hinsichtlich der erwarteten Folgen gut ab.

 

Fazit

Die Corona-Krise ist an der Zeitarbeitsbranche nicht spurlos vorüber gezogen. Unternehmen erwarten einen Marktrückgang vom -10 % bis -30 %. Viele Zeitarbeitsfirmen haben auf die Krise reagiert, etwa mit stärkerer Diversifikation oder Nischenbildung in nachfragestarken Bereichen. Ein Großteil der Unternehmen setzt auf Flexibilität in der Kostenstruktur und durch Digitalisierung. Mehr als die Hälfte will Prozesse automatisieren und das Geschäftsmodell anpassungsfähiger machen. Neben der Corona-Pandemie sind weitere wirtschaftliche Entwicklungen von Bedeutung, z. B. die Transformation der Autoindustrie. Im internationalen Vergleich ist die Autoproduktion in Deutschland zurückgegangen und tendenziell wurden weniger Zeitarbeitskräfte eingesetzt. Trotz vieler negativer Entwicklungen bleiben viele Akteure optimistisch. Mehr als die Hälfte erwartet eine Erholung für 2021. Führungskräfte zeichnen zum Teil ein vergleichsweise positives Bild der Pandemie-Folgen.

Quelle Foto: © Minerva Studio / Adobe Stock

 

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