Corona-Support für KMU: Alle Hilfsmaßnahmen auf einen Blick

verfasst von zvoove, 06.05.2020
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KMU in der Krise: Deutscher Wirtschaftsmotor schwächelt

Fakten first! Rund 3,5 Millionen Betriebe in Deutschland zählen zu den KMU, damit sind **99,5% **aller deutschen Unternehmen ein kleines oder mittelständisches Unternehmen. Und auch in der Nachwuchsförderung sind KMU nicht wegzudenken: 83% aller Lehrlinge werden von ihnen ausgebildet. Kein Wunder also, dass der Mittelstand in der Vergangenheit als unser „Wirtschaftsmotor“ angepriesen wurde.

Doch es ist nicht nur der ökonomische Impact – KMU sorgen auch für eine Diversität am Markt. Beim kleinen, inhabergeführten Bäcker um die Ecke schmecken die Brötchen einfach besser als bei seinem SB-Nachahmer, der kompetente Elektrohandel drei Straßen weiter ist persönlich für uns da, während die Big Player uns meist in Warteschleifen vertrösten usw. usw.

Kurz: Im Zuge der Corona-Krise schwächelt ein essentieller Baustein der deutschen Wirtschaft – weshalb der Branche nun auf unterschiedliche Weise unter die Arme gegriffen wird.

Finanzämter: Steuerhilfen für Unternehmen

Das Finanzministerium beschloss am 23. April 2020, dass Unternehmen ihre vierteljährliche und monatliche** Lohnsteuer-Anmeldung später übermitteln** dürfen.

  • Der Antrag auf Verlängerung der Erklärungsfrist für vierteljährliche und monatliche Lohnsteuer- Anmeldungen kann nach § 109 Absatz 1 AO gestellt werden. Dabei gilt: 

  • Die verspätete Übermittlung der Lohnsteuer-Anmeldung muss **unverschuldet **sein.

  • Fristverlängerungen betragen maximal 2 Monate.

  • Zusätzlich konkretisierte die Politik das Verfahren für Anträge auf pauschalierte Herabsetzung bereits geleisteter Vorauszahlungen für 2019. Gestellt werden kann dieser Antrag von steuerpflichtigen Betrieben, die Gewinneinkünfte oder Einkünfte aus Vermietung/Verpachtung haben und von der Corona-Krise betroffen sind. Steuerpflichtige, die noch nicht für den VZ 2019 veranlagt worden sind, können in den zeitlichen Grenzen des § 37 Absatz 3 Satz 3 EStG grundsätzlich eine Herabsetzung der festgesetzten Vorauszahlungen für 2019 beantragen.

  • Kleine und mittelständische Unternehmen können erwartete Verluste mit bereits für 2019 geleisteten Steuer-Vorauszahlungen verrechnen.

  • Befristete Mehrwertsteuersenkung für Gastronomiebetriebe: Die Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie wird ab dem 1. Juli 2020 und befristet bis zum 30. Juni 2021 auf den ermäßigten Steuersatz von **7 % **gesenkt.

  • Sind Betriebe von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise betroffen, wird bis Ende 2020 auf Vollstreckungsmaßnahmen und Säumniszuschläge verzichtet.

  • Unterstützungsleistungen für Mitarbeiter sind in diesem Jahr ­bei bis zu 1.500€ steuerfrei

**Beantragung dieser Maßnahmen: **Beim zuständigen Finanzamt.

Krankenkassen: Stundung von Sozialbeiträgen

Wenn Betriebe durch die Corona-Krise in massive finanzielle Bedrängnis geraten, können sie eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge beantragen.

**Beantragung: **Anträge nehmen die für das jeweilige Unternehmen zuständigen Krankenkassen entgegen. Mehr Infos dazu in unserem Blogbeitrag "Corona-Hilfen für Firmen: Jetzt Stundung der Sozialabgaben beantragen".

Bundesagentur für Arbeit: Grundsicherung & KUG

Grundsicherung: Damit Solo-Selbständige und Kleinunternehmer aufgrund der Krise nicht auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, erhalten sie vom 01.03.– 30.06.2020 schnell und unbürokratisch Zugang zur Grundsicherung (SGB II). Für Neuanträge gilt: Auf die Vermögensprüfung wird für sechs Monate verzichtet. Außerdem kann die Regierung diese Maßnahme bei Bedarf bis zum 31.12.2020 verlängern.

**KUG: **Die BA kommt außerdem für die Begleichung des Kurzarbeitergeldes auf. Weiterführende Infos zum KUG finden Sie hier "Corona FAQ Kurzarbeitergeld: Was Unternehmen jetzt wissen müssen".Beantragung: Bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit.

Bürgschaften für KMU und Freiberufler 

Zur finanziellen Bewerkstelligung der Corona-Krise gibt es außerdem einige Sofortmaßnahmen für Bürgschaften.

  • Die Bürgschaftsobergrenze ist auf **2,5 Millionen€ **angehoben worden.
  • Die Betriebsmittelgrenze ist auf 80% angehoben worden.
  • Höhere Risikoübernahme des Bundes durch Erhöhung der Rückbürgschaft auf 49%.
  • Durch verschiedene Beschleunigungsmaßnahmen sind ggf. Expressbürgschaften möglich.

**Beantragung: **Über die jeweilige Hausbank. Neue Kredite können Sie gemeinsam mit der entsprechenden Bürgschaftsbank hier finden & beantragen

Bund: Hilfe für Kleinstunternehmen und Solo-Selbständige 

  • Durch Wirtschaftsstabilisierungsfonds mit bis zu 600 Milliarden Euro will der Bund Unternehmen & Start-Ups (unter bestimmten Voraussetzungen) in Form von Garantien und Eigenkapitalhilfen finanziell zur Seite stehen.

  • Der Bund unterstützt Start-ups, junge Technologieunternehmen und kleine Mittelständler mit einer Erweiterung des Wagniskapitals. Rund **2 Milliarden Euro **werden dafür bereitgestellt.

  • Kleinstunternehmen haben besonders mit laufenden Kosten zu kämpfen: Ladenmiete, Kredite, Strom etc. An dieser Stelle will die Bundesregierung mit Soforthilfen von 50 Milliarden Euro helfen. Auf diese Weise soll Unternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten schnell unter die Arme gegriffen werden. Demnach erhalten:

  • Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten einen einmaligen Zuschuss bis zu 9.000€ für 3 Monate.

  • Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern einen einmaligen Zuschuss bis zu 15.000€ für 3 Monate.

  • außerdem gilt: Wenn Vermieter die Miete um min. 20% reduziert, kann der ggf. nicht ausgeschöpfte Zuschuss auch für zwei Monate länger eingesetzt werden.

  • KMU und Freiberufler, die von den Auswirkungen des Virus betroffen sind und dringenden Beratungsbedarf haben, können ab sofort eine Förderung für Unternehmensberatungen in Anspruch nehmen. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) erklärte, dass Beraterkosten von bis zu 4.000€ (ohne Eigenanteil) bis Ende 2020 übernommen werden.

KfW-Schnellkredite für den Mittelstand

Um dem Mittelstand schnell und effektiv helfen zu können, sind KfW-Schnellkredite eingerichtet worden. Bei 10 – 50 Angestellten beträgt das Kreditvolumen pro Unternehmen maximal 500.000€. Bei mehr als 50 Angestellten gibt es maximal 800.000€.

Neu seit 15.04.2020 ist, dass Unternehmen mit mehr als 10 Mitarbeitern den neuen KfW-Schnellkredit 2020 beantragen können. Dieser ermöglicht auch Firmen den Kredit-Zugang, die erst in 2019 Gewinne geschrieben haben (ursprünglich wurden nur Betriebe berücksichtigt, die im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019 Gewinne erzielt haben).

Bei den Schnellkrediten übernimmt der Bund 100% der Kreditrisiken, was die Zusagechancen deutlich erhöht. Außerdem sind die Laufzeiten auf 10 Jahre verlängert worden.

**Beantragung: **Über die KfW.

Nachbarschaftsinitiative: Spendenplattform für KMU

Um KMU und lokale Unterstützer zusammenzubringen, hat die Gothaer Versicherung die Initiative** **#KraftDerGemeinschaft gegründet. Auf der Plattform haben Betriebe die Möglichkeit, sich zu präsentieren, um so finanzielle Soforthilfen aus der Nachbarschaft zu sammeln. Durch Corona angeschlagene Geschäfte können sich einfach und kostenlos ein Profil erstellen, das dann über Social-Media geteilt wird. Sobald ein potentieller Unterstützer (aus der Nachbarschaft) darauf aufmerksam wird, kann er beliebig viel Geld spenden. Um der Aktion einen Reichweiten-Aufwind zu geben, begleitet die Gothaer ihre Initiative mit einer digitalen Kommunikationskampagne.

 

Fazit

Bund, Krankenkassen, Finanzämter, BA etc.: In der Krise erhalten KMU und Selbstständige von vielen Seiten finanzielle Rückendeckung. Die meisten Maßnahmen umfassen Liquiditätshilfen, doch auch steuerliche Entlastungen oder Initiativen wie die der Gothaer stehen kleinen und mittleren Betriebe jetzt zur Seite. Um schnellstmöglich Zugang zu den finanziellen Hilfen zu erhalten, sollten Unternehmen jetzt rasch reagieren und derartige Maßnahmen im Anspruch nehmen.

Quelle Foto: © Andrey Popov / Adobe Stock

 

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