Corona: Das sind die Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft

verfasst von zvoove, 25.03.2020
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Hoher Ansturm auf Kurzarbeitergeld 

Airlines streichen bis zu 90 % des Flugverkehrs – die meisten Flüge sind Rückholaktionen für gestrandete Urlauber. Cafés, Bars und Restaurants stellen auf Lieferservice um oder schließen ganz. Messen wie die Zukunft Personal Süd oder die TALENTpro werden verschoben oder gecancelt. Die Einschränkungen im Zuge von Covid-19 betreffen nahezu alle Branchen. Viele Unternehmen greifen in diesen Zeiten auf Kurzarbeit zurück. Zu den Hauptantragsstellern gehören die Transport- und Logistikbranche, das Hotel- und Gaststättengewerbe, Messebau und Tourismus. Laut Bundesagentur für Arbeit (BA) sind binnen einer Woche 76.700 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen (Presseportal). Zum Vergleich: 2019 meldeten im Schnitt 600 Betriebe pro Woche Kurzarbeit an. Die meisten Anträge stammen aus Bayern, NRW und Baden-Württemberg. Im Gesamtjahr ist laut IAB mit Ø 635.000 Kurzarbeitern zu rechnen. Die Arbeitszeit sinkt voraussichtlich um 1,9 %.

 

Wann besteht Anspruch auf Kurzarbeitergeld?

Die Bundesregierung hat den Zugang zu Kurzarbeitergeld im Zuge der Corona-Krise vereinfacht. Unternehmen können Kurzarbeitergeld rückwirkend zum 1. März 2020 beantragen. Sozialbeiträge ausgefallener Arbeitsstunden werden vollständig erstattet. Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht, wenn mind. 10 % der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von über 10 % haben. Bisher lag das Quorum bei einem Drittel der Mitarbeiter. Auch Zeitarbeiter können Kurzarbeitergeld erhalten. Dies ist bei der zuständigen Agentur für Arbeit anzuzeigen. Die Möglichkeit von KUG für Leiharbeiter ist bis zum 31.12.2020 befristet.

Mehr Infos dazu in unserem Blog: Corona-Krise: Kurzarbeit auch für Zeitarbeitnehmer?

 

Arbeitslosigkeit von über 3 Millionen möglich 

Arbeitsmarktexperten rechnen mit einer Arbeitslosenzahl von Ø 2,36 Millionen für 2020. Das wären 90.000 Arbeitslose mehr als im Vorjahr. Bis Juli ist zunächst mit einem Anstieg (2,47 Millionen) zu rechnen. Zum Jahresende wird sich die Zahl der Arbeitslosen wieder einpendeln (2,3 Millionen).

Die Zahl der Erwerbstätigen wird voraussichtlich stagnieren. Das IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) prognostiziert einen Jahresdurchschnitt von 45,25 Millionen Erwerbstätigen. Zeitweise ist mit einem Rückgang von 300.000 zu rechnen. Dies wäre das mildere Szenario mit wirtschaftlichen Ausfällen von 6 Wochen.

Denkbar wäre auch, dass es zu zweieinhalbmonatigen Ausfällen kommt, die sich erst Ende 2020 wieder normalisieren. In dem Fall ist eine Arbeitslosenzahl von über 3 Millionen nicht auszuschließen.

 

BIP geht zurück 

Arbeitsmarktforscher erwarten eine weltweite Rezession im Zuge der Corona-Krise. Auch Deutschland ist betroffen. Das IAB hat 2 Szenarien untersucht:

  • Szenario 1: Im Zuge der Einschränkungen des öffentlichen Lebens setzt ein Teil der Wirtschaftstätigkeiten für 6 Wochen aus. Bis wieder Normalisierung einkehrt, dauert es weitere 6 Wochen. Das reale BIP geht im “milden“ Szenario um 2 % zurück. Vorübergehend (im 2. Quartal) soll das Bruttoinlandsprodukt um 6 % schrumpfen.
  • Szenario 2: Sollten Ausfälle von zweieinhalb Monaten mit Normalisierung zum Jahresende eintreten, wäre mit einem BIP-Rückgang von 4,7 % zu rechnen.

Die Folgenabschätzung ist zum derzeitigen Zeitpunkt komplex. Entscheidend ist, wie lange die Wirtschaftstätigkeit eingeschränkt bleiben wird.

Übernahmen durch internationale Investoren 

Bundesverkehrsminister Scheuer hat vor Übernahmen deutscher Firmen gewarnt (Süddeutsche Zeitung). Infrastruktur- und Mobilitätsfirmen seien ein attraktives Investitionsobjekt für Investoren. Insbesondere China wird ein Interesse an deutschen Spitzentechnologien nachgesagt. Internationale Investoren könnten finanziell geschwächte Firmen ins Visier nehmen. Im Gespräch mit anderen Ministern plant er, Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Ziel sei es, die Wirtschaftskraft in Deutschland zu sichern. Laut Wirtschaftsminister Altmaier seien staatliche Beteiligungen und Übernahmen mögliche Instrumente. Ministerpräsident Markus Söder zieht in Erwägung, ausländische Übernahmen angeschlagener Firmen zu verbieten.

Recruiting in Zeiten von Corona 

Die Corona-Krise fordert Recruiter heraus. Einige Branchen greifen auf Kurzarbeit zurück und fahren ihre Tätigkeiten drastisch herunter. Andere erleben in Corona-Zeiten erhöhten Personalbedarf, z. B. der Einzelhandel. Unternehmen kooperieren, um praktische Lösungen umzusetzen. Aldi und McDonald's etwa haben eine Personalpartnerschaft geschlossen. Die Fast Food Kette hat ihren Betrieb eingeschränkt, während Aldi einen hohen Kundenansturm bewältigen muss. McDonald's Mitarbeiter helfen daher zeitweise bei Aldi aus. Supermärkte (z. B. in Großbritannien) stellen derzeit tausende von temporären Arbeitskräften ein (Sky News). Bewerber berichten von extrem schnellen Bewerbungs- und Einstellungsprozessen.

Recruiting ohne Präsenzkontakte 

Dennoch ist zu vermuten, dass es in der Hochphase der Corona-Krise zu Bewerbungsrückgängen kommt. Aufträge brechen weg, viele Branchen fahren ihre Personalsituation zurück. Menschen sind dazu angehalten, das Haus möglichst wenig zu verlassen. Ggf. wird es zu flächendeckenden Ausgangssperren kommen. Recruiter stehen vor der Herausforderung, ihren Bewerbungsprozess ohne Präsenzkontakt zu gestalten. Digital ist hier vieles möglich. Vorstellungsgespräche lassen sich zum Beispiel über Skype abhalten. Assessments lassen sich online durchführen.

 

Fazit

Im optimistischen Fall wird Deutschland die Corona-Krise wirtschaftlich gut überstehen. Sollte es zu Ausfällen von etwa 6 Wochen inkl. 6-wöchiger Erholungsphase kommen, wird von einem BIP-Rückgang von 2 % ausgegangen. Die Zahl der Arbeitslosen würde in diesem Szenario nur um rund 90.000 im Vorjahresvergleich sinken. Im pessimistischen Fall kommt es zu Ausfällen von zweieinhalb Monaten und eine Rückkehr zum Normalzustand Ende 2020. Die Arbeitslosenzahl könnte die 3-Millionen Marke knacken. Das BIP könnte um 4,7 % abfallen.

Quelle Foto: © mantinov / Adobe Stock

 

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