Corona-Arbeitsschutzregeln: Ministerium will Mitarbeiter besser schützen

verfasst von zvoove, 19.08.2020
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Neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel 

Mehr als 21 Millionen Menschen haben sich seit Beginn der COVID-19 Pandemie mit dem Virus infiziert. In Deutschland sind über 200.000 Corona-Fälle bekannt. Zuletzt stiegen die Zahlen wieder und erreichten ähnliche Werte wie Anfang Mai. Über 500 Neuinfektionen wurden innerhalb eines Tages gemeldet. Die meisten Meldungen verzeichnen NRW und Bayern. Seit Ende des Lockdowns herrscht eine neue Normalität. Home Office wird reduziert und der Präsenzbetrieb auf der Arbeit wieder aufgenommen. Urlaube können unter Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) wieder stattfinden. Auf Reiserückkehrer gehen rund ein Drittel der Neuinfektionen zurück. Einige, so warnen Virologen, könnten mit mangelnder Compliance gegenüber der AHA-Formel zu tun haben. Um Sicherheit auf dem Arbeitsplatz zu schaffen, hat das BMAS (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) eine neue **SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel **veröffentlicht. Im August 2020 tritt die Regel in Kraft.

 

Zahl der Neuinfektionen gering halten 

Im Rahmen der COVID-Pandemie müssen Arbeitgeber zusätzliche Arbeitsschutzmaßnahmen treffen. Diese konkretisiert das BMAS in der neuen SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel. Die Regel soll dabei helfen, das Infektionsrisiko zu minimieren und die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen. Infektionsketten sollen wirkungsvoll unterbrochen werden. Angesichts der steigenden Zahlen fürchten viele Unternehmen einen erneuten Lockdown, sollten die Zahlen 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten. Um rechtssicher zu handeln, ist es laut BMAS erforderlich, die technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen umzusetzen. Andere Wege sind zwar möglich, aber nur unter Gewährleistung der gleichen Sicherheits- und Gesundheitsschutzstandards. Das wichtigste Instrument bleibt die AHA-Regel.

 

Übertragbarkeit des Virus 

Coronaviren werden primär über Tröpfchen übertragen, die aus den Atemwegen infizierter Personen stammen (Aerosole). Eine Übertragung über kontaminierte Oberflächen ist möglich, aber seltener. Ein Infektionsrisiko besteht vor allem in geschlossenen Räumen bei räumlicher Nähe zu Erkrankten. Der normale Gesprächsabstand ist für eine Übertragung ausreichend. Infizierte können ihre Mitmenschen bereits 1 bis 2 Tage vor Symptombeginn anstecken. Das Ansteckungsrisiko steigt mit der Dauer und Anzahl der Kontakte. Diese Übertragungswege verdeutlichen den Sinn der AHA-Regeln, die eine Übertragung über die Schleimhäute in Mund, Nase und Augen vermeiden sollen.

 

Zahl und Dauer der Kontakte reduzieren 

Arbeitgeber sollen das Infektionsrisiko für Beschäftigte möglichst gering halten. Zwei Wege sind besonders sinnvoll: die Zahl und Dauer ungeschützter Kontakte zu reduzieren. Um die Übertragung der Viren über die Luft zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel können Mitarbeiter in festen Teams oder über digitale Medien zusammenarbeiten. Räumliche Abtrennungen, verstärkte Raumlüftung, Möglichkeiten zur Handhygiene und eine intensive Reinigung (mindestens einmal pro Arbeitstag) sind ebenfalls anzuraten. Arbeitgeber sollen ihre Maßnahmen technisch, organisatorisch und personenbezogen umsetzen. Gemäß **TOP-Prinzip **haben technische Maßnahmen Vorrang vor organisatorischen und diese vor personenbezogenen.

 

Konkrete Maßnahmen zur Infektionsverringerung

  • Mund-Nase-Bedeckungen können den Tröpfchenauswurf reduzieren. Ebenso wie Medizinische Gesichtsmasken schützen sie vor allem Dritte. Einen Selbstschutz bieten **filtrierende Halbmasken **(z. B. FFP). Bei fehlenden Abtrennungen und Nicht-Einhaltung der Abstandsregeln sind MNB erforderlich. Bei entsprechender Gefährdungsbeurteilung sollen mindestens FFP2 Masken getragen werden.
  • Ein Mindestabstand von 1,5 Meter soll das Infektionsrisiko verringern. Bei bestimmten Tätigkeiten mit hoher Aerosol-Bildung sind auch höhere Abstände sinnvoll (z. B. beim Singen). Ist eine Einhaltung des Mindestabstands nicht möglich, sollten (möglichst transparente) Abtrennungen installiert werden.
  • Eine ausreichende Belüftung verringert die Konzentration virenbelasteter Aerosole. Die CO2-Konzentration sollte 1000 ppm unterschreiten. Büroräume sollten gemäß Arbeitsstättenregeln nach 60 Minuten und Besprechungsräume nach 20 Minuten gelüftet werden. Diese Werte sollten während der Pandemie unterschritten werden. Stoßlüftungen von mindestens 3 bis 10 Minuten werden empfohlen.
  • Kontaktreduzierung lässt sich u. a. über digitale Kommunikation oder Home Office sicherstellen. Aber auch die Arbeitszeitgestaltung bietet eine Möglichkeit, Kontakte zu verringern. Zum Beispiel könnte es für Mitarbeiter versetzt feste Home Office Tage geben, so dass die Anzahl der Personen im Büro reduziert wird. Für die Heimarbeit sollten Arbeitszeit- und Erreichbarkeitsregeln getroffen werden.
  • Kurzzeitkontakte sind eine Möglichkeit, das Infektionsrisiko gering zu halten. Bei Kontaktdauer unter 15 Minuten ist die Wahrscheinlichkeit für eine Infektion eher niedrig.
  • Mit Hinblick auf zu treffende Infektionsschutzmaßnahmen ist eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Dabei sollen Betriebsarzt/Betriebsärztin, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, die Beschäftigtenvertretung und ggf. Beschäftigte mit einbezogen werden. Mitarbeiter sollen ein Sicherheitsbewusstsein entwickeln und gegenüber der Schutzmaßnahmen Compliance zeigen. Dies gilt laut Rechtstext auch für Fremdpersonal bzw. Zeitarbeiter. Für besonders schutzbedürftige Beschäftigte oder so genannte Risikogruppen können individuelle Schutzmaßnamen sinnvoll sein.
  • Für ausreichend Handhygiene müssen leicht erreichbare Waschgelegenheiten, Flüssigseife und hygienische Handtrocknungsmöglichkeiten (z. B. Einmaltücher aus Papier) vorhanden sein. Das gilt auch für mobile Arbeitsplätze. Warmlufttrockner sind zu vermeiden. Außerdem sollen die Regeln zur Handhygiene ausgehangen werden.
  • Pausen- oder Kantinenräume sind, wenn möglich, zeitlich gestaffelt zu betreten. Markierungen auf dem Fußboden und eine Bestuhlung mit ausreichend Abstand können die Einhaltung der Abstandsregeln erleichtern.

Neben diesen grundlegenden Maßnahmen konkretisiert der Arbeitsschutzstandard weitere Regeln, z. B. zu Handlungsanweisungen bei Verdachtsfällen. Die unter Koordination der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erstellte Regel ist auf der Homepage der BAuA verlinkt: SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel.

 

Fazit

Das BMAS hat eine SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel zur Reduktion des Infektionsrisikos in der Wirtschaft herausgegeben. Die Regel konkretisiert Schutzmaßnahmen, mit denen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter und Kunden vor einer Corona-Infektion schützen können. Ein wichtiger Bestandteil sind noch immer die AHA-Regeln. Die Schutzmaßnahmen müssen technisch, organisatorisch und personenbezogen umgesetzt werden.

Quelle Foto: © Seventyfour / Adobe Stock

 

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