Zurück ins Büro: Ist jetzt alles wieder normal?

verfasst von zvoove, 10.06.2020
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Infektionsrisiko in geschlossenen Räumen

Langsam scheint etwas Normalität einzukehren. Schulen beginnen schrittweise mit dem Präsenzunterricht, Kitas nehmen wieder Kinder auf. Restaurants, Kneipen und Geschäfte können endlich wieder öffnen. Bei all dem gelten die bekannten Abstands- und Hygieneregeln. Die Kontaktbeschränkungen herrschen in einem bunten Flickenteppich: Jedes Bundesland handhabt die Regelungen anders. In Hessen etwa dürfen sich Angehörige zweier Haushalte treffen, in NRW Gruppen von bis zu 10 Personen. Was bedeuten die neuen Lockerungen für Betriebe? Eins ist klar, von einer neuen Normalität kann noch nicht die Rede sein. Vereinzelt treten Ansteckungsfälle auf, die sich rasch verbreiten. Zum Beispiel in Göttingen: 146 Neuinfektionen wurden hier gemeldet (Stand 07.06.2020). Die Infizierten hatten sich größtenteils im Zuge privater Familienfeiern angesteckt. Ab 50 Infektionen pro 100.000 Einwohnern müssen Städte mit einem erneuten Lockdown rechnen. Hinzu kommt die Sorge um eine zweite Corona-Welle. Prädestiniert dafür wäre der Herbst, wenn sich Menschen vermehrt in geschlossenen Räumen aufhalten. Eine Studie aus den USA deutet darauf hin, dass die Ansteckungsgefahr in Innenräumen größer ist als bisher vermutet. Das Virus kann über Speicheltröpfchen übertragen werden, die z. B. beim Sprechen austreten. Ist das Büro also ein neuer Ansteckungsherd? Müssen alle Mitarbeiter künftig Masken tragen? Und bringt das überhaupt etwas? In puncto Maskenpflicht herrscht selbst unter Wissenschaftlern Uneinigkeit. Wie sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit der Corona-Unsicherheit umgehen?

 

Führungskräfte begrüßen die Rückkehr 

Viele Arbeitgeber werden sich im Zuge der Lockerungen die Frage stellen, ob ihre Mitarbeiter den Büroalltag wiederaufnehmen sollten. Home Office ist für viele nur eine Übergangslösung. Mitarbeiter lassen sich Zuhause schwerer überwachen und stoßen womöglich auf Ablenkungsquellen. Die Videokonferenzen funktionieren mehr oder weniger, aber vielen fehlt der Face-to-Face Kontakt. Viele Unternehmen lösen das Problem mit einer schrittweisen Rückkehr in den Arbeitsalltag. Kolleginnen und Kollegen kehren tageweise in den Betrieb zurück, den Rest der Zeit arbeiten sie im Home Office. So soll sichergestellt werden, dass nicht zu viele Mitarbeiter zeitgleich im Büro sind und die Abstandregeln eingehalten werden. Laut StepStone Umfrage hielten es 79 % der Führungskräfte für vertretbar, die Arbeit ab Mai wieder ins Büro zu verlegen (Quelle: Business Insider). 60 % hatten zum Zeitpunkt der Befragung sogar schon einen Plan für die Rückkehr. Wie sieht es mit den Mitarbeitern aus? Rund 82 % der Befragten sprachen sich für die Präsenzarbeit aus. Nur einer von fünf Arbeitnehmern fürchtet eine Ansteckung im Betrieb. Der Großteil vertraut seinem Arbeitgeber, den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sicherzustellen.

 

Zurück an den Arbeitsplatz: nur mit Infektionsschutz 

Arbeitgeber unterliegen einer allgemeinen Fürsorgepflicht (§ 618 BGB). Sie müssen für die Unversehrtheit von Leben und Gesundheit der Mitarbeiter sorgen. Dies allerdings im Rahmen von „zumutbaren“ Schutzvorkehrungen. Wie in anderen Einrichtungen auch sind im Betrieb Hygieneregeln zu berücksichtigen. Ein Mitarbeiter sollte mindestens Waschmöglichkeiten mit Seife vorfinden. Arbeitgeber sollen einen Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern gewährleisten (auch im Kundenkontakt jenseits der Betriebsstätte). Dies ist z. B. über Markierungen am Boden oder Absperrungen möglich. Ggf. können Trennwände installiert werden. Büroräume sollten nicht mehrfach belegt werden, um ausreichend Schutzabstand zu ermöglichen. Unternehmen sollten Stoßzeiten wie Arbeitsbeginn/-ende und Pausenzeiten berücksichtigen, um Mitarbeiteransammlungen zu vermeiden (z. B. durch versetzte Pausen oder reduzierte Bestuhlung in der Kantine). Je nach Betrieb ist es sinnvoll, Mund-Nase-Bedeckungen für Mitarbeiter und Kunden bereit zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn die Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können. Außerdem wichtig: regelmäßiges Lüften. Dadurch kann die Luftqualität verbessert und ein Anstieg an Krankheitserregern vermieden werden.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat die wichtigsten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards zusammengestellt.

 

Aufklärung ist wichtig

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat das Handbuch Betriebliche Pandempieplanung** **herausgegeben. Auf Seite 32 werden konkrete Maßnahmen für die Rückkehr zur Normalität gelistet, z. B.

  • Informieren der Mitarbeiter über den betrieblichen Umgang mit der Pandemie
  • Auswertung der Pandemiefolgen
  • Analyse von Mängeln im Pandemieplan

Arbeitnehmer sollten über diese Maßnahmen aufgeklärt werden. Hat die Arbeit im Home Office gut funktioniert, können Arbeitgeber überlegen, ob sie die Heimarbeit (tageweise) beibehalten. Arbeitgeber sind außerdem zu Wachsamkeit aufgerufen. Mitarbeiter mit Symptomen sollten nach Hause bzw. zum Arzt geschickt werden.

 

Was tun, wenn Mitarbeiter sich weigern? 

Nicht jeder Mitarbeiter begrüßt die Rückkehr an den Arbeitsplatz. In der Regel verfügt der Arbeitgeber über ein Weisungsrecht. Er kann Mitarbeiter verpflichten, an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Anders sieht es aus, wenn im Arbeitsvertrag die Möglichkeit auf Home Office vereinbart ist oder eine Betriebsvereinbarung die Heimarbeit bis zu einem bestimmten Datum vorsieht. Um vom Weisungsrecht Gebrauch machen zu können, sollten ausreichend Hygienemaßnahmen im Betrieb gewährleistet werden. Erfüllt ein Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht nicht, kann der Mitarbeiter u. U. seine Leistung verweigern. Ggf. ist ein Unternehmen auch bereit, auf den Wunsch nach Home Office einzugehen. Insbesondere, wenn die Heimarbeit in Corona-Zeiten gut funktioniert hat. 

 

Fazit

Der Lockdown scheint vorerst überstanden. Dank erster Lockerungen können viele Einrichtungen schrittweise wieder öffnen. Auch Mitarbeiter können (tageweise) ins Büro zurückkehren, sofern Hygienemaßnahmen, Abstandsregeln und Co. eingehalten werden. Arbeitgeber können hier z. B. auf die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandards des BMAS zurückgreifen. 

Quelle Foto: © Prostock-studio / Adobe Stock

 

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