BIV Frühlings-Konjunkturumfrage: Gebäudedienstleister zeigen Hilfsbereitschaft

verfasst von zvoove, 27.04.2022
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Der Krieg und seine Folgen beschäftigen die Branche

Die Digitalisierung in all ihren Facetten ist immer ein großes Thema unter den Gebäudereinigern, angetrieben auch durch die Corona-Pandemie. Nicht selten stehen daher Themen im Fokus, die mit der Digitalisierung einher gehen, wie die Innovationen des Internet of Things. Doch das ist nicht alles. In den letzten beiden Jahren waren die Pandemie und ihre Auswirkungen stark im Vordergrund. Das ist heute nicht anders, auch wenn die Unternehmen der Branche auf eine deutliche Entspannung im Jahr 2022 gehofft haben. Doch nicht alleine Corona sorgt für eine derzeit angespannte Stimmung. Denn durch den schrecklichen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine sind plötzlich Probleme und Sorgen anderer Art entstanden.

Gebäudedienstleister wollen Geflüchtete aus der Ukraine beschäftigen

Neben den Ängsten und Unsicherheiten, die dieser Krieg auslöst, entstand bei den Gebäudedienstleistern der Wunsch, zu helfen. Neben zahlreichen Spenden von Geld und Hilfsgütern haben viele Firmen die Bereitschaft geäußert, Geflüchtete aus der Ukraine zu beschäftigen, wenn es ihnen hilft. Dieses Arbeitsangebot gilt auch für eine vorübergehende Beschäftigung, da natürlich die Hoffnung da ist, dass die Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren können. In der Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbandes der Gebäudereiniger gaben 82,9 % der befragten Firmen an, ukrainische Flüchtlinge beschäftigen zu wollen.

Beweis für den starken Charakter der Branche

Eben diese bemerkenswert hohe Bereitschaft steht dafür, was die Branche der Gebäudedienstleistung auszeichnet: Toleranz, Weltoffenheit, Internationalität und kulturelle Vielfalt. Das Arbeitsangebot an die ukrainischen Flüchtlinge ist als Hilfestellung und Unterstützung gedacht. Damit die Menschen sich hier in einem fremden Land selbst versorgen und einen weitestgehend normalen Alltag erleben können. Das Handwerk der Gebäudereiniger hat eine integrative Rolle auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ganze 40,1 % der Beschäftigten haben einen Migrationshintergrund bzw. keinen deutschen Pass. Das stellt aber kein Hindernis dafür dar, in der Branche Fuß zu fassen und auch aufzusteigen, denn die Gebäudereinigung bietet Chancen für alle Menschen. Da ist es keine Überraschung, dass gerade hier eine so große Bereitschaft besteht, die Flüchtlinge einzustellen.

Hilfsangebot auch für die Gebäudereinigung eine Chance

In der BIV Frühjahrs-Konjunkturumfrage wird ebenfalls deutlich, dass sich 89 % der 328 befragten Unternehmen einen Beschäftigtenaufbau vorstellen können. Im Herbst 2021 waren es noch 69,2 %. Zur Umsetzung dieser Vorstellung ist passendes Personal nötig. Der Fachkräftemangel ist jedoch auch in der Gebäudedienstleistung spürbar. Da stellen die möglichen, in der Regel gut ausgebildeten Geflüchteten aus der Ukraine eine gute Möglichkeit dar, die Ziele umzusetzen.

Arbeitsmarktintegration im Handwerk?

Laut Bundesarbeitsminister Heil bereitet der Arbeitsmarkt sich auf eine längere Anwesenheit der ukrainischen Flüchtlinge vor. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks sieht hier Chancen für die Arbeitsmarktintegration im Handwerk. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass eine langfristige oder vorübergehende Beschäftigung der ukrainischen Flüchtlinge sowohl den Menschen als auch den Unternehmen der Branche eine Hilfe ist. Dass dabei nicht nur die Interessen der Firmen im Fokus stehen dürfen, hat die IG Bau (Industriegewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt) deutlich gemacht. Der Gewerkschaftschef Robert Feiger warnt davor, den Geflüchteten Arbeit zu schlechten Bedingungen anzubieten und so ihre Situation auszunutzen. Damit spricht er ebenso die Baubranche und die Landwirtschaftsbetriebe an. Vielmehr fordert er die Integration auf dem Arbeitsmarkt, vor allem durch die schnelle Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, durch Zugang zu Sprachkursen und durch vereinfachte Kinderbetreuung.

Hinweise für grundlegende bürokratische Wege

Von den mehr als 5 Millionen Flüchtlingen aus der Ukraine sind bisher fast 400.000 nach Deutschland gekommen. Eine Anstellung soll eine Hilfestellung und eine Unterstützung für sie sein. Damit der Weg in eine Beschäftigung nicht unnötig erschwert wird, gibt es vereinfachte Prozesse. Wichtig zu wissen ist, dass der Besitz eines biometrischen Passes jedem Flüchtling aus der Ukraine automatisch einen 90-tägigen visumsfreien Aufenthalt ermöglicht. In der Zeit muss ein Antrag auf Erteilung eines Aufenthaltstitels gestellt werden. Dem liegt eine Ausnahmeregelung zugrunde, die zur Ukraine-Aufenthalts-Übergangsverordnung gehört.
Fehlt der biometrische Pass, muss sich die geflüchtete Person bei der örtlichen Ausländerbehörde registrieren und dort auch eine Arbeitserlaubnis beantragen, die zeitnah erteilt wird. So muss keine weitere Behörde konsultiert werden, auch nicht die Bundesagentur für Arbeit, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten.

Informationen für Geflüchtete und Unternehmen:

Die EU-Innenminister haben bei der Aktivierung der Massenstrom-Richtlinie der EU im März 2022 erwirkt, dass die Geflüchteten für einen Zeitraum von 1 bis 3 Jahren eine Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung beantragen können. Hier gibt es hilfreiche Informationen für Geflüchtete und Unternehmen:

• Spezielle Jobbörsen für ukrainische Flüchtlinge und Unternehmen auf Deutsch und Ukrainisch

FAQ für Geflüchtete vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Informationen für Geflüchtete vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Informationen für Unternehmen im Magazin „Blickpunkt“ vom Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks

Weitere Ergebnisse der Umfrage

In der BIV Frühjahrs-Konjunkturumfrage standen der Krieg und seine Folgen im Fokus. Die gestiegenen Preise bei Strom, Gas, Öl und Benzin beeinträchtigen auch die Branche der Gebäudedienstleister. Gerade weil es sich um ein Dienstleistungshandwerk handelt, das auf Mobilität angewiesen ist. So bewerten die befragten Unternehmen die Sorgen, die durch den Preisdruck entstehen, mit 7,3 von 10 Punkten. Dabei steht 1 für eine kleine Belastung und 10 für eine große Belastung. Bedingt durch die weiterhin andauernde Pandemie sind auch die gestiegenen Krankenstände ein spürbarer Faktor. 90,8 % der Unternehmen verzeichnen einen Anstieg der Krankmeldungen. Bei 62 % ist der Anstieg sogar deutlich. Die coronabedingte Kurzarbeit ist bei 89,9 % der befragten Firmen kein Thema mehr. Im Herbst 2021 waren es mit 88,8 % fast genauso viele. Diese Entwicklung ist positiv und sicherlich der Ausgangspunkt für den zuvor erwähnten Beschäftigungsaufbau. Dennoch erwarten nur 46 % steigende Umsätze. 21,3 % erwarten sogar sinkende Umsätze.

Fazit

Neben essenziellen Themen wie Digitalisierung und Automatisierung bewegen der Krieg und seine Folgen und weiterhin die Pandemie die Gebäudedienstleiter, wie die aktuelle BIV Frühjahrs-Konjunkturumfrage zeigt. Dabei stehen nicht nur die Sorgen wegen der gestiegenen Energiepreise im Fokus, sondern auch die Frage, wie man Geflüchteten helfen kann. Langfristige oder vorübergehende Arbeitsangebote sind die Möglichkeiten, die die Branche hat und gerne nutzen möchte. Dies spricht dafür, dass gerade die Gebäudedienstleitung eine weltoffene, tolerante und kulturell Vielfältige Branche ist, die jedem Menschen eine Chance bietet.

Quelle Foto: © kues1 / Adobe Stock

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