Beschäftigungsentwicklung und Trends in der Zeitarbeit

verfasst von zvoove, 22.02.2019
keyboard_arrow_left Zurück zur Übersicht

Aktuelle Zahlen

Rund 1 Millionen Zeitarbeitnehmer waren im gleitenden Jahresdurchschnitt von Juli 2017 bis Juni 2018 für die Branche beschäftig – das sind laut Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit knapp 3 % der Gesamtbeschäftigten. Die Arbeitnehmerüberlassung bietet niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten in die Berufswelt – etwa Geringqualifizierten, Menschen ohne Berufsabschluss oder (Langzeit-)Arbeitslosen. Über 50 % der Zeitarbeiter üben laut Statistik Helfertätigkeiten aus, etwa ein Drittel arbeiten als Fachkraft. Menschen, die Schwierigkeiten haben, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen, bietet die Zeitarbeit eine Chance, Berufserfahrungen zu sammeln, Unternehmen und Arbeitgeber kennenzulernen und sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Ein Großteil der neu geschlossenen Beschäftigungsverhältnisse in der Zeitarbeit verhilft Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu einer Anstellung. Von allen im 1. Halbjahr 2018 geschlossenen Zeitarbeitsverhältnissen kamen 64 % mit Personen zustande, die unmittelbar zuvor nicht beschäftigt waren. Berufseinsteigern eröffnet die temporäre Beschäftigung eine Orientierungsmöglichkeit. Auch Menschen, die aufgrund von Phasen der Nichterwerbstätigkeit eine Wiedereinstiegsmöglichkeit in das Berufsleben suchen, bietet die Zeitarbeit eine Reintegrationsmöglichkeit. Ebenfalls gezeigt hat sich, dass die Zeitarbeit eine wichtige Rolle als Integrationsleistung für Geflüchtete spielt. Zwischen Oktober 2017 und September 2018 generierte die Branche laut Bericht etwa ein Drittel aller Beschäftigungsaufnahmen aus den Hauptasylherkunftsländern

Laut Statistik sind mehr als 9 von 10 Zeitarbeitnehmern sozialversicherungspflichtig beschäftigt, der Großteil von ihnen arbeitet in Vollzeit. Mit 84 % liegt der Anteil der Vollzeitbeschäftigten in der Zeitarbeit höher als bei anderen Beschäftigten (72 %). Eine Teilzeittätigkeit üben 16 % aus. Die Arbeitnehmerüberlassung ist durch eine Dreieckskonstellation zwischen Verleiher, Zeitarbeitnehmer und Entleiher gekennzeichnet: Der Arbeitnehmer ist i. d. R. bei einem Verleihbetrieb sozialversicherungspflichtig angestellt – er genießt dadurch die Rechte eines regulären Arbeitnehmers, z. B. Leistungen der Renten-, Kranken-, Pflege- und Unfallversicherung, Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub. Der Anteil ausschließlich **geringfügiger Beschäftigter **ist in der Zeitarbeit mit 7 % niedriger als bei den Gesamtbeschäftigten (13 %). Dass die Zeitarbeit ein Sprungbrett in das Arbeitsleben darstellen kann, zeigen die Zahlen des Berichts: Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses in der Zeitarbeit findet der Großteil schnell wieder eine Anstellung. Im 1. Halbjahr 2018 sind fast 70 % der Zeitarbeiter 90 Tage nach Beendigung wieder einer Beschäftigung nachgegangen – größtenteils sozialversicherungspflichtig und außerhalb der Zeitarbeit.

 

Beschäftigungsrückgänge seit der AÜG-Reform 

Zum 01.04.2017 ist das reformierte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) mit einschneidenden Änderungen für die Branche in Kraft getreten, etwa einer gesetzlichen Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten und Equal-Pay-Vorschriften. Zahlen des Arbeitsmarkberichts legen nahe, dass die Zeitarbeitsbranche auf konjunkturelle Entwicklungen und Gesetzesänderungen reagiert. Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der AÜG-Reform lag die Anzahl der Beschäftigten bei 1.023.000 und zeigte sich zunächst rückläufig. Langfristig lässt sich ein Aufwärtstrend verzeichnen: Mitte der 80er Jahre lag die Beschäftigtenzahl bei rund 42.000 und hat sich innerhalb von 10 Jahren mehr als verdoppelt. Zum Zeitpunkt der 5. Gesetzesreform am 1. Januar 2013 – das AÜG ist die mittlerweile 6. Gesetzesnovellierung – waren über 280.000 Menschen als Zeitarbeitnehmer tätig. Der Arbeitskräftebedarf in der Arbeitnehmerüberlassung ist nach wie vor hoch. Auch die Zeitarbeitsbranche bekommt die Arbeitskräfteengpässe und die erschwerte Rekrutierungslage auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Die Vakanzzeit hat sich laut Bericht seit 2014 von 79 Tagen auf 109 Tage erhöht. Für Arbeitgeber aus der Branche bieten die Integration von Flüchtlingen und Strategien des internationalen Recruitings eine Möglichkeit, ihren Suchradius zu erweitern.

 

80 % der Zeitarbeiter arbeiten in Betrieben mit AÜ-Schwerpunkt

Über 52.000 Verleihbetriebe wurden zum Erhebungszeitpunkt im Juni 2018 verzeichnet, davon der Großteil Mischbetriebe, die keinen Schwerpunkt im Bereich Arbeitnehmerüberlassung setzen (40.600). Das Gros der Beschäftigten findet sich mit rund 80 % in Betrieben mit dem Schwerpunkt Zeitarbeit: 41 % der Schwerpunktbetriebe beschäftigen 50 oder mehr Zeitarbeitnehmer. Bei 9 von 10 Mischbetrieben liegt die Beschäftigtenzahl der Leiharbeitnehmer unter 10.

 

Der Trend geht in Richtung Dienstleistungsberuf 

Die Zahl der Zeitarbeitnehmer in Produktionsberufen ist rückläufig, wohingegen sich langfristig ein Trend hin zu Dienstleistungstätigkeiten abzeichnet. Dennoch ist mit über 40 % ein Großteil der Leiharbeitnehmer im Produktionsbereich tätig. Insbesondere der wirtschaftliche Dienstleistungsbereich verzeichnete ein Plus an Arbeitskräften (+ 4 %), bei den personenbezogenen Dienstleistungen zeigt sich ein Zuwachs von 5 %. Im Bereich der kaufmännischen Tätigkeiten gab es einen Rückgang von 1 %, also rund 2000 Zeitarbeitern. Ein Großteil der Arbeitnehmer in der Leiharbeit ist männlich (730.000), etwa die Hälfte der Zeitarbeiter ist in der Produktion, ein Drittel im wirtschaftlichen Dienstleitungsbereich tätig. Von den rund 305.000 weiblichen Beschäftigten arbeitet die Mehrzahl in Dienstleistungsberufen.

 

 

 

Fazit

Die Zeitarbeit bietet insbesondere Berufseinsteigern, Wiedereinsteigern, (Langzeit-)Arbeitslosen, Geflüchteten und geringqualifizierten Menschen eine Chance, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Der Großteil der Beschäftigten ist sozialversicherungspflichtig und in Vollzeit bei einem Verleihunternehmen angestellt – ist also z. B. durch Leistungen der Renten- und Krankenversicherung sowie Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall abgesichert. Tätigkeiten im Produktionsbereich machen einen großen Teil der Einsatzmöglichkeiten aus, jedoch lässt sich ein Trend in Richtung Tertiärsektor beobachten. Der Arbeitskräftebedarf in der Zeitarbeit ist nach wie vor hoch.

Foto: © industrieblick / Fotolia

 

Du besuchst zvoove.com mit dem Internet Explorer

Dieser Browser wird seit 2020 nicht mehr unterstützt. Das bedeutet, dass Dir einige Funktionen von zvoove.com nicht zur Verfügung stehen.

Damit du alle Funtionen von zvoove.com nutzen kannst, empfehlen wir, unsere Webseite mit einem aktuellen Browser wie Microsoft Edge, Mozilla Firefox oder Google Chrome zu besuchen.