Azubi-Prämien für Unternehmen: Ausbildung in unsicheren Zeiten

verfasst von zvoove, 21.07.2020
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Weniger Ausbildungsplätze in unsicheren Zeiten  

Dieses Jahr ist für Ausbildungsanwärter nicht einfach. Die Corona-Krise hat viele Unternehmen verunsichert. In Zeiten von Kurzarbeit und wirtschaftlicher Unsicherheit kämpfen Firmen darum, Stammpersonal zu behalten und Kündigungen zu vermeiden. Das Einstellen von Auszubildenden steht bei einigen Firmen weiter unten auf der Agenda. Laut Bundesagentur für Arbeit ist die Zahl der Ausbildungsplätze um 9 % eingebrochen (Quelle: zdf). Allerdings ist die Anzahl an Ausbildungsstellen und Bewerbern schon im Vorjahr gesunken. 2019 gab es einen Rückgang von 1,2 %, von dem vor allem Handwerk, Industrie und Handel betroffen waren (Quelle: Zeit). 2020 zeigen sich deutliche Einbrüche in Gastronomie und Hotellerie, im Friseurhandwerk, Maschinenbau und Betriebstechnik. Weniger Ausbildungsplätze gibt es vor allem in Bereichen, die für Absolventen mit Hauptschulabschluss offenstehen. Noch haben Betriebe Zeit für eine Weichenstellung. Die Einstellung von Auszubildenden ist ein wichtiger Schritt in der langfristigen Fachkräftesicherung. Jetzt greift der Staat ein, um das Ausbildungsangebot stabil zu halten. Unternehmen sollen eine Ausbildungsprämie erhalten, wenn sie weiterhin Azubis einstellen. Die Eckpunkte des Programms „Ausbildungsplätze sichern“ hat das Bundeskabinett Ende Juni beschlossen. Die Förderrichtlinie soll spätestens bis zum Start des neuen Ausbildungsjahres im August 2020 finalisiert werden.

 

Bis zu 3000 Euro pro Ausbildungsplatz 

Der Staat unterstützt Ausbildungsbetriebe mit einem 500 Millionen Euro schweren Hilfsprogramm (Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung). Die Azubi-Prämie soll kleinen und mittelständischen Unternehmen zu Gute kommen. KMU haben besonders mit Kurzarbeit und Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Sie können eine Prämie von bis zu 3000 Euro pro Ausbildungsplatz erhalten.

  • Unternehmen, die ihr Ausbildungsangebot aufrechterhalten, können gefördert werden. Sie bekommen 2000 Euro für jeden abgeschlossenen Ausbildungsvertrag für das Ausbildungsjahr 2020.
  • Stocken Betriebe ihr Angebot auf, erhalten sie 3.000 Euro für jeden zusätzlich geschaffenen Ausbildungsvertrag.
  • Unternehmen, die Azubis aus pandemiebedingt insolventen Betrieben übernehmen, stehen** 3.000 Euro** pro Auszubildendem zu.
  • Unternehmen können 75 % der Bruttoausbildungsvergütung erhalten, wenn sie keine Kurzarbeit für Auszubildende und Ausbilder anmelden.
  • KMU oder Ausbildungsdienstleister können Azubis aus anderen Betrieben zeitweise übernehmen. Dafür erhalten sie eine Förderung.

 

Allgemeine Voraussetzungen für die Förderungen

Der Staat fördert kleine und mittelständische Unternehmen mit bis zu **249 Beschäftigten **(Stichtag 29.02.2020), die ihr Ausbildungsniveau konstant halten oder erhöhen. Voraussetzung ist, dass die KMU eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf oder eine praxisintegrierte Ausbildung im Gesundheits- und Sozialwesen anbieten. Praktika fallen nicht hierunter. Maßgeblich für die Auszahlung der Prämie ist der Beginn der Ausbildung. Diese sollte frühestens am 01.08.2020 starten. Ausbildungen ab dem 01.08.2020 können auch gefördert werden, wenn der Vertrag bereits früher abgeschlossen wurde.

 

Welche Voraussetzungen gelten für die Ausbildungsprämien? 

Unternehmen, die ihr Ausbildungsangebot im Vergleich zu den letzten 3 Vorjahren aufrechterhalten oder aufstocken, können gefördert werden. Sie erhalten eine Ausbildungsprämie von 2.000 bzw. 3.000 Euro. Voraussetzung ist, dass sie von der Corona-Krise** erheblich betroffen** sind. Dies ist der Fall, wenn sie:

  • mindestens einen Monat Kurzarbeit in der 1. Jahreshälfte genutzt haben.
  • die Umsatzeinbrüche im April/Mai 2020 im Schnitt mindestens 60 % im Vergleich zu den Vorjahresmonaten betragen.

(Sollten die Unternehmen nach April oder Mai 2019 gegründet worden sein, gelten November und Dezember als Vergleichsmonate.)

 

Was ist beim Verzicht auf Kurzarbeit zu beachten? 

Betriebe, die trotz pandemiebedingter Schwierigkeiten auf Kurzarbeit verzichten, können eine monatliche Förderung erhalten. Die Unterstützung greift für Betriebe mit einem Arbeitsausfall von mindestens 50 %. Voraussetzung ist, dass Unternehmen ihre Ausbildungsaktivitäten beibehalten. Die Förderung ist befristet bis zum 31.12.2020.

 

Unterstützung bei (temporärer) Übernahme 

In einigen Unternehmen können Azubis ihre Ausbildung im Zuge der Pandemie übergangsweise nicht fortführen. Die Firmen sind (z. T) von Schließungen bedroht und ihr Geschäftsbetrieb ist eingeschränkt. KMU werden gefördert, wenn sie die Ausbildung temporär übernehmen, d. h. für mindestens 6 Monate. Voraussetzung ist, dass sie eine Ausbildungseignung besitzen. Die Förderung läuft bis zum 30.06.2021.

Bei Corona-bedingter Insolvenz von Betrieben, können Unternehmen Auszubildende auch bis zum Ende der Ausbildung übernehmen. Bilden sie diese für die Dauer der restlichen Ausbildung aus, können sie eine Übernahmeprämie von 3.000 Euro erhalten. Die Prämie ist befristet bis zum 30.06.2021.

 

Die Chance nutzen 

Der Fachkräftemangel begleitet Unternehmen seit Langem. Lange Vakanzzeiten und zu wenig qualifizierte Nachwuchskräfte erschweren das Recruiting. Besonders Personaldienstleister, deren wichtigste Ressource das Personal ist, kennen das Problem. 82 % der Zeitarbeitsfirmen können Vakanzen längerfristig nicht besetzen (DIHK-Arbeitsmarktreport). Die staatliche Förderung bietet eine Chance, langfristig zu denken und Ausbildungsplätze weiter oder gar verstärkt zu besetzen. Besonders wichtig für frischgebackene Azubis (vor allem in unischeren Zeiten) ist das Onboarding. Selbst ohne 100 % Präsenzbetrieb kann das Onboarding sehr gut gelingen, wenn es digital begleitet wird – z. B. mit unserem Azubi-Special für Auszubildende in der Zeitarbeit. Diesmal in einem ganz besonderen Format: Ihre Azubis erhalten einen individuellen Zugang zu einer Selbstlernplattform. Per Video bereiten sie sich 6 Wochen intensiv auf die betriebliche Praxis vor. Die wöchentlichen Video-Uploads vermitteln relevante Branchenthemen (z. b. Recruiting, Recht) und natürlich Office® Know-how. Der Vorteil des Online-Lernens: Azubis können sich die Videos mehrfach ansehen. Außerdem erhalten sie eine gratis Office®-Lizenz für die Dauer der Ausbildung.

 

Fazit

Die Corona-Krise betrifft auch die Ausbildungssituation. Unternehmen stellen zum Teil weniger Azubis ein als im Vorjahr – trotz langjähriger Fachkräfteengpässe. Der Staat bietet Unternehmen für das Ausbildungsjahr 2020 ein Förderpaket, um eine mögliche Fachkräfte-Krise zu vermeiden. Unternehmen, die weiterhin ausbilden oder ihr Ausbildungsangebot aufstocken, können eine Prämie erhalten. Unterstützung gibt es auch für Betriebe, die temporär oder bis zum Ende der Ausbildung Auszubildende übernehmen. Neben der Fachkräftesicherung tragen sie dazu bei, Ausbildungsanwärtern eine Perspektive für die Zukunft zu bieten.

Quelle Foto: © Atelier 211 / Adobe Stock

 

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